WÜRZBURG

KIlianiwallfahrtswoche: Heuer ist nichts, wie es immer war

Samstagabend um 19.15 Uhr: Organisator Matthias Reichert wartet an der St.-Burkard.-Kirche mit einem Filmteam und Sanitätern auf die Ankunft der Reliquienprozession.STEFAN RÖMMELT Foto: Foto:

„Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ – so lautet das Motto der diesjährigen Kilianiwallfahrt. Dass dies gelingt, verdanken die Pilgerinnen und Pilger zu einem guten Teil Organisationsleiter Matthias Reichert. Es ist Samstagabend gegen 19 Uhr, und der Geschäftsführer des Diözesanrats der Katholiken steht mit seinem Team vor St. Burkard im Mainviertel, wo gleich die Reliquienprozession mit einer „Statio“ beginnt. Reichert trägt nicht nur die neongelbe Weste des Organisationsleiters, sondern auch die Verantwortung für die Organisation der 17 Gottesdienste und Begegnungen, die in dieser Woche Tausende von Wallfahrern aus ganz Unterfranken nach Würzburg führen werden.

Während sich die Kirche allmählich füllt, berichtet der „Eventmanager“ von den umfangreichen Vorbereitungen, die bereits im letzten Herbst begonnen haben. „Da der Dom wegen der Renovierungsarbeiten in diesem Jahr als Veranstaltungsort ausfällt, mussten wir ins Neumünster ausweichen.“ Dort stehen aber nur 400 und nicht 1000 Sitzplätze wie in der Hauptkirche des Bistums zur Verfügung. Und weil auch das Burkardushaus umgebaut wird, hat man den – städtischen – Kiliansplatz als Ort der Begegnung gewählt. Kurzum – „Heuer ist eigentlich nichts, wie es immer war“, bringt Reichert die Situation auf den Punkt.

Um die „Ausnahmesituation“ zu bewältigen, haben sich die Verantwortlichen entschlossen, „kleinere Zielgruppen“ einzuladen: So wurde beispielsweise aus der „Wallfahrt der Politiker, Laienräte und Mitglieder der Kirchenverwaltungen“ eine „Wallfahrt der Dekanats- und Kreisräte“, und der beliebte Gottesdienst für die Ehejubilare findet dann Ende des Jahres im neu eröffneten Dom statt. Großer Andrang wird voraussichtlich am abschließenden „Internationalen Familiensonntag“ herrschen – um allzu großes Gedränge zu vermeiden, wuseln die Kinder in der Seminarkirche St. Michael herum.

14 000 Brezeln stehen bereit

Spannend wird es am Samstagabend, 14. Juli, ab 19.30 Uhr, wenn Tausende auf dem Residenzplatz die Hits von Pop-Ikone Elton John feiern und sich die ersten Takte des exzentrischen Briten mit den letzten Klängen des Pontifikalamts im Neumünster mischen. Das dürfte die Teilnehmer der Jugendwallfahrt auf ihrem Weg zur Begegnung im Kilianeum aber nicht stören. „Da fehlen uns natürlich einige Parkplätze“, bemerkt Reichert. Aber immerhin ein nettes „Rahmenprogramm“. Zur Kilianiwallfahrt gehören auch die Begegnungen. Und damit die Wallfahrerinnen und Wallfahrer nicht mit knurrendem Magen nach Hause fahren müssen, hat sich Reichert anstatt des sonst üblichen Kleingebäcks für Salzbrezeln entschieden. „Für jeden Wallfahrer setzen wir zwei Brezeln an, da kommen wir bei geschätzten 7000 Teilnehmern auf 14 000 Brezeln.“ Bier, Wein, Wasser und Saft werden die vom Gesang trockenen Kehlen laben. „Die Infrastruktur des Burkardushauses fehlt uns da etwas“, und so organisierte Reichert Kühlcontainer für die Getränke, die in Mehrweggläsern ausgeschenkt werden. Nicht einfach, stehen ihm doch nur ein Wasser- und ein Stromanschluss im Dom zur Verfügung.

Die letzten Vorbereitungen sind getroffen: „Gestern musste ich den Toilettenaufbau kontrollieren, außerdem haben wir Restmülltonnen an ihre Plätze gebracht.“ Auch Brezelofen und Stehtische sind jetzt dort, wo sie hingehören, und falls einen Wallfahrer die Kräfte verlassen sollten, sind die Malteser gleich zur Stelle. „Weil die für uns durchs Feuer gehen“, schätzt Reichert die Arbeit der Hilfsorganisationen besonders. Deswegen gehört der „Blaulichtgottesdienst“, das „Abendlob der Tätigen in Notfallseelsorge und Rettungsdiensten“ am Mittwochabend auch zu den Lieblingsveranstaltungen des Organisationsleiters.

Aber jetzt steht erst einmal die Reliqienprozession an. Es ist kurz vor 19.30 Uhr, blauer, wolkenloser Himmel, und für „Nachzügler“ bleibt in St. Burkard nur noch ein Stehplatz. Aufbruchsstimmung liegt in der Luft. „Alles bestens“, sagt Reichert und freut sich auf die Prozession über die Alte Mainbrücke. „Ich finde es toll, dass wir so die Verbindung zu unseren Ursprüngen zeigen.“

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