WÜRZBURG

Kickers: Stadion-Neubau billiger als Ausbau

Das Kickers-Stadion am Dallenberg zweitligatauglich zu machen, wäre teurer als ein Neubau. Foto: Berthold Diem

Mehrfach hatte Kickers-Profi-Chef Daniel Sauer zuletzt mangelnde Unterstützung durch die Stadt Würzburg beklagt. Inwieweit das öffentliche Wehklagen Taktik war, ist nicht bekannt. Jedenfalls beschäftigen sich die Stadträte im Hauptausschuss an diesem Donnerstag mit einem großen Kickers-Unterstützungspaket, über das der Stadtrat am 6. April entscheiden wird. Dazu zählt unter anderem die Hilfe bei der Suche nach einem neuen Standort für ein Stadion, dessen Neubau auf 36 Millionen Euro Kosten geschätzt wird.

Anhand der Sitzungsunterlagen wurde jetzt auch konkreter bekannt, weshalb die Kickers das 50 Jahre alte Stadion am Dallenberg – wie berichtet – nicht weiter als Zweitliga-Spielstätte ausbauen wollen. Nicht zuletzt aufgrund der Auflagen in Sachen Lärmschutz für das benachbarte Wohngebiet würde der Ausbau für 15 000 Zuschauer zwischen 40 und 50 Millionen Euro kosten. „Diese Kostenspanne ist für einen Stadionneubau dieser Größe unverhältnismäßig hoch“, heißt es in einem Gutachten, das auf den Untersuchungen des Frankfurter Architekturbüros Albert Speer und Partner basiert.

Gutachten spricht von Einhausung

Möglicherweise müsste das Stadion komplett eingehaust werden. Zudem sei eine Refinanzierung der „überdurchschnittlichen Investitionen“ äußerst problematisch. Denn eine umfangreichere Nutzung als bisher, beispielsweise durch andere Vereine oder Veranstalter, würde die Lärmproblematik weiter verschärfen. Deshalb empfehlen die Analysten dem Verein, in Abstimmung mit der Stadt einen neuen Stadion-Standort zu suchen.

Falls die Stadträte zustimmen, will die Stadt sich an der Suche maßgeblich beteiligen: „Die Verwaltung wird beauftragt, gutachterlich mögliche alternative Standorte für ein Stadion, welches dauerhaft professionellen Spielbetrieb in den höchsten deutschen Fußball-Spielklassen ermöglicht, zu prüfen. Ein wesentliches Auswahlkriterium ist dabei die Möglichkeit der zusätzlichen Nutzung für Gewerbeflächen“, heißt es in der Sitzungsvorlage für den Hauptausschuss. Und weiter heißt es, dass bei der Standortsuche vor allem relevante Aspekte wie Planungsrecht, Verkehr, Lärm und Naturschutz berücksichtigt werden sollen.

Wie Oberbürgermeister Christian Schuchardt bereits im Zusammenhang mit dem „Aus“ für das alte Kickersstadion verkündet hatte, will sich die Stadt am Bau eines neuen Stadions nicht beteiligen, höchstens an der zu schaffenden Infrastruktur im Stadionumfeld. Ein neues Stadion kostet laut Schätzung rund 36 Millionen Euro – für 20 000 Zuschauer. Nach einem – allerdings unverbindlichen – Zeitplan könnte es zur Spielsaison 2022/23 zur Verfügung stehen.

Bis dahin muss die vereinseigene Flyeralarm Arena noch durchhalten und erfordert trotz ihres absehbaren Endes weitere Investitionen – aufgrund von Auflagen für den Spielbetrieb. Nach Angaben der Kickers sind dafür weitere 1,5 bis 2,2 Millionen Euro fällig. Der Verein möchte, dass sich die Stadt an diesen Investitionen sowie an den Betriebskosten beteiligt.

Millionen für den Spielbetrieb

Die Chancen dafür stehen gut: Die Stadtverwaltung plant, „für die Ermöglichung eines temporären Spielbetriebs“ am Dallenberg bis 2021 bis zu 2,4 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Geld für die Kickers wollte die Stadt Würzburg ohnehin in die Hand nehmen: Bis zu sieben Millionen Euro waren angedacht für eine städtische Beteiligung an einer Stadiongesellschaft zur Sanierung und zum Ausbau des Stadions am Dallenberg. Nachdem die Ausbaupläne gestoppt sind und die Übertragung des Stadions an eine Gesellschaft nach Aussagen der Kickers ein großes steuerliches Risiko wäre, sollen diese Pläne jetzt beerdigt werden.

Derweil gehen Nachbarn weiter gegen den Spielbetrieb vor. Vier Tage vor der Bekanntgabe, dass das Stadion am Dallenberg nicht mehr ausgebaut werden soll, haben vier Ehepaare und zwei Einzelpersonen beim Verwaltungsgericht Klage eingereicht: Unter anderem soll die Stadt die Nutzung der neuen Stahltribüne und des Vip-Zeltes untersagen, für die bislang keine Baugenehmigung vorliegt, und Maßnahmen gegen die Überschreitung der zulässigen Lärmwerte ergreifen. Nach Auskunft der Stadt werden die Bauanträge für besagte Stadionteile gerade bearbeitet.

Erste Nachbarklagen gegen den Stadionausbau wurden Anfang vergangenen Jahres abgewiesen. Über den Antrag auf Berufung hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof bislang nicht entschieden.

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