Würzburg

Kiliani: So ernst nimmt Würzburgs Polizei den Jugendschutz

Zahlreiche Menschen besuchen das Kiliani-Volksfest. Obwohl die Polizei einen leichten Anstieg beim Alkoholkonsum feststellt, wirken die Maßnahmen, um den Jugendschutz durchzusetzen. Foto: Daniel Peter

Oliver Staudt kennt die Tricks. Er leitet die Wache der Würzburger Polizei auf dem Kiliani-Volksfest an der Talavera. Jugendliche würden in unscheinbaren Cola- oder Wasserflaschen Hochprozentiges zusammenmischen. "Wir lassen uns die mitgebrachten Flaschen zeigen, riechen am Gemisch, und wenn es Alkohol enthält, müssen sie es ausschütten."

Polizei zeigt auf dem Festplatz eine starke Präsenz 

Dass die Polizei auf dem Gelände eine starke Präsenz zeige, sei unter den Jugendlichen allerdings bekannt: "Sie glühen dann außerhalb des Platzes vor." Die Landesgartenschau-Pyramide an der Straßenbahn und die Talavera-Unterführung zu den Mainwiesen gehören zu jenen Orten, die die Beamten bei ihren Streifen zusätzlich ins Visier nehmen.

Unter Jugendlichen stellt Staudt allgemein einen leichten Anstieg des Alkoholkonsums fest. Wer betrunken wirke, müsse auf der Wache einen Alkoholtest machen. "Bei einem 17-Jährigen lassen wir ein Bier schon mal durchgehen", erklärt der Polizist. Trauriger Rekord in diesem Jahr sei allerdings eine erst 14-Jährige mit 1,5 Promille im Atem gewesen.

Im Zelt gelten die gleichen Gesetze wie in der Gaststätte

Auf dem Volksfest gelten die gleichen Gesetze wie in einer Gaststätte: Es ist verboten, Bier oder Wein an Jugendliche unter 16 Jahren und stärkere Alkoholika an Jugendliche unter 18 Jahren zu verkaufen. "Die Bedienungen sind sehr erfahren und lassen sich bei einem Verdacht den Ausweis zeigen", sagt Staudt. Im Zelt achte zudem der Sicherheitsdienst darauf, ob jemand, der alkoholische Getränke gekauft habe, diese an Minderjährige weitergebe.

Jugendschutz ist ein zentraler Bestandteil des Sicherheitskonzeptes für Kiliani. Foto: Daniel Peter

"Der Jugendschutz ist ein zentraler Bestandteil unseres Sicherheitskonzeptes für Kiliani", sagt Uwe Zimmermann, Leiter des Fachbereichs Allgemeine Bürgerdienste bei der Stadt, die das Volksfest veranstaltet. Alle Mitarbeiter, von den Sicherheitsdiensten, bis zu den Bedienungen im Festzelt, seien darauf geschult: "Sie sind unsere Augen und Ohren vor Ort."

Bei einem Verstoß droht sogar ein Verlust der Zulassung

Bei den Fahrgeschäften sei nicht das Alter, sondern die Körpergröße sicherheitsrelevant. Bei den meisten Betrieben gilt 1,40 Meter als Mindestgröße. Festgelegt wird das bei der Bauabnahme. "Sie ist ein fester Bestandteil der Zulassungskriterien", sagt Zimmermann. Jugendschutz zu gewährleisten, laufe als eine wesentliche Aufgabe im Festbetrieb mit.

Verstößt ein Schausteller dagegen, kann er abgemahnt und als unzuverlässig beurteilt werden: "Das kann letztlich dazu führen, dass er von uns nicht mehr für Kiliani zugelassen wird", sagt der Jurist. In der Tat wurde in diesem Jahr schon ein auf dem Festplatz tätiger Schaustellerbetrieb von der Stadt abgemahnt: Weil er nicht mit den Sicherheitsbehörden kooperierte.

Zahlen auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres

Die Statistik bestätigt, dass die präventiven Maßnahmen greifen: An den ersten acht Tagen stellte die Polizei fünf Verstöße, und der Ordnungsdienst fünf weitere gegen das Jugendschutzgesetz fest. Die Zahlen bewegen sich auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres. Staudt und Zimmermann führen dies darauf zurück, dass Veranstalter, Festwirte und Schausteller sowie Ordnungsdienst und Polizei sehr gut vernetzt seien und eng zusammenarbeiten.

Jugendschutz in der Öffentlichkeit
Der im Jugendschutzgesetz (JuSchG) in Abschnitt 2 geregelte Jugendschutz in der Öffentlichkeit (§ 4 bis § 10) umfasst unter anderem folgende Vorschriften:
Der Aufenthalt in Gaststätten, auch in Bierzelten, und bei Tanzveranstaltungen, zum Beispiel in Diskotheken, ist Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren ohne Begleitung nicht und Jugendlichen ab 16 Jahren nur bis 24 Uhr gestattet.
Alkoholische Getränke wie Bier, Wein und Sekt dürfen im Handel und in der Öffentlichkeit nur an Jugendliche über 16 Jahren abgegeben werden. Andere alkoholische Getränke, zum Beispiel Spirituosen, sind für alle unter 18 Jahren verboten.
Rauchen dürfen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in der Öffentlichkeit nicht. Auch die Abgabe von Tabakwaren und anderen nikotinhaltigen Erzeugnissen an Minderjährige ist im Handel, in Gaststätten und in der Öffentlichkeit nicht erlaubt.

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