WÜRZBURG

Klima-Demo: Schule droht Verweise an

Von Drohungen lassen sich diese Schüler nicht aufhalten. Sie basteln Plakate für die Demo für mehr Klimaschutz am Freitag.
Von Drohungen lassen sich diese Schüler nicht aufhalten. Sie basteln Plakate für die Demo für mehr Klimaschutz am Freitag. Foto: Thomas Obermeier

Wie viele Studierende und Schüler am Freitag in Würzburg auf die Straße gehen, weiß momentan keiner. Aber deutschlandweit nimmt die Jugendbewegung „Fridays for Future– gemeinsam gegen den Klimawandel“ Fahrt auf. Waren im Dezember in einer Handvoll Städten Demos angemeldet, sind dieses Mal um die 50 Städte dabei. Und einen Freitag später geht es weiter.

„Wie viele Schüler kommen, hängt auch davon ab, ob ihnen Repressalien angedroht werden“, meint Josefine Feiler vom Veitshöchheimer Gymnasium. Die 17-jährige Schülerin hilft bei der Organisation der Demo mit. Nach Gerüchten, die unter Schülern kursieren, haben Schulleiter Verweise, Nachsitzen oder mehr angekündigt, wenn man am Freitag in der Unterrichtszeit demonstriert.

So hat zum Beispiel das Friedrich-Koenig-Gymnasium (FKG) den Eltern schriftlich Verweise für ihre Kinder angekündigt, falls diese streiken. Nach Informationen dieser Redaktion gibt es aber FKG-Schüler, die trotzdem demonstrieren.

„In anderen Städten bekamen Schüler bislang kaum Ärger“, sagt Benedikt Schürzinger, der die Würzburger Demo organisiert. „Fridays for Future“ ist keine Partei oder Organisation, sondern wird dadurch getragen, dass jemand aktiv wird und in seiner Stadt Mitstreiter für eine Demo sucht.

Angestoßen hat die Bewegung die schwedische Schülerin Greta Thunberg, die seit einem halben Jahr immer freitags für bessere Klimapolitik demonstriert.

Prinzipiell dürfen Schüler nicht streiken und deshalb nicht für die Demo von der Schulpflicht befreit werden. Darauf hat die Ministerialbeauftragte für Gymnasien die Schulleiter im Vorfeld hingewiesen. Allerdings kann jede Schule entscheiden, ob und wie sie ein mögliches Fernbleiben von Schülern ahndet.

„Wer zur Demo geht, bekommt einen Verweis“, sagt Marco Korn, Schulleiter des FKG. „Denn ich halte einen Streik nicht für die geeignete Form.“ Besser wäre zum Beispiel, ein Umweltprojekt an der Schule zu veranstalten. Andere Schulleiter sagen auf Anfrage dieser Redaktion nicht, dass sie konkrete Sanktionen angekündigt haben. „Das wird im Einzelfall entschieden“, sagt Klauspeter Schmidt am Röntgen-Gymnasium. „Über Konsequenzen muss ich mir noch Gedanken machen“, erklärt Hermann Berst vom Dag-Hammarskjöld-Gymnasium.

„Ich freue mich, wenn sich Schüler gesellschaftlich engagieren“, meint Dieter Brückner, Schulleiter aus Veitshöchheim. „Aber nach Schulschluss.“ Er will mit Schülern sprechen, die am Freitag streiken. Elisabeth Schässburger, stellvertretende Leiterin der David-Schuster-Realschule, findet die Unterscheidung wichtig, ob es Jugendlichen um den Klimaschutz geht oder dieser ein Vorwand zum Schwänzen ist. „Das erkläre ich unseren Schülern und versuche, eine pädagogisch sinnvolle Lösung zu finden.“

„Wir wollen politische Schüler“, sagt Schwester Katharina Merz, Leiterin des St.-Ursula-Gymnasiums. Eine Erlaubnis zu Streiken bedeutet das aber nicht.

Man habe einen Kompromiss gefunden: „Eine 9. Klasse, die sich gerade mit Klimawandel beschäftigt, wird gemeinsam mit ihrer Lehrkraft an der Demo teilnehmen und danach der ganzen Schule darüber berichten.“

Diesen Weg schlägt auch die Lehrergewerkschaft vor, die umweltpolitisches Engagement junger Menschen unterstützt. „Wir rufen die Lehrkräfte auf, ganz offiziell einen Unterrichtsgang zu beantragen und ihre Klassen zur Demo zu begleiten“, sagt Jörg Nellen, Geschäftsführer des Würzburger Kreisverbands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Denn die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben stehe im Lehrplan.

Deshalb nimmt Horst Peter, Schulleiter der Grundschule Unterdürrbach, mit seinen Kollegen und über 100 Kindern ab der zweiten Jahrgangsstufe an der Demo teil. „Die Kinder interessieren sich unglaublich für Natur und Umwelt“, sagt Peter. „Wir wollen ihnen zeigen, dass viele Menschen das Thema ernst nehmen und wie eine Demo funktioniert.“

Warum die Demo nicht nachmittags stattfindet, erklärt Organisator Schürzinger. „Von Kindern wird vor allem eines erwartet: dass sie in die Schule gehen“, sagt der Student. Die Verweigerung dieser Pflicht sei ihr einziges Mittel, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. „Der Ansatz ist ja, warum für die Zukunft lernen, wenn die Zukunft gefährdet ist“, betont Schürzinger.

„Ich betrachte es als unsere Pflicht, den Druck auf die Politik zu erhöhen und ein klares Statement zu setzen“, erklärt der FKG-Schüler Jan Peter Schenke, warum er am Freitag zur Demo gehen wird.

Denn auch wenn diese nur ein kleiner Schritt sei, wäre sie wichtiger als Diskussionen im Unterricht, mit denen Schulen als Alternative zum Schulstreik argumentieren.

„Diese könnten das Umweltbewusstsein einzelner Schüler verändern, aber sicher keine für das Klima relevanten Entscheidungen von Politikern beeinflussen“, sagt der 15-Jährige.

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