Thüngersheim

Kiefernsterben auf der Höhfeldplatte

Unterwegs auf dem Orchideenpfad im Naturschutzgebiet "Höhenfeldplatte und Scharlachberg" in Thüngersheim. Foto: Archivbild:Thomas Obermeier

Im Naturschutzgebiet „Höhfeldplatte und Scharlachberg“ ist ein Teil der Waldkiefern stark geschädigt oder komplett abgestorben. Vor allem die extreme Hitze der vergangenen Sommer führte zu einer starken Schwächung und Schädigung der Kiefern. Dies teilt die Regierung von Unterfranken in einem Presseschreiben mit.

Derart geschwächte oder geschädigte Bäume werden häufig von sogenannten Sekundärschädlingen befallen, die in Folge der Schwächung die Bäume komplett zum Absterben bringen können. Bei der Waldkiefer ist dies eine Kiefern-Prachtkäferart, die auch an der Höhfeldplatte nachgewiesen werden konnte.

Nicht zu verwechseln sind Kiefernprachtkäfer mit dem Buchdrucker, einer Borkenkäferart, der den Waldbesitzern Sorgen bereitet oder mit dem Diplodia-Triebsterben, das auf den Gemarkungen Leinach und Erlabrunn die von Hitze und Trockenheit gestressten Schwarzkiefern befällt und so ihr Absterben beschleunigt. Die Gemeinde Thüngersheim hat daher beschlossen, Maßnahmen zu ergreifen, die zum einen der sogenannten Verkehrssicherung dienen und zum anderen den lichten Wald mit seinem weithin bekannten Orchideenreichtum erhalten sollen.

Abgestorbene Kiefern werden gefällt

In Abstimmung mit der Regierung von Unterfranken als Höhere Naturschutzbehörde und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten werden in einem ersten Schritt im Zeitraum bis Ende Februar entlang des Rundwegs im Naturschutzgebiet sowie entlang des Orchideenpfads aus Gründen der Verkehrssicherung abgestorbene Kiefern gefällt. Ein Teil der Kiefern wird für Interessenten als Brennholz in Meterstücken gelagert. Sie können bei Bedarf und nach Rücksprache mit der Gemeinde Thüngersheim abgeholt werden. Da Totholz eine wichtige Funktion im Ökosystem Wald erfüllt, wird ein Teil des anfallenden Materials als liegendes Totholz auf der Fläche belassen und zwar dort, wo keine Orchideen oder sonstige, seltene Pflanzenarten davon beeinträchtigt werden.

Abseits der Pfade werden abgestorbene Kiefern stehengelassen, da stehendes Totholz ebenso wie liegendes Totholz für viele Insektenarten wertvoll ist. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Kiefern-Prachtkäfer im Gegensatz zum Buchdrucker keine gesunden Bäume befallen, so dass von den abgestorbenen Bäumen keine Gefahr für den Restbestand ausgeht. Die Gemeinde Thüngersheim weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass in dem Naturschutzgebiet ohnehin ein Verbot besteht, die Wege zu verlassen. Abseits der Wege besteht Gefahr durch herabfallende Äste und umstürzende Bäume.

Junge Bäume vor Wildschäden schützen

In einem weiteren Schritt soll außerdem dafür Sorge getragen werden, dass der Wald nicht komplett verschwindet. Hier ist eine Zusammenarbeit mit dem Bergwaldprojekt unter der Leitung von Hendrik von Riewel geplant. Junge Laubbäume sollen vor Wildverbiss und Fegeschäden durch Rehwild geschützt werden. Eine besondere Bedeutung kommt den so genannten endemischen Mehlbeerenarten zu. Darunter versteht man Arten, die weltweit nur hier in der mainfränkischen Muschelkalkregion beheimatet sind. Für diese endemischen Pflanzenarten hat die Region Würzburg eine sehr hohe und weltweit ausschließliche Verantwortung. So gibt es neben einer Würzburger Mehlbeere und einer Leinacher Mehlbeere auch eine Thüngersheimer Mehlbeere. Ein weiterer Grund, besonders junge Bäume dieser Gattung zu schützen, ist ihre Fähigkeit, Hitze und Trockenheit zu trotzen.

Lichten Charakter des Waldes erhalten

Helfer des Bergwaldprojektes werden deshalb ausgewählte junge Bäumchen mit Drahthosen und entsprechend ausgelegtem Gipfelholz abgestorbener Kiefern vor Wildschäden schützen. Dabei wurde die Lage der zu schützenden Bäume von dem Landschaftsarchitekten Jürgen Faust aus Karlstadt so ausgewählt, dass der Wald auch in Zukunft seinen lichten Charakter beibehält und die seltenen Orchideenarten, deren Vorkommen auf der Höhfeldplatte unter Kennern weit über die Grenzen Unterfrankens hinaus bekannt ist, auch künftig nicht zu stark beschattet werden.

Eine regelmäßige Beobachtung der Entwicklung, so Karin Günter von der Höheren Natur-schutzbehörde, wird auch in Zukunft erforderlich sein. Ziel ist die Erhaltung eines lichten Waldstandorts und die Förderung der wertgebenden Trocken- und Magerrasen sowie der Orchideenvorkommen. Das bedeutet, dass eine Naturverjüngung bis zu einem gewissen Grad erwünscht ist, eine zu starke Beschattung an diesem Standort aber aufgrund der wertvollen Trockenrasen mit ihren seltenen Pflanzenarten vermieden werden muss.

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