Jurist und Ökonom aus Leidenschaft

würzburg Er gilt als Vater des Kartoffelanbaus in Unterfranken: Professor Philipp Anton Ulrich förderte den Anbau von Kartoffeln und Klee sowie die Seidenraupenzucht und gab der wenig rentablen Landwirtschaft seiner Zeit damit wichtige Impulse. Neben dem "Kartoffeldenkmal" an der Rottendorfer Straße erinnert eine kürzliche restaurierte Gedenktafel in der Kirche St. Peter und Paul an den Würzburger "Kartoffel-Professor".
Nach Jurastudium und Promotion an der Würzburger Universität wurde der aus Lauda gebürtige Ulrich schon 1717 Professor der Rechte. Die Juristerei scheint dem vielseitig begabten Hochschullehrer aber nicht sehr zugesagt zu haben; schon bald beschäftigte er sich mehr mit Übersetzungen und seinem Steckenpferd, einer fortschrittlichen Landwirtschaft, als mit seinen Paragrafen: Aus dem "Professor juris" wurde, so die Zeitgenossen schmunzelnd, schon bald ein "Professor ruris" ("Landwirtschaftsprofessor").

Um Ulrichs aufklärerischen Eifer und sein religiös geprägtes Verantwortungsgefühl für die Bauern seiner Zeit verstehen zu können, ist auch seine Lebensgeschichte aufschlussreich: Die Mutter kam bei einem Raubüberfall ums Leben, die junge Ehefrau starb im Kindbett und auch die beiden Kinder erreichten das Erwachsenenalter nicht. Trost in diesen schweren Schicksalsschlägen fand Ulrich in der Religion: Er übersetzte geistliche Texte und verfasste sogar ein Libretto in italienischer und deutscher Sprache für ein Kilians-Oratorium, dessen Vertonung durch Hofkapellmeister Platti aber leider verloren gegangen ist.

Ulrich setzte sich außerdem für verschiedene Missionsstiftungen ein; sein abenteuerlichstes Projekt war die Gründung einer Missionsstation in Ungarn. Praktikabler erwiesen sich seine Pläne zur Förderung der Landwirtschaft: 1739 pachtete er den Wöllrieder Hof für 22 Jahre und den Herleshof bei Kolitzheim für 24 Jahre. Auf diesen Mustergütern baute er statt des wenig ergiebigen Getreides Luzerne zur Viehzucht sowie Kartoffeln an und setzte Pflug- und Dreschmaschinen an, um den Ertrag zu steigern. Außerdem pflanzte Ulrich im Garten seines Schwiegervaters Maulbeerbäume, um Seidenraupen zu ziehen; diese Zucht wurde später im Ursuli-nenkloster fortgeführt.

Der Werbefeldzug für Kartoffel- und Kleeanbau hatte bei den Bauern der Umgebung nur mäßigen Erfolg; beides konnte sich nur langsam durchsetzen. Umso dankbarer erinnerte man sich des Landwirtschafts-Pioniers in den Hungerjahren nach den Napoleonischen Kriegen. Sieben Jahrzehnte nach seinem Tod verschaffte eine Lebensbeschreibung aus der Feder des Würzburger Theologen Franz Oberthür Ulrich eine späte Würdigung.

Auf Oberthürs Initiative hin entstand auch an Ulrich letzter Ruhestätte in St. Peter ein Epitaph, das im November 1818 mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht wurde; ein Jahr später ließ Oberthür an einer Pietà aus dem 18. Jahrhundert an der heutigen Rottendorfer Straße eine Gedenktafel anbringen. So wurde aus der Sandsteinplastik, die heute für die Öffentlichkeit unzugänglich im Bereich der Leighton Barracks steht, das "Kartoffeldenkmal".

Dem Familienkreis I von St. Peter und den Bemühungen von Ernst Singer und Erich Ritzel ist es zu verdanken, dass 1995 das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Epitaph in St. Peter wieder fachgerecht restauriert werden konnte. Seit wenigen Monaten ziert den Denkmalssockel wieder die Originalschrift, die mangels Fotoaufnahmen durch mühsame Aktenrecherchen rekonstruiert werden musste.

In St. Peter wird das Gedächtnis Ulrichs aber auch durch eine lange, lebendige Tradition aufrechterhalten: Jedes Jahr erinnern am Erntedankfest eine Kerze und ein Körbchen mit Erdäpfeln vor der Gedenktafel an den "Vater der Kartoffel in Unterfranken". Und damit auch die Lebenden nicht zu kurz kommen gibt es im Pfarrsaal für jedermann ein Kartoffelessen mit fränkischem "Roten", Presssack, Käse, Butter und Salz, wobei der Erlös einem wohltäti-gen Zweck zugute kommt.

¤  Einige Jahrhundert vor Ulrich musste der Schäfer Hans Behaim für seine Sozialkritik mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen büßen. Seit 2001 erinnert ein Denkmal auf dem Schottenanger an den "Pfeifer von Niklashausen".

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