Würzburg/Kitzingen/Münster

Katholische Frauen treten in den Kirchenstreik - auch in Mainfranken

Gläubige Frauen wollen bis 18. Mai bundesweit in den Kirchenstreik treten. Der katholische Frauenbund in Mainfranken ist dabei. Doch es gibt auch Gegenwind.
Auch in Kitzingen findet die Aktion 'Maria 2.0' Anklang. Die Vorstandsmitglieder Karin Post-Ochel (links) und Erika Michelsen vom katholischen Frauenbund hängten am Freitag in der Stadtkirche St. Johannes Thesen der Aktion auf.
Auch in Kitzingen findet die Aktion "Maria 2.0" Anklang. Die Vorstandsmitglieder Karin Post-Ochel (links) und Erika Michelsen vom katholischen Frauenbund hängten am Freitag in der Stadtkirche St. Johannes Thesen der Aktion auf. Foto: Andreas Brachs

Die in Münster entstandene Bewegung "Maria 2.0" für mehr Frauenrechte in der katholischen Kirche startet ab diesem Samstag bundesweit einen einwöchigen Kirchenstreik. Die gläubigen Frauen, die vielfach ehrenamtlich tätig sind, wollen gegen Machtstrukturen in der Kirche und die von ihnen kritisierte Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch Amtsträger protestieren. Auch in Mainfranken gibt es Aktionen. Zumindest aus dem Raum Kitzingen kommt Zustimmung von Pfarrern.

In einem Offenen Brief an Papst Franziskus fordern die Frauen Zugang zu allen Ämtern der Kirche und die Aufhebung der Pflicht zur Ehelosigkeit für katholische Priester (Zölibat). Während des Streiks wollen die Frauen keine Kirchen betreten, ihr Ehrenamt nicht ausüben und Gottesdienste ohne Priester im Freien feiern.

"Wir wollen keinen Streit in unsere Ortskirchen tragen, sondern ein Zeichen setzen."
Andrea Voß-Frick, Gründungsmitglied der Bewegung "Maria 2.0"

Entstanden ist die bundesweite Bewegung in der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster. Andrea Voß-Frick, eine der fünf Initiatorinnen der Bewegung, sagt: "Wir wollen keinen Streit in unsere Ortskirchen tragen, sondern ein Zeichen setzen." Die Münsteranerin gestaltet ehrenamtlich Familienmessen, organisiert Kinderbibeltage und initiiert Friedensgebete.

Ihr ist wichtig, "in die Dunkelräume und Machtstrukturen, in denen sexueller Missbrauch stattfinden konnte, Licht und Transparenz hinein zu bringen." Sie fordert, dass Frauen in der katholischen Kirche endlich nicht länger außen vor gelassen werden. Aus der kleinen Frauengruppe in Münster ist mittlerweile eine bundesweite Bewegung entstanden. Ihre Online-Petition hat über 9000 Unterzeichner, die Facebook-Gruppe mehr als 2000 Mitglieder.

Streikende Frauen in Bieberehren feiern Wortgottesdienst außerhalb der Kirche

Deutschlandweit schließen sich katholische Frauenkreise dem Streik an, so auch in Bieberehren im Landkreis Würzburg. Deren Vertreterin, Monika Schmid, schreibt: "Auch wir in Bieberehren wenden uns an alle Frauen: Setzt mit uns ein Zeichen!" An die Männer appelliert sie, ihr Anliegen zu unterstützen. Statt in der Kirche versammeln sich die Bieberehrener Frauen am Sonntag im alten Kindergarten zur Feier eines Wortgottesdienstes und am Abend an der Grotte zur Maiandacht. Die Muttertagsfeier am 16. Mai wollen sie mit einer kleinen Andacht schließen.

"Wir wollen ein Zeichen setzen für die Zukunft unserer Kirche, für unsere Kinder und Enkel", sagen auch Elisabeth Rost und Erika Michelsen aus Dettelbach und Kitzingen. Den Regionalvertreterinnen der 34 Frauenkreise in der Region Würzburg-Süd und Würzburg Stadt geht es bei der Aktionswoche ausschließlich um die Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche. Sie sind überzeugt: Ohne Frauen auf Augenhöhe zu begegnen werde es ihre Kirche in Zukunft nicht mehr geben. Wenn sich jetzt nichts tue, wenden sich künftige Generationen ab. Mit "nur beten und demütig sein alleine" komme man nicht mehr weiter.

Frauen in Dettelbach hängen Resolution an Kirchentür

"Hätten sich die Frauen vor 100 Jahren nicht für das Wahlrecht eingesetzt, dürften wir in Deutschland heute noch nicht wählen", sind sie überzeugt. Statt Gottesdienste zu bestreiken, setzen sie auf Diskussionen mit Gläubigen. In Dettelbach wolle man die Petition von "Maria 2.0" an die Kirchentür hängen.

Dettelbachs katholischer Pfarrer Uwe Hartmann reagiert auf die Aktion am Sonntag in der St. Augustinus-Kirche gelassen: "Ich habe nichts dagegen." Dass sich Frauen generell für mehr Rechte in der Kirche stark machen, "unterstütze ich". Freilich musste er am Freitag gegenüber dieser Redaktion eingestehen, dass er Details zu "Maria 2.0" noch nicht kenne. Er habe sich aus Zeitmangel noch nicht informieren können, werde das aber so bald wie möglich nachholen.

Pfarrer in Kitzingen reagiert mit Verständnis

Wie in Dettelbach machen katholische Frauen auch im benachbarten Kitzingen die Aktion "Maria 2.0" in einer Kirche publik. Am Freitagmittag hängten Karin Post-Ochel und Erika Michelsen im Namen des Frauenbundes in der Stadtkirche St. Johannes die Resolution auf. Auch in diesem Fall reagierte der Pfarrer gelassen. "Für mich ist das in Ordnung", sagte Gerhard Spoeckl am Freitag auf Nachfrage.

Zwar habe er noch nichts im Detail vorbereitet, doch "kann ich mir vorstellen", die Protestaktion in den kommenden Tagen im Gottesdienst anzusprechen. Auch Pfarrer Spoeckl hält eine neue Debatte darüber angebracht, "was die Rolle der Frauen in der Kirche ist".

"Es wird schon so lange über Gleichberechtigung gesprochen. Doch bewegt hat sich nichts."
Marianne Hillenbrand aus Sandberg (Lkr. Rhön-Grabfeld)

Marianne Hillenbrand aus Sandberg, Vertreterin der 16 Frauenkreise in der Region Rhön-Grabfeld sagt: "Ich stehe voll hinter der Aktion. Es wird schon so lange über Gleichberechtigung gesprochen, doch bewegt hat sich bisher leider nichts." Man begrüße die Bewegung im Namen der mehr als 70 Frauenkreise der Regionen Würzburg Nord und Schweinfurt, teilten die Regionalvertreterinnen Elke Schultes aus Höchberg (Lkr. Würzburg)  und Sandra Friedrich aus Werneck (Lkr. Schweinfurt) mit.

Die Aktion 'Maria 2.0' läuft bundesweit. Hier gestalten Frauen der Kirchengemeinde St. Maria Magdalena in Sonsbeck (Nordrhein-Westfalen) einen Gottesdienst parallel zur Messe in der Kirche. Mit dem einwöchigen Kirchenstreik will die Aktion für mehr Frauenrechte in der katholischen Kirche, gegen Machtmissbrauch und für mehr Gleichberechtigung eintreten.
Die Aktion "Maria 2.0" läuft bundesweit. Hier gestalten Frauen der Kirchengemeinde St. Maria Magdalena in Sonsbeck (Nordrhein-Westfalen) einen Gottesdienst parallel zur Messe in der Kirche. Mit dem einwöchigen Kirchenstreik will die Aktion für mehr Frauenrechte in der katholischen Kirche, gegen Machtmissbrauch und für mehr Gleichberechtigung eintreten. Foto: Armin Fischer, dpa

Einige im Katholischen Deutschen Frauenbund engagierte Frauen aus der Region berichten jedoch auch von reichlich Gegenwind konservativ denkender Gläubiger. Und von Mut, den es für die Aktionen brauche. Viele Ortspfarrer stünden hinter der Bewegung. Doch wenn er die engagierten Frauen in der Kirche mehr machen lasse, als offiziell erlaubt sei, werde er angeschwärzt - von Männern wie von Frauen gleichermaßen.

Konservative fordern Frauen auf, aus dem Katholischen Deutschen Frauenbund auszutreten

Die großen katholischen Frauenverbände KDFB (Katholischer Deutscher Frauenbund) und kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) bezeichneten den Kirchenstreik im Vorfeld als wichtiges Signal und appellierten an die Deutsche Bischofskonferenz, das nicht länger zu ignorieren.

Ein Sprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) in Mainz, einem Zusammenschluss von Vertretern der Diözesanräte, katholischer Verbände und Laienorganisationen, sagt: "Das Anliegen der Priesterweihe von Frauen und von Frauen in Leitungsämtern teilen wir."

Dagegen kritisiert das konservative Forum Deutscher Katholiken laut dem Online-Magazin "Kirche-und-Leben.de" den Kirchenstreik. Forums-Sprecher Hubert Gindert wird mit den Worten zitiert: "Der sexuelle Missbrauch wird instrumentalisiert, um das Frauenpriestertum durchzusetzen." Er forderte Mitglieder, die sich der Lehre der katholischen Kirche verbunden fühlen, auf, aus dem Katholischen Deutschen Frauenbund auszutreten.

Der Würzburger Bischof Franz Jung sowie Generalvikar Thomas Keßler waren für eine Stellungnahme zur Aktion der katholischen Frauen am Freitag nicht zu erreichen. 

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