WÜRZBURG

„Journalisten dürfen und sollen sogar Haltungen haben“

AfD-Landesvorsitzender Hampel
Armin-Paul Hampel Foto: Julian Stratenschulte (dpa)

Armin-Paul Hampel (59) ist Vorsitzender der AfD in Niedersachsen und Mitglied im Bundesvorstand. Hampel ist gelernter Journalist. Er volontierte beim Bonner Generalanzeiger, arbeitete als Hauptstadtkorrespondent für RTL und Sat1, bevor er 1991 Nachrichtenchef beim Mitteldeutschen Rundfunk wurde. Später berichtete er als ARD-Korrespondent aus Berlin und dem Ausland, von 2003 bis 2008 war er Leiter des Studios in Neu-Delhi.

Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk sieht Hampel Reformbedarf. Zu oft hänge die Art der Berichterstattung von der persönlichen Meinung der Journalisten ab, kritisierte er kürzlich im Interview mit dem Mediendienst „Übermedien“. Angesprochen auf die in der AfD kursierenden „Lügenpresse“-Vorwürfe sagte er, er halte den Begriff für „nicht angebracht“. Es gebe nämlich durchaus Journalisten, die mit der AfD „sehr fair umgehen“. Gleichwohl drücke der Vorwurf die Enttäuschung vieler Menschen aus, die glauben, von den Medien nicht umfassend informiert zu werden.

Carsten Reinemann (45)  ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er hat immer wieder über die Glaubwürdigkeit von Medien geforscht und festgestellt, dass diese trotz aller Kritik nach wie vor Vertrauen genießen. Trotz Schwankungen sei ein dramatischer Trend nach unten nicht festzustellen, sagt er. „Lügenpresse“-Vorwürfe erklärt er weniger mit schlechtem Journalismus, als mit einer lauter werdenden Kritik am demokratischen System. Da würden Journalisten dann mit Politikern in einen Topf geworfen.

Die Polarisierung in der Gesellschaft werde durch das Internet noch verschärft, sagt Reinemann. Algorithmen spielten vor allem Nachrichten und Meinungsbeiträge aus, die den Interessen der User entsprächen. So bekämen diese auch bei radikalen Positionen das Gefühl „Alle Menschen denken so wie ich.“ Die Bereitschaft sinke, sich mit Menschen, auch mit Journalisten, zu beschäftigen, die anders denken als man selbst.

Georg Restle (51) ist seit 2012 Redaktionsleiter und Moderator des Politikmagazins „Monitor“. Der studierte Jurist arbeitet seit 1994 für den Westdeutschen Rundfunk, seit 2000 gehört er der „Monitor“-Redaktion an, unterbrochen von zwei Jahren (2010 - 2012) als ARD-Korrespondent in Moskau. Es wird spannend sein, zu hören, was Restle zur Russland-Berichterstattung deutscher Medien zu sagen hat, die von „Lügenpresse“-Rufern häufig ebenfalls ins Visier genommen wird.

Der TV-Journalist versteht sich „nicht als neutrale Moderatorenfigur“. Er sei ein „politisch denkender Kopf“ und bringe das auch zum Ausdruck, sagte er in einem Interview mit dem Berliner „Tagesspiegel“. Und weiter: „ Journalisten dürfen und sollen sogar Haltungen haben – und sie auch zeigen.“ In „Tagesthemen“-Kommentaren zur Flüchtlingspolitik wird Restle diesem Credo regelmäßig gerecht. Die Folge ist einerseits Zustimmung, anderseits häufig aber auch ein Shitstorm, bei dem es üble Beleidigungen auszuhalten gilt.

Carsten Reinemann
Georg Restle Foto: wdr

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