Würzburg

Kinderporno-Fall: Würzburger Polizei gründet Sonderkommission

Verdacht auf Kinderpornografie: Ein Verschlusssiegel der Würzburger Polizei ist auf die Tür eines Wohnhauses geklebt, das zuvor durchsucht wurde. Foto: Daniel Karmann

Im Würzburger Kinderporno-Fall ist das Entsetzen groß: Im Umfeld des Festgenommenen herrscht Unverständnis über den Vorwurf, er könne seine Stellung ausgenutzt haben, um Kinderpornos herzustellen und zu verbreiten. In den Kindergärten, Kitas und Behinderteneinrichtungen der Region gibt es kein anderes Thema. Denn: Der Hauptverdächtige galt als Logopäde und Therapeut speziell für behinderte Kinder als angesehener Experte, wurde für seine Arbeit im Bereich Inklusion vielfach ausgezeichnet. Auch deshalb ist das Entsetzen groß bei Eltern, die ihm ihre Kinder anvertraut hatten.

In Bamberg dem Ermittlungsrichter vorgeführt

Die Zur Klärung des Falles hat die Würzburger Kripo die Sonderkommission (Soko) 01-2019 gegründet. Dies sagte Polizeisprecher Björn Schmitt. 

Die Indizien gegen einen der beiden Verdächtigen sind so belastend, dass die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den Logopäden "wegen des dringenden Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie der Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie" beantragte. Zuständig ist die Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg. Der Verdächtige war noch am Donnerstag nach Bamberg gebracht und dort am Amtsgericht vorgeführt worden. Danach kam er dort in Untersuchungshaft.

Der mit ihm verheiratete Sozialpädagoge, der in leitender Funktion bei einer Kita am Würzburger Heuchelhof arbeitet, kam auf freien Fuß. "Der Tatverdacht gegen ihn hatte sich im Zuge einer ersten Auswertung der im Rahmen der groß angelegten Durchsuchungsaktion gewonnenen Erkenntnisse nicht erhärtet", sagte Polizeisprecher Schmitt.Für die Eltern der Kita hatte es am Donnerstagabend eine Infoveranstaltung geben, am Freitagvormittag traf sich erneut ein Krisenteam.

Geprüft wird nun auch, ob der Inhaftierte selbst Kinder missbrauchte. Die über 100 Bilder und Filme zeigen nach Angaben der Ermittler Jungen im Kindergartenalter - nicht nur nackt oder in anzüglichen Posen. Es geht um sexuellen Missbrauch vor der Kamera. "Wir gehen davon aus, dass es ein Geschehen ist, das sich über mehrere Jahre hingezogen hat", sagte Oberstaatsanwalt Christian Schorr.

Die Verteidiger der beiden Männer wollen sich zunächst einen Überblick über die Beweislage verschaffen und mit ihren Mandanten reden. Sie äußerten sich auf Anfrage zunächst nicht. 

Verdächtige mit hoher Reputation

In Würzburg genießen der Logopäde und sein Partner hohes Ansehen für ihre Arbeit, wie viele Gesprächspartner deutlich machen. Er hat eine eigene Praxis und bietet Kinderturnen bei der DJK, einem großen Würzburger Sportverein an. Er arbeitet mit der integrativen Kita zusammen, in der sein Partner tätig ist, aber auch mit anderen Kindertagesstätten.

Die Ermittler müssen nun in mühsamer Kleinarbeit vergleichen, ob sie Hinweise darauf finden, ob die Tatorte auf den Bildern und Filmen übereinstimmen mit den durchsuchten Gebäuden. "Die Täter achten heute vielfach darauf, dass keine Hinweise zu sehen sind, die Rückschlüsse darauf zulassen", versichern Experten.

Nach wie vor sind die Opfer, die auf den Filmen zu sehen sind, nicht identifiziert. Bei den Eltern nimmt die Polizei ein hohes Maß an Besorgnis wahr, dem sie Rechnung tragen will: Deshalb stünden auch am Freitag speziell geschulte Polizeibeamte der Verhandlungsgruppe als Kontakt vor Ort zur Verfügung, sagte Pressesprecher Björn Schmitt auf Anfrage. Sie haben bei einem Info-Abend auch die Eltern über den Sachstand in Kenntnis gesetzt und können Ansprechpartner nennen.

Querverbindung nach Vechta

An der Durchsuchung hatten auch drei Kripo-Beamte aus dem niedersächsischen Cloppenburg bei Vechta teilgenommen. Von einem aktuellen Fall in ihrem Bereich hatte es Hinweise nach Würzburg gegeben.

In Cloppenburg war vergangene Woche ein 50-Jähriger  wegen Besitzes von Kinderpornografie zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Bei einer Hausdurchsuchung waren bei ihm 800 Dateien mit Kinderpornografie gefunden worden. Nach Würzburg hatten aber dort noch laufende Ermittlungen geführt.

Die Kriminalpolizei Würzburg hat für Hinweise aus der Bevölkerung eine Hotline eingerichtet hat. Die Hotline ist unter 0800/7733744 von 8 bis 22 Uhr auch am Wochenende zu erreichen.

Rückblick

Schlagworte

  • Würzburg
  • Manfred Schweidler
  • Kinderpornofall Würzburg
  • Kinderpornographie
  • Kindertagesstätten
  • Logopäden
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!