WÜRZBURG

Keine Stille Nacht für Retter

BRK-Wachleiter Andreas Paatz (rechts) hat selbst Dienst am 1. Weihnachtsfeiertag, sein Kollege Alexander Kraus (links) wird am Heiligen Abend beim Roten Kreuz Dienst versehen. Er hofft auf eine ruhige Nacht in der Wache, „weil Notfälle gerade an Heiligabend Angehörige doppelt belasten“. Foto: BRK-Rettungsdienst

Während an Heiligabend Kerzenschein und weihnachtliche Weisen in vielen Stuben für Stimmung sorgen, eilen draußen die Rettungsdienste mit Blaulicht und Martinshorn von einem Einsatz zum nächsten. Aus Erfahrung wissen die Lebensretter von BRK, Malteser und Johanniter, dass der Dienst Montag sicher keine stille Nacht wird, teilen sie in einer gemeinsamen Pressenachricht mit.

Rettungsassistent Alexander Kraus stellt sich darauf ein, Montagabend von Dienstbeginn an immer wieder unterwegs zu sein. Erst nach Mitternacht lasse die Zahl der Alarmierungen erfahrungsgemäß wieder nach. Die Einsätze unterscheiden sich allerdings kaum von denen in anderen Nächten: „Herzinfarkt, Schlaganfall, häusliche Unfälle, da ist alles dabei“. Nachdem seit einigen Jahren Gaststätten und Diskotheken Heiligabend öffnen dürfen, kommen auch damit im Zusammenhang stehende Notfälle wie Alkoholvergiftungen und Verkehrsunfälle häufiger vor.

Der hauptamtliche Rettungsassistent Kraus und seine ehrenamtliche Kollegin Ute Waldmann vom Roten Kreuz wissen, dass gerade in der Heiligen Nacht vor allem Einfühlungsvermögen gefragt ist. Mit ihrem Rettungswagen (RTW) decken sie auch Notrufe ab, bei denen keine akute Lebensgefahr besteht, der Notarzt also nicht dazu gerufen wird. „Hinter plötzlichen Schmerzen, Atemnot und Kreislaufbeschwerden verbirgt sich häufig der Wunsch, nicht allein sein zu wollen“. Entgegen vieler Erwartungen, kommen Suizidversuche Heiligabend seltener vor.

„Einsätze zu Weihnachten sind besonders oft mit Dramatik verbunden“, weiß Jens-Uwe Greiner, Leiter der Einsatzdienste beim BRK. Hierzu zählt der 43-jährige Lebensretter vor allem Streitereien, akute Erkrankungen und Todesfälle unter dem Weihnachtsbaum. „Auch durch Advents- oder Weihnachtskerzen ausgelöste Brände können das Fest in einen Horrortrip verwandeln“.

Greiner mahnt zu weihnachtlicher Vor- und Rücksicht, „sowohl untereinander wie auch beim Umgang mit Gefahrenquellen“. Wie der Rettungsassistent aus Erfahrung weiß, werden Heiligabend oft akute Krankheitsgeschehen aus Rücksicht auf die festliche Stimmung ignoriert. „Das ist nicht nur falsch, das kann lebensgefährlich sein“, so seine Warnung.

Um seinen Mitarbeitern den Nachtdienst zu versüßen, sorgt Jens-Uwe Greiner für ausreichend Kaffee, Christstollen und Plätzchen. Die diensthabenden Mannschaften wollen oft im Nachtdienst in der Wache kochen. „Schnell und einfach muss das Gericht nur sein, sonst muss es zwischen den Einsätzen mehrmals aufgewärmt werden“.

Diensthabender Notarzt ist, wie jedes Jahr am Heiligabend, Dr. Josef Schuster. Der Internist ist seit über 30 Jahren in Würzburg als Notarzt tätig. Aus Gründen der Kollegialität stellt sich der gläubige Jude traditionsgemäß für den Dienst am Heiligabend zur Verfügung. Auch wenn Weihnachten für den Notarzt keine religiöse Bedeutung hat, so geht es dennoch nicht spurlos an ihm vorbei: „Schon als Kind war Weihnachten für mich was Besonderes, worauf wir uns auch gefreut haben.“

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