Würzburg

Kinderporno-Fall: Eltern weiterer Opfer informiert

Weitere Opfer im Würzburger Kinderporno-Fall sind laut Staatsanwaltschaft identifiziert. Offenbar bemüht sich auch der verdächtige Logopäde um Aufklärung.
Ein Verschlusssiegel der Würzburger Polizei ist auf die Tür eines Wohnhauses geklebt, das zuvor in dem Kinderporno-Fall durchsucht wurde. Foto: Daniel Karmann, dpa

 Unter den mutmaßlichen kleinen Opfern im Würzburger Kinderporno-Fall sind einige Jungen im Kindergartenalter aus der Region.Laut den Ermittlern der eigens eingerichteten Soko "konnten nunmehr einige der abgebildeten Jungen zweifelsfrei identifiziert werden". So melden es Oberstaatsanwalt Christian Schorr aus Bamberg und der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken, Björn Schmitt.

Auf erste Identifizierung folgten weitere 

Sie bestätigen damit einen Bericht unserer Redaktion, wonach die Mutter eines Jungen einen Anwalt verpflichtet hat, nachdem ihr Junge als Opfer identifiziert worden war.

Die Vernehmung durch Kripo-Beamte mit dem Vergleich beschlagnahmter Bilder war für viele Eltern eine Qual – aber so konnten weitere Opfer identifiziert werden. Laut den Ermittlern handelt es sich bei "diesen Missbrauchsopfern um Kinder einer Kindertagesstätte im Würzburger Stadtteil Heuchelhof, die der inhaftierte Beschuldigte dort als Logopäde behandelt hat".

Personal der Kita wusste nichts

Auf den Fotos, die den Eltern gezeigt werden, seien keine Missbrauchsszenen zu erkennen, wohl aber Kleidungsstücke, die bei der Identifizierung helfen könnten. Die jetzt identifizierten Aufnahmen sind in den Räumen der Kindertagesstätte entstanden. Die Ermittler betonen: Nach derzeitigem Ermittlungsstand sind keine Anhaltspunkte dafür vorhanden, dass die Missbrauchshandlungen vom Personal der Einrichtung bemerkt wurden.

Die Eltern wurden unter Einbindung von psychologischem Fachpersonal und eines Kriseninterventionsteams informiert und über weitere Betreuungsmöglichkeiten beraten. Auch der Träger der Kita sowie das Jugendamt der Stadt Würzburg sind über den aktuellen Ermittlungsstand informiert. "Derzeit wird nach wie vor an der Identifizierung weiterer Tatopfer und Tatorte gearbeitet".

Der Beschuldigte hat sich nach Informationen der Redaktion wohl entschlossen, sein bisheriges Schweigen zu brechen. Er soll Namen genannt haben, um die Ungewissheit  für die Eltern nicht unnötig noch weiter in die Länge zu ziehen. Offiziell heißt es nur, er habe "eine erste kurze Stellungnahme abgegeben".

Verdächtiger in Untersuchungshaft

Der beschuldigte Logopäde, den die Ermittler nachts am Computer erwischt haben sollen, ist seit 21. März wegen des dringenden Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, sowie der Herstellung und der Verbreitung kinderpornographischer Schriften in Untersuchungshaft. Sein Partner wurde bereits an diesem Tag mangels dringenden Tatverdachts wieder auf freien Fuß gesetzt.

Er war offenbar völlig ahnungslos in dem Fall, der auch vom Bundeskriminalamt mit Interesse begleitet wird. "Auch die weiteren Ermittlungen haben den Tatverdacht gegen diese Person bislang nicht weiter erhärtet."

Große Mengen an Daten beschlagnahmt

Bei der Durchsuchung in Würzburg konnten Ermittler am 20. März eine dreistellige Zahl an Datenträgern sicherstellen. Insgesamt wurde Datenmaterial mit einem Umfang von mehreren Terabyte gesichert, das akribisch ausgewertet wird. Im Rahmen der fortlaufenden Auswertungen stießen die Ermittler auf eine Vielzahl kinderpornographischer Bilder und Videos.

"Von der Polizei wurde uns mitgeteilt, dass die Würzburger Kindertagesstätte ein Tatort von Missbrauchsverbrechen war," teilte Dekanin Edda Weise am Mittwoch mit. "Darüber sind wir tief betroffen und entsetzt." In der Kita  stehe weiter geschultes Personal von Notfallseelsorge und Polizei als Ansprechpartner für Familien und Mitarbeiter zur Verfügung.

Man habe "einen mehrstufigen Maßnahmenkatalog mit Experten des Jugendamtes und der Jugendhilfe erarbeitet, über den wir mit den Eltern zeitnah ins Gespräch kommen", teilt Weise mit, um auf die Bedürfnisse und Ängste der Kinder und ihrer Eltern zu reagieren. Die bisherige Leitung lasse ihr Amt ruhen, bis alles geklärt ist. Eine neue kommissarische Leitung wurde eingesetzt. 

Die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und die Kriminalpolizei bitten nach wie vor um Hinweise aus der Bevölkerung. Die Hotline der Kriminalpolizei Würzburg ist unter 0800/7733744 von 8 Uhr bis 22 Uhr zu erreichen

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