WÜRZBURG

Kaspertheater als Vorbeugung gegen sexuelle Übergriffe

Kaspertheater zur Vorbeugung gegen sexuelle Übergriffe: Udo Gläser mit den Stars aus „Die Prinzessin und der Neinstein“. Foto: Franz Nickel

Seit vielen Generationen fragt der Kasper „Seid ihr alle da?“ und entführt anschließend die Kinder in eine spannende Welt mit vielen Abenteuern. Leider lauern auf die unerfahrenen Erdenbewohner auch zahlreiche Gefahren, und mancher Erwachsene meint es – im Gegensatz zum Kasper – überhaupt nicht gut mit ihnen. Um Mädchen und Jungen auf spielerische Art und Weise auf mögliche sexuelle Übergriffe vorzubereiten und sie stark zu machen, lädt der Kasper für Samstag, 19. Oktober, um 11 Uhr zum Theaterstück „Die Prinzessin und der Neinstein“ ins Matthias-Ehrenfried-Haus, Bahnhofstraße 4-6, ein.

„Die Botschaft kommt bei den Kindern nur an, wenn der Kasper nicht die Holzhammer-Methode anwendet“, weiß Udo Gläser vom Kasperhaus Würzburg aus Erfahrung.

„Der Kasper wendet in diesem Stück nicht die Holzhammermethode an.“
Udo Gläser Puppenspieler

Das Theaterstück wurde in den vergangenen vier Jahren schon etwa 30-mal in Stadt und Landkreis Würzburg gespielt. Diese Vorführungen in Kindergärten gingen nur in Verbindung mit einer zweitägigen Fortbildung für die Erzieherinnen sowie einem vorbereitenden Elternabend über die Bühne - im Rahmen des Programms „Netzwerk Kindergarten“.

Die Vorstellung am 19. Oktober findet jedoch als Ergänzung des 6. Würzburger Kinderschutztages der Berufsgruppe gegen sexuelle Gewalt ohne diese begleitenden Maßnahmen statt. Der Besuch ist empfehlenswert für Kinder ab vier Jahre.

Der Puppenspieler und die Experten vom Verein Wildwasser Würzburg gegen sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen wollen mit dem Stück den Kindern die Botschaft „Mein Körper gehört mir! Ich darf blöde Berührungen ablehnen, nein sagen und mir Hilfe holen“ vermitteln. Das geschieht mit einer großen Portion Spaß und macht Mut.

In dem Theaterstück will der zwielichtige Graf – der Berater des Königs – die Prinzessin oft umarmen und sie küssen. Sie empfindet diese Annäherungen aber als Belästigung, weil sie merkt, dass sie sich nicht gut anfühlen. Die Prinzessin sucht vergeblich Rat und Hilfe beim Vater, dem König, sowie dem Kasper. Mutig macht sie sich auf den Weg und bekommt Unterstützung von einer Hexe.

Nach einigen Turbulenzen hat der Kasper endlich Zeit, um sich das Problem der Prinzessin anzuhören. Mit seiner Hilfe und dem „Neinstein“ kommt zum Glück wieder alles ins Lot. Zur Belohnung erhält der Kasper sogar ein Küsschen; das hat sich nach Meinung der Prinzessin ihr guter Freund redlich verdient.

„Uns ist sehr wichtig, die Prinzessin nicht als Opfer darzustellen, sondern sie ist mutig und sucht sich Hilfe“, erklärte Udo Gläser. Er engagiert sich sehr für dieses Projekt, weil er selbst Vater einer fast vierjährigen Tochter ist.

Susanne Porzelt, Diplom-Sozialpädagogin von Wildwasser, informierte, dass alle Kinder am Ende der Vorstellung einen „Neinstein“ erhalten. Die Kinder erleben in dem Stück den Umgang mit dem eigenen Körper sowie schöne und schlechte Empfindungen.

Außerdem erhalten sie den Hinweis, dass sie bei dem Problem nicht allein auf weiter Flur stehen, sondern die notwendige Unterstützung bekommen können. Karten für die Vorstellung am 19. Oktober zum Preis von vier Euro (ein Erwachsener plus ein Kind, jedes weitere Kind zwei Euro) gibt es im Vorverkauf beim Kinder-, Jugend- und Familienzentrum (Jiz & Fiz) der Stadt, Karmelitenstraße 43; an der Tageskasse sind nur einige Restkarten erhältlich.

Susanne Porzelt erläutert, dass sich zehn interessierte Kindergärten für die Fortsetzung des Projektes „Netzwerk Kindergarten“ im Frühjahr 2014 (zweitägige Fortbildungsveranstaltung, Elternabend und Kaspertheatervorführung) anmelden können unter www.wildwasserwuerzburg.de

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