WÜRZBURG

Junge Würzburger bloggen modisch

Modeblogger: Junge Würzburger fotografieren ihre Outfits und präsentieren sie online. Manche verdienen damit sogar Geld.
Immer auf der Suche nach ausgefallenen Locations: Tanja Haber bloggt seit 2011 über Mode und ist seit Kurzem Teil des di...

Die Farbgebung von Patrick Scherzers Look ist schlicht, ganz in schwarz. Dennoch sticht er mit seinem urbanen Stil aus der Masse hervor. Er trägt ein überlanges Shirt, darüber eine fließend fallende Jacke und Schuhe, die glänzende und matte Textilien miteinander vereinen.

„Zunächst war es eine Katastrophe“ erinnert sich der 20-jährige Design-Assistent beim Kitzinger Modelabel Drykorn an seine Anfänge als Modeblogger. Als er 2012 begann, regelmäßig Fotos von sich in neuen Outfits auf seinem Blog „bangtobang“ zu veröffentlichen, hagelte es Beleidigungen.

Ein Blog ist eine Art Internet-Tagebuch, das für jeden zugänglich ist. Die meisten Blogs konzentrieren sich auf ein Thema wie beispielsweise Mode. Sich als Modeblogger zu behaupten ist schwer – vor allem als Mann. Patrick Scherzer biss die Zähne zusammen und zog sein Ding durch.

Männliche Modeblogger sind eher rar. Frauen haben weniger Scheu. Beispielsweise die 24-jährige Management-Assistentin Tanja Haber. Sie weiß, wovon Patrick Scherzer spricht: „Es gibt immer noch Leute, die einen belächeln“. Dabei ist sie mit ihrem Blog „Modelovers“ schon seit drei Jahren erfolgreich.

„Man erhält aber auch viel Zuspruch“, fügt Studentin Jessica Nowak hinzu. Ursprünglich kommen sie und ihre Schwester Martha Soldaczuk, mit der sie seit 2011 das Blog „Vintage life en vogue“ betreibt, vom Land. Und wenn man sich auf dem Land etwas ausgefallener anzieht, fällt man auf – aber nicht unbedingt positiv. Jessica Nowak trägt einen langen Mantel, darunter ein zart gemustertes Kleid in Pastelltönen und einen dunklen Hut mit einer breiten Krempe. Die Studentin deutet auf die Kopfbedeckung: „Nicht mal den kann ich dort tragen, ohne schräg angesehen zu werden.“ Mit einem Lachen gesteht sie: „Es ist wirklich so, wie man es sich vorstellt.“

Deshalb empfindet sie es in Würzburg entspannter. Hier wird man für einen mutigen Kleidungsstil nicht belächelt. Laura Schorfmann bestätigt das. Sie hatte hier noch nie das Gefühl, wegen eines Outfits schiefe Blicke zu ernten. Sie ist 29 Jahre alt und bloggt seit 2010 unter dem Namen „Lauscho in fashion“. Dem Blog verdankt sie ihren jetzigen Job im E-Commerce Marketing bei s.Oliver.

Der Traum eines jeden Modebloggers ist es, das Hobby zum Beruf zu machen. Aber geht das überhaupt? Kann man mit Bloggen Geld verdienen? Maren Anita Metoja tut genau das. Mit ihrem Blog „Fashion meets art“ bestreitet die 29-Jährige seit zwei Jahren ihren Lebensunterhalt. Nach und nach kamen Firmen auf sie zu, die einen gewissen Betrag dafür anbieten, dass Maren Anita Metoja über sie berichtet oder sie erwähnt. Das kann in Form eines Links oder Advertorials – eine redaktionell aufgemachte Werbeanzeige – sein.

„Man muss nicht unbedingt jedem Trend nachjagen.
Denn: Mode hat viele Triebe, aber nicht immer Blüten.“
Maren Anita Metoja, Würzburger Modebloggerin

Somit hilft sie dem Werbenden, seine Zielgruppe besser zu erreichen. Dennoch sei es wichtig, nur mit den Firmen zu kooperieren, „hinter denen man auch hundertprozentig steht“, betont Maren Anita Metoja.

In einem Punkt sind sich alle Blogger einig: Würzburg ist modisch. Die Menschen hier haben „generell Freude an schöner und stylischer Mode“, meint Unternehmensberaterin Roselinde Friedrich. Allerdings hängen in vielen Schaufenstern nur aktuelle Kleider und es fällt schwer, Mode fernab des Mainstreams zu finden, weshalb Würzburg oft eher „mitläufermodisch“ wirkt, so Patrick Scherzer. Und Maren Anita Metoja fordert: „Die Stadt sollte mutiger sein!“ Es ist also noch Luft nach oben, denn „die gibt es immer“, schmunzelt Laura Schorfmann.

Modebegeisterung allein reicht nicht aus, um einen Blog zum Laufen zu bringen. „Der Zeitbedarf ist enorm hoch, Nachhaltigkeit und Aktualität sind gefragt“, sagt Roselinde Friedrich, die seit Sommer auf „MK Fashion“ bloggt. Man muss täglich andere Blogs lesen, geeignete Locations zum Fotografieren suchen und diverse Mediakanäle wie soziale Netzwerke abarbeiten. Das heißt: Möchte man eine große Reichweite erzielen, muss man neben seinem Blog auch auf Plattformen wie Facebook und Instagram präsent sein.

Zusätzlich benötigt man jemanden, der den Auslöser der Kamera drückt. Patrick Scherzer rekrutiert seine Familie und Theresa Schmitt ihren Freundeskreis. Die Medienkauffrau ist froh, dass ihre Freunde beim Fotografieren geduldig sind. Seit Juni bloggt sie auf „Theres Meow“. Die 23-Jährige versteht es, eine glänzende Lederhose mit kariertem Hemd oder einen kamelfarbenen Wollmantel mit weißen Sneakers zu kombinieren und Akzente zu setzen.

Wenn man so viel Zeit, Geld und Liebe wie die sieben Modeblogger investiert, bleiben auch erste Erfolge nicht aus. Beispielsweise gelang es Theresa Schmitt, den Designer Tim Labenda, der ein Atelier in Würzburg hat, für ein Interview zu gewinnen.

Tanja Haber und Maren Anita Metoja sind seit Kurzem Teil des digitalen Fashionmagazins „Blogwalk“ der Mediengruppe RTL. Hierfür vereinte die Fernsehfamilie insgesamt 26 führende Bloggerinnern. Und Roselinde Friedrich wird von ihrer Lieblingsmarke „Comma,“ unterstützt.

Mittlerweile gibt es tausend Modeblogger. Möchte man trotzdem Teil der Blogger-Gemeinde werden, muss man sich des Aufwands bewusst sein. Tanja Haber rät Neulingen, „Kontinuität und Disziplin“ zu beweisen. Sie dürften nicht erfolgsbasiert denken, stimmen Laura Schorfmann und Jessica Nowak überein. Und man muss nicht unbedingt jedem Trend nachjagen, findet Maren Anita Metoja, denn „Mode hat viele Triebe, aber nicht immer Blüten“.

 
Laura Schorfmann macht vor, wie man einen sportiven Look elegant trägt.
Provozierend und inspirierend sind die Outfits von Modeblogger Patrick Scherzer.
Schlicht aber oho – Das ist der Kleidungsstil der 23-jährigen Theresa Schmitt.
Die moderne Geschäftsfrau Roselinde Friedrich wird von Walter Malcherek abgelichtet.
Jessica Nowak kann in Würzburg Hüte tragen, ohne schräg angesehen zu werden.
Sie wird fürs Bloggen bezahlt: die 29-jährige Maren Anita Metoja.

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