Röttingen

Junges Theater in Röttingen: Was "Heidi" so besonders macht

Das Team des Jungen Theaters der Frankenfestspiele Röttingen hat ein neues Angebot ins Leben gerufen. Wie das Musicalprojekt "Heidi" Jugendliche aus der Region vereint.
Bringt 30 Schülerinnen und Schüler aus der gesamten Region zum Singen und Tanzen: "Heidi", das erste eigene Musicalprojekt für Jugendliche des Jungen Theaters der Frankenfestspiele Röttingen. Foto: Catharina Hettiger

Freitagnachmittag in Röttingen: Aus der Zehntscheune der Burg Brattenstein tönt mehrstimmiger Gesang. „Die Tage, sie kommen und gehen, und das, was geschieht, geschieht“, singt ein Chor von 30 Schülerinnen und Schülern ein melancholisch-verträumtes Lied. Es stammt aus dem Musical „Heidi“ (Text: Hannes Hirth, Musik: Martin Hanns), das an Weihnachten 2020 in der Burg aufgeführt werden soll. Grundlage ist der Kinderbuch-Klassiker von Johanna Spyri über das Mädchen Heidi, das bei seinem Großvater in den Alpen lebt. „‘Heidi‘ ist unser erstes eigenes Musicalprojekt mit Jugendlichen“, erklärt Frederike Faust, Leiterin des Jungen Theaters der Frankenfestspiele Röttingen.

Erfahrungen im Einstudieren von Musicals mit Kindern haben Faust und ihr Team bereits vier Jahre lang gesammelt. Das Junge Theater, das 2016 von Knut Weber, dem damaligen Intendanten der Frankenfestspiele, ins Leben gerufen wurde, arbeitet mit zahlreichen Schulen und Kindergärten aus der Region zusammen. Mit einigen Schulen bestehen langfristige Kooperationsverträge. So etwa mit der Grundschule Röttingen, die im Rahmen einer Musical-AG in diesem Jahr mit „Emil und die Detektive“ bereits das vierte Stück zusammen mit dem Jungen Theater auf die Bühne der Frankenfestspiele gebracht hat.

„Wir haben so viele Talente, die nach der Grundschulzeit einfach verschwinden – die würden wir gern wieder einfangen."
Frederike Faust, Leiterin Junges Theater der Frankenfestspiele Röttingen

Einige der Röttinger Schüler, die zum Teil von Anfang an beim Jungen Theater dabei waren, sind seit dem Herbst Fünftklässler – und somit der Musical-AG an der Grundschule entwachsen. Doch Frederike Faust will ihre „alten Hasen, die so viel gelernt haben“, nicht einfach ziehen lassen: „Wir haben so viele Talente, die nach der Grundschulzeit einfach verschwinden – die würden wir gern wieder einfangen."

Und so beschließt sie zusammen mit Anna Harandt, die Faust seit der Spielzeit 2019 beim Jungen Theater unterstützt, das erste eigene Musicalprojekt mit Jugendlichen aus der Region auszuschreiben. Zunächst, ohne zu wissen, ob genug Schülerinnen und Schüler zusammenkommen, um überhaupt ein Musical auf die Beine stellen zu können. Bei der Wahl des Stücks stolpern Faust und Harandt über „Heidi“, „ein Stoff, der auch an Weihnachten geht“, findet Faust.

Sie haben "Heidi" ins Leben gerufen: Anna Harandt (links, Regie) und Frederike Faust (Musikalische Leitung). Angelina Lochner (nicht im Bild) komplettiert das Team als Choreografin. Foto: Catharina Hettiger

Alle Rollen sind doppelt besetzt

Gefunden haben sich schließlich 30 Jugendliche aus der Region – von Ochsenfurt bis Bad Mergentheim –, im Alter von zehn bis 17 Jahren; darunter altbekannte Gesichter ebenso wie ganz neue. „Es ist schön, dass so viele von außen gekommen sind, die wir gar nicht kannten“, freut sich Faust. Sie ist sich sicher: „So ein Projekt gibt es in dieser Form noch nicht.“ Sie selbst übernimmt bei „Heidi“ die musikalische Leitung, Regie führt Anna Harandt. Angelina Lochner ergänzt das Team als Choreografin.

Die erste Probe fand im Oktober statt, gerade mal zwei Stunden hatte das Team um Faust Zeit, um die Jugendlichen kennenzulernen – bei Kreisspielen, Tanz- und Sprechproben. „Bei der Besetzung der Rollen war viel Bauchgefühl dabei“, so Faust. Damit bei 18 Rollen alle 30 Beteiligten zum Zug kommen, sind die Figuren jeweils doppelt besetzt. „Wir haben auch noch eine Rolle dazugefügt“, sagt Faust. „Das Stubenmädchen Lissy, das in Frankfurt bei Klara arbeitet, gibt es im Original nicht.“

"Ich lese meinen Text durch und spreche ihn dann meinem Hund vor."
Catharina (12), Teilnehmerin am Musical-Projekt

Zudem wurde das Stück um Szenen, Tänze und Chorstücke erweitert. Denn: Ursprünglich enthält das Musical „Heidi“ nur fünf Lieder. Das Lied „Zu Hause“ hat Rudi Hild, musikalischer Leiter der Frankenfestspiele, für die Aufführung neu arrangiert; ansonsten behilft man sich mit vielen Reprisen.

Die Schülerinnen und Schüler werden für die Proben in ihre jeweiligen Stimmlagen aufgeteilt. Foto: Catharina Hettiger

Vom Bühnen-Neuling bis hin zum Büttenredner

Die Jugendlichen sind mit sichtlich viel Spaß und gleichzeitig Ernst bei der Sache: „Ich lese zuhause jeden Tag eine Viertelstunde meinen Text“, erzählt die zehnjährige Thea. Catharina (12) hat eine ganz besondere Methode: „Ich gehe meinen Text durch und spreche ihn dann meinem Hund vor“, sagt sie und lacht. Leonie (10) nimmt ihre Textpassagen mit dem Tablet auf, um sie sich dann immer wieder anzuhören; Ida nutzt ihr Spiegelbild als Übungspartner. Die Elfjährige aus Aub stand noch nie auf der Bühne, „meine Eltern haben im Mitteilungsblatt von dem Musical-Projekt gelesen“. Mika aus Ochsenfurt hat schon Erfahrung mit öffentlichen Auftritten, „ich steh‘ in der Bütt“, so der Zwölfjährige. Für Sophie aus Tauberrettersheim hat sich mit „Heidi“ ein langgehegter Wunsch erfüllt: „Seit drei Jahren warte ich darauf, dass es ein Musicalprojekt für Ältere gibt.“

Auch wenn Faust und ihr Team „die Heidi im Dorf lassen will“, soll das Stück nicht durchweg klassisch wie die Vorlage sein. „Wir holen es in die Moderne – zum Beispiel durch das Bühnenbild oder die Musik“, sagt Anna Harandt. In Sachen Bühnenbild hat das Gymnasium Weikersheim die Fäden in der Hand: Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Lehrerin Jutta Rietschel kümmert sich um dessen Erstellung, mit von der Partie ist außerdem Nadja Ziegler. Dass ein Projekt wie „Heidi“ überhaupt möglich ist, machen Spenden und Sponsoren möglich, erklärt Frederike Faust.

Eine Einheit - trotz zum Teil großer Alterunterschiede

Wie unterscheidet sich die Arbeit mit Jugendlichen von der mit Grundschülern? Faust fällt zunächst eine Gemeinsamkeit ein: „Jugendliche sind auch laut“, sagt sie und lacht. Und: „Ihnen ist manches peinlicher als den Kleinen.“ Der wohl größte Unterschied: „Man kann schauspieltechnisch anders arbeiten“, so Faust über das neue Projekt, das nach seiner Premiere 2020 zum festen Format werden soll.

„Der Schritt aus der Schule heraus ist so wertvoll“, betont die Leiterin des Jungen Theaters. „Eine Musical-AG unter dem Schutz des Schuldachs ist gut, dieses Projekt ist aber nochmal etwas anderes.“ Anna Harandt wiederum findet es toll, dass die Gruppe trotz zum Teil großer Altersunterschiede bereits jetzt eine Einheit bildet: „Hier plaudern die Heidi-Darstellerinnen aus der fünften Klasse mit den 17-jährigen, die den Almöhi spielen.“ Ihr Fazit: „Im Grunde sind wir eine Interessensgemeinschaft, in der alle auf das Gleiche Lust haben: Singen und Tanzen.“

Altersunterschiede spielen bei den Proben zu "Heidi" keine Rolle: Die 30 Jugendlichen des Musicalprojekts sind zwischen zehn und 17 Jahre alt. Foto: Catharina Hettiger

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