WÜRZBURG

Kaum noch Weihen: Den Katholiken fehlen die Pfarrer

Weniger Priesterweihen hat es in der katholischen Kirche in Deutschland noch nie gegeben: Nur 58 Männer haben sich im vergangenen Jahr in den 27 deutschen Bistümern zum Priester weihen lassen. Es ist das Allzeittief, wie aus den Statistiken der Deutschen Bischofskonferenz hervorgeht. Und es ist ein stetiger Schwund: Im Jahr zuvor waren es noch 75 neue Priester gewesen, 2013 waren in Deutschland 98 katholische Priester geweiht worden.

Noch deutlicher macht die dramatische Lage der Blick weiter zurück. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Priesterweihen mehr als halbiert. Im Jahr 2005 waren in Deutschland 122 Männer geweiht worden. Vor 50 Jahren waren jährlich rund 500 Katholiken ins Priesteramt berufen worden.

Auch die Zahl der Priesteramtskandidaten geht immer stärker zurück. 2015 gab es in den deutschen Diözesen insgesamt lediglich 96 Neuaufnahmen in den Priesterseminaren und damit erstmals nur noch eine zweistellige Zahl.

Auf die Rückgänge würden die Bistümer bereits seit mehreren Jahren Antworten suchen, sagt der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp: „Ziel ist es, mit Strukturveränderungen in der Seelsorge – zum Beispiel größeren Pfarrgemeinden – auf die Situation zu reagieren.“

Die Protestanten haben zwar Probleme, die Lücken durch Pensionierungen zu schließen. Doch ihre Nachwuchsprobleme sind weit geringer als die der Katholiken. Wie sieht es im Bistum Würzburg aus? Die bundesweite Tendenz beim Priester-Nachwuchs spiegelt sich auch hier wider: Mal drei, mal vier, mal fünf Kandidaten sind in den vergangenen Jahren in der Diözese zum Priester geweiht worden. Im vergangenen Jahr und heuer gab es in Würzburg jeweils nur noch eine Priesterweihe. „Im Herbst steht eine Diakonweihe an“, berichtet Regens Stefan Michelberger vom Priesterseminar Würzburg. „Die nächste Priesterweihe wird erst 2017 mit voraussichtlich einem Kandidaten sein.“

Aktuell bereiten sich für das Bistum Würzburg insgesamt 14 Männer auf die Priesterweihe vor, so Michelberger. Davon leben und studieren fünf Kandidaten im Priesterseminar Würzburg, die anderen Kandidaten sind an anderen Studienorten, in den Praktikumsgemeinden vor Ort oder kommen zur pastoralen Ausbildung blockweise ins Seminar. Im Priesterseminar Würzburg leben und studieren außerdem sieben Kandidaten aus dem Erzbistum Bamberg. Im Herbst beginnen zwei Kandidaten neu im Priesterseminar ihre Ausbildung mit dem Propädeutikum.

Teil der Lösung kann auch sein, dass Pfarrer aus dem Ausland angeworben werden. In nicht wenigen deutschen Diözesen – in Rottenburg-Stuttgart zum Beispiel – liegt der Anteil ausländischer Pfarrer inzwischen bei über 30 Prozent. Ausländische Priester brächten oft neue Impulse in die Seelsorge mit ein und sorgten so für neue Begeisterung für den Glauben, sagt Würzburgs Generalvikar Thomas Keßler. Er selbst habe als Pfarrer beste Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit einem Priester aus Afrika gemacht, berichtete Keßler. Im Bistum Würzburg leben und arbeiten 89 Priester mit ausländischen Wurzeln, 30 davon gehören zum Klerus der Diözese. Insgesamt gibt es im Bistum Würzburg derzeit 374 aktive Priester sowie 176 im Ruhestand.

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