Würzburg

Kinderpornografie-Fall: Was wir wissen und was nicht

Geheime Machenschaften im Darknet: Ein Mann aus Würzburg soll über das verschlüsselte Netz kinderpornografische Bilder und Videos verbreitet haben. Foto: Symbolbild: Silas Stein, dpa

Diese Informationen stehen bisher fest:

Der Fall: In der Nacht zum Donnerstag wurden zwei Männer festgenommen, die im Verdacht stehen, pornografische Fotos und Videos von kleinen Jungen erstellt und über das Darknet verbreitet zu haben. Die Polizei sagt, es ist eine dreistellige Zahl von Fotos und Videos mit kinderpornografischem Inhalt sichergestellt worden. Einer der beiden Männer ist seit Donnerstagnachmittag wieder auf freiem Fuß, weil sich der Verdacht gegen ihn nicht erhärtet habe. Der Zweite sitzt in Bamberg in Untersuchungshaft. Die beiden Männer sind verheiratet und hatten zwei kleine Pflegekinder, die laut Stadt nun in andere Obhut gebracht worden sind. Der wieder Freigelassene arbeitete in leitender Funktion bei einer Kindertagesstätte im Würzburger Stadtteil Heuchelhof. Auch sein Partner, der nun in Untersuchungshaft sitzt, arbeitete dort - wie auch für andere Kindertagesstätten. In seiner Freizeit gab er seit über zehn Jahren Kinderturnen in einem Würzburger Sportverein. Laut Polizei wurde er verhaftet wegen des dringenden Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie der Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie. 

Der Verdächtige: Der verdächtige Mann in Untersuchungshaft ist Logopäde und Therapeut speziell für Kinder mit Behinderungen. Er hat eine eigene Praxis in Würzburg und war neben seiner Arbeit dort auch in der Kindertagesstätte am Heuchelhof sowie in anderen Einrichtungen tätig. Im  Sportverein DJK Würzburg gab er in seiner Freizeit über zehn Jahre Kurse im Kinderturnen. Er wurde mehrfach für seine Arbeit im Bereich Inklusion gewürdigt, ihm lag am Herzen, behinderte und nichtbehinderte Kinder zusammenzubringen. 

Die Kindertagesstätte: Die betroffene Kita liegt im Würzburger Stadtteil Heuchelhof, die evangelische Gethsemanegemeinde ist Träger. Sie ist weiterhin geöffnet, da sich die Ermittlungen nicht gegen die Einrichtung richten. Ein Team unter anderem aus Notfallseelsorgern und einem Pfarrer kümmert sich um die Kinder und ist Ansprechpartner für die Eltern. Die Kita gilt bisher als Einrichtung mit Vorbildcharakter, da Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam und gleichwertig betreut werden.

Der Verein: Die DJK Würzburg hat die sechs Übungsstunden, die der Verhaftete angeboten hat, aus dem Programm genommen. Die Eltern der über 80 teilnehmenden Kinder sind per Mail informiert worden.   

Die Ermittlungen: Es wurde eine Sonderkommission der Würzburger Polizei (Soko) 01-2019 eingerichtet, die in dem Fall ermittelt. Zuständig ist die Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg. Die Ermittler müssen nun das Material sichten und nach Hinweisen auf die durchsuchten Gebäude suchen. Die Spur nach Würzburg ergab sich bei laufenden Ermittlungen zur Verbreitung von Kinderpornografie.

Was noch unklar ist:

Beweise: Bewiesen ist noch nichts. Es handelt sich noch immer um einen Verdacht. Dabei gilt die Unschuldsvermutung.

Betroffene Kinder: Unklar ist, welche Kinder für die pornografischen Inhalte missbraucht wurden, sagt Christian Schorr, Oberstaatsanwalt der Zentralstelle Cybercrime in Bamberg. Es könnten Patienten und Schützlinge des Mannes sein. Bislang gibt es dafür aber offenbar noch keine Hinweise. Seine eigenen Pflegekinder, vier und fünf Jahre alt, sind laut Stadt Würzburg nicht missbraucht worden. Das hat eine Untersuchung durch die Rechtsmedizin ergeben.  

So geht es im Kinderpornografie-Fall weiter:

Wie es weitergeht: Noch steht nicht fest, wie die betroffenen Vereine und Eltern mit dem Fall umgehen wollen. Für die Eltern der Kita am Heuchelhof gab es am Donnerstagabend eine Informationsveranstaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Neue Erkenntnisse in dem Fall gibt es auf der Homepage der Main-Post, dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

Die Kriminalpolizei Würzburg hat für Hinweise aus der Bevölkerung eine Hotline eingerichtet. Diese ist unter Tel.: 0800/7733744 von 8 bis 22 Uhr zu erreichen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es fälschlicherweise, der Verdächtige habe das Kinderturnen der DJK geleitet. Das stimmt nicht. Wir haben korrigiert und bitten den Fehler zu entschuldigen.

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