WÜRZBURG/SCHWEINFURT

Kaufkraft: Schweinfurt ist wie ein Sog

Konsum
Volle Einkaufstaschen: Die Kaufkraft der Menschen in Mainfranken ist auf hohem Niveau, Tendenz steigend (Symbolbild). Foto: Sebastian Gollnow, dpa

Mit Statistiken ist das so eine Sache: Die Zahlen weichen mitunter von dem ab, was man im Alltag erlebt. So ist oft die Klage zu hören, dass in den Läden ständig alles teurer wird und unterm Strich immer weniger Geld in der Brieftasche übrig bleibt.

Diesem Eindruck stehen jetzt Zahlen entgegen, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt jetzt präsentierte. Kernaussage: Die Kaufkraft der Menschen in Mainfranken ist gewachsen – mit ihr also ein Stück Wohlstand. Begleitet werde das von niedrigen Zinsen, gestiegenen Löhne und ausgeprägter Konsumlaune.

Milliarden-Umsatz für den Einzelhandel

Von 2014 bis 2018 habe die Kaufkraft um 11,4 Prozent zugenommen, teilte die IHK mit. Hochgerechnet bis zum Jahresende beschere dieses Potenzial dem Einzelhandel in Mainfranken einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro in 2018 – pro Kopf sind das 6115 Euro. Zum Vergleich: In Bayern liegt dieser Wert bei 6551 Euro.

Nicht überraschend, dass Würzburg der Spitzenreiter bei den Einzelhandelsumsätzen ist: Dort werden es 1,49 Milliarden Euro in 2018 sein, gefolgt von der Stadt Schweinfurt (685 Millionen Euro), dem Kreis Main-Spessart (670) und dem Kreis Würzburg (571).

Kaufkraft: Schweinfurt liegt am Ende

Während diese Zahlen ausdrücken, was von dem zur Verfügung stehenden Geld der Einwohner unterm Strich in den Geschäften ankommt, zeigt die Kaufkraft, welches Konsumpotenzial in einer Region generell steckt. Messlatte ist hier das verfügbare Einkommen. Laut IHK liegt die Kaufkraft mainfrankenweit im Kreis Würzburg mit 3,8 Milliarden Euro in 2018 am höchsten (siehe Grafik), am Tabellenende ist die Stadt Schweinfurt (1,2 Milliarden Euro). Gestiegen ist dieses Potenzial aber in allen neun Stadt- und Landkreisen Mainfrankens.

Die Kaufkraftzahlen wurden der IHK von der Michael Bauer Research GmbH in Nürnberg zur Verfügung gestellt. Basis sind Erhebungen des Statistischen Bundesamtes.

Wohin die Kaufkraft wandert

Die Analyse lässt auch Aufschlüsse darüber zu, wohin die Kaufkraft in der Region wandert, wohin die Menschen also zum Einkaufen fahren. Experten sprechen hier von der Einzelhandelszentralität, bei der Punkte pro Kommune vergeben werden.

Hier ist Schweinfurt stark: Hat Deutschland 100 Punkte als Basiswert, kommt die Kugellagerstadt auf 220. Dahinter liegen die Stadt Würzburg (186) und die Kreise Rhön-Grabfeld (101), Haßberge (91), Bad Kissingen (88), Main-Spessart (87), Kitzingen (83) und Schweinfurt (64). Schlusslicht ist der Kreis Würzburg (56). Mainfranken kommt im Durchschnitt auf 101.

Was es mit dem Sog auf sich hat

Alle Werte unter 100 bedeuten: Es fließt Kaufkraft ins Umland ab. Werte über 100: Es kommt Kaufkraft von außen dazu. Fazit also: Gerade Schweinfurt übt einen deutlichen Sog auf Konsumenten aus, heißt es in der IHK-Analyse.

Schaut man genauer auf die Landkreise in Mainfranken, sind auch andere Städte in dieser Hinsicht attraktiv: So kommen Haßfurt (265 Punkte) und Bad Neustadt (239) auf Spitzenwerte, ziehen also viel Kaufkraft aus dem Umland an. Allein Karlstadt (96) liegt unter den 13 mainfränkischen Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern unter der 100-Punkte-Schwelle.

Experte gibt Händlern einen Tipp

„Auch wenn uns stationäre Einzelhändler zunehmend vom Konkurrenzdruck durch den Onlinehandel berichten, geht es der Branche insgesamt noch gut“, fasst der für Regionalentwicklung zuständige IHK-Referent Christian Seynstahl zusammen. Wichtig sei in puncto Online freilich, dass sich gerade unternehmergeführte Läden „mit ihren Geschäftsmodellen von den großen Anbietern abheben“.

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