Höchberg

"Klack, Klack, Klack" macht es aus dem Frequenzwandler

Stefan Hielscher von der Würzburger Fledermausgruppe informierte zu Arten und Lebensweise von Fledermäusen in freier Natur. Foto: Matthias Ernst

Rund 30 Personen wollten von Stefan Hielscher, Mitglied der Fledermausgruppe Würzburg, erfahren, was es mit diesen geheimnisvollen Tieren auf sich hat und wie sie in Höchberg verbreitet sind. Dieser hatte einige Anschauungsobjekte mitgebracht, die nicht nur die Kinder interessierten.

Fledermäuse sind häufiger anzutreffen an unserem Himmel, als wir es eigentlich wahrnehmen. Rund 20 verschiedenen Arten sind in unserem Breiten anzutreffen. Von der Zwergfledermaus über die Mopsfledermaus oder die Wasserfledermaus bis hin zum Großen Abendsegler ist alles rund um Würzburg und in der Stadt zu finden. Die größte Art hat ungefähr eine Größe von 20 Zentimetern mit ausgespannten Flughäuten. Fledermäuse sind Säugetiere, erfuhren die Besucher. Und einige Arten ziehen, ähnlich wie Zugvögel, auch zum Überwintern nach Süden. So wurden schon Arten, die im Sommer in Skandinavien leben, in Spanien im Winter gesehen und dank moderner Erkennungstechniken zugeordnet.

Mit Frequenzwandler kann man Fledermäuse hören

Doch die meisten Arten sind ortstreu. Der Zug, so wird vermutet, hängt auch mit dem Nahrungsangebot zusammen. Fledermäuse ernähren sich hauptsächlich von Insekten und kleinen Reptilien. Dabei können Fledermäuse zwischen 15 und 40 Jahre alt werden. Sie orientieren sich über Echolot. Fledermäuse stoßen hochfrequente Rufe aus, die für das menschliche Ohr nicht hörbar sind. Damit scannen sie ihre Umgebung ab und erkennen so Nahrung, aber auch Hindernisse. Mit einem speziellen Frequenzwandler kann man diese Laute auch hören. Hielscher hatte so ein Gerät dabei und die erste Fledermaus ließ sich am frühen Abend auch gleich hören. Doch aus welcher Richtung kam der Ton? Es war gar nicht so einfach, die Tiere am Nachthimmel zu erkennen. Doch mit zunehmender Zeit gelang dies immer besser.

Fledermäuse fühlen sich an vielen Orten wohl, egal ob Baumhöhlen, künstliche Bruthöhlen oder auch Dachböden von Kirchen oder großen Gebäuden. Im Winter suchen Fledermäuse gerne alte Gewölbekeller oder Höhlen auf, um dort hängend zu überwintern. Sie verringern dort ihre Körpertemperatur auf sieben Grad und wachen erst wieder auf, wenn die Temperaturen draußen für ihre Nahrung, die Insekten, geeignet sind.

Jede Art hat ihre Nische gefunden

Das Weibchen bringt normalerweise ein Junges im Jahr zur Welt. Dazu begeben sich die Weibchen in sogenannte Brutkolonien und kümmern sich um das Wohlergehen des Nachwuchses. Der fliegt dann irgendwann im Sommer aus und macht Platz für die nächste Generation. Die Männchen bleiben meist Einzelgänger oder schließen sich in Junggesellengemeinschaften zusammen. Aber das ist von Art zu Art unterschiedlich. Auf großen Dachböden kann es auch schon mal Kolonien von bis zu 1000 Tieren geben. Einige Arten, wie die Mopsfledermaus, lebt praktisch unter Baumrinden. So hat jede Art ihre Nische gefunden.

Fledermäuse sind strengstens geschützt, so Stefan Hielscher, der sonst in der unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt in Tauberbischofsheim arbeitet. Aktuell sind Fledermäuse noch nicht vom Klimawandel betroffen, auch wenn es mehreren Arten im Sommer schon heiß werden kann. Die Hauptnahrungsmittel sind auch noch nicht weniger geworden, so Hielscher. Das liegt vor allem daran, dass die Fledermäuse im Wald sich auf Nachtfalter spezialisiert haben. Deren Population ist, so Zahlen aus dem Jahr 2017, noch nicht so stark vom Artensterben betroffen. Obwohl Fledermäuse sehr lichtempfindlich sind, fliegen sie gerne in der Nähe von Straßenlaternen, da sich hier ihre Nahrung gerne aufhält.

Fledermäuse sind nicht blutrünstig

Um Fledermäuse auch in Zukunft in der freien Natur zu sehen, sollten bei Umbauten unbedingt größere Keller oder Scheunen erhalten bleiben, um den Tieren ein Winterquartier zu bieten. Auf jeden Fall wollen die Teilnehmer der Fledermausführung in Zukunft aufmerksamer am Abend durch die Natur laufen und mehr auf die wendigen Flieger achten. Blutrünstig sind sie übrigens nicht. Europäische Fledermäuse ernähren sich ausschließlich von Insekten und nur in Südamerika gibt es zwei Arten, die auch Blut trinken, jedoch nur von Huftieren. Die heißen dann auch Vampirfledermäuse und haben mit den Geschichten von Graf Dracula überhaupt nichts zu tun, so Hielscher.

Ein Großes Abendsegler Weibchen gab es als Schaumodell bei der Feldermausführung, denn die scheuen Tiere lassen sich tagsüber nur sehr selten sehen. Foto: Matthias Ernst

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