Würzburg

Klimawandelleugner: So kann man ihre Argumente entkräften

Egal was Forscher sagen - manche Menschen bezweifeln den menschengemachten Klimawandel. Was sind ihre gängigsten Behauptungen und wie kann man sie sachlich widerlegen?
In Würzburg demonstrieren Schülerinnen und Schüler gegen den Klimawandel und dessen Folgen. Auch sie sehen sich immer wieder mit Argumenten von Klimawandelleugnern konfrontiert.
In Würzburg demonstrieren Schülerinnen und Schüler gegen den Klimawandel und dessen Folgen. Auch sie sehen sich immer wieder mit Argumenten von Klimawandelleugnern konfrontiert. Foto: Daniel Peter

Ein Großteil der Bevölkerung ist sich einig: Der Klimawandel wird durch den Menschen verursacht. Zu eindeutig sind Studien, zu eindeutig äußern sich Wissenschaftler zu der Thematik. Doch so unmissverständlich die Meinung der Forscher auch sein mag, so stur zeigen sich Menschen, die diesen Fakten nicht vertrauen wollen.

"Erderwärmungen gab es schon immer", "Der CO2-Anteil ist für negative Folgen viel zu gering" oder "Forscher liefern keine Beweise". So oder so ähnlich klingen die Argumente der sogenannten Klimawandelleugner. Da kann es schon mal knifflig werden, sachlich zu diskutieren. Wir zeigen auf, wie man mit diesen Argumenten umgehen und sie entkräften kann. 

Behauptung 1: "Der Klimawandel ist nicht menschengemacht - es gibt keine Beweise"

Dass sich das Klima verändert, darüber sind sich nahezu alle einig. Was allerdings die Ursache dafür ist und ob wir Menschen Schuld daran haben, darüber herrscht Dissens. Eine Meinung von Klimawandelleugnern besagt, dass die Ursachen der Erderwärmung nicht eingedämmt werden können. Der Wechsel von "Kälte- und Hitzeperioden" sei ein natürlicher Prozess, den es seit Millionen von Jahren gebe. Dafür sei nicht die Menschheit verantwortlich.

Heiko Paeth, Professor für Physische Geographie an der Universität Würzburg, erforscht Klimaänderungen. Er erklärte bereits vor Monaten dieser Redaktion, dass es sich hierbei um ein gängiges Argument von Klimawandel-Skeptikern handele. Es gebe zwar tatsächlich einen natürlichen Wechsel von Kalt- und Warmzeiten, dieser ereigne sich aber über Jahrtausende. Also viel langsamer, als wir es derzeit erleben.

"Die Wissenschaft versteht wunderbar wie natürliche Klimaeinflüsse und menschliche Klimaeinflüsse funktionieren. Diese darf man nicht durcheinanderbringen", sagt Paeth. Seit Beginn der Industrialisierung gebe es eine Erwärmung innerhalb der Wärmezeit. In den letzten 100 Jahren sind die Temperaturen laut Paeth um etwa ein Grad Celsius gestiegen. Bis 2100 könnten noch ein bis fünf Grad hinzukommen. Diese Erwärmung habe keine natürlichen Ursachen. Sie ereigne sich viel zu stark über einen zu kurzen Zeitraum, so dass sie vom Menschen verursacht sein müsse.

Fazit: Zwar gab und gibt es auch natürliche Wechsel von Kalt- und Warmzeiten, die derzeitige Klimaveränderung ist aber aufgrund des Ausmaßes und der rapiden Geschwindigkeit laut Forscher auf menschliche Aktivitäten wie die Industrialisierung zurückzuführen.

Behauptung 2: "Es gab schon immer Klimaveränderungen"

Klimaschwankungen gab es auch schon früher, heißt es oft mit Verweis auf die Kleine Eiszeit oder die Mittelalterliche Warmzeit in den vergangenen Jahrhunderten. Insofern sei die jüngste Klimaerwärmung eine natürliche Erscheinung und nichts Alarmierendes. Das Team um Raphael Neukom von der Universität Bern verweist im Journal "Nature" nun aber auf einen erheblichen Unterschied: Außerhalb des derzeitigen rapiden Temperaturanstiegs hätten Klimaschwankungen in den vergangenen zwei Jahrtausenden nie auf der ganzen Welt gleichzeitig stattgefunden.

Ein rissiger und ausgetrockneter Boden zeigt die Klimaveränderungen. 
Ein rissiger und ausgetrockneter Boden zeigt die Klimaveränderungen. 
Foto: Federico Gambarini, dpa

Als ein Beispiel nennen die Autoren die Kleine Eiszeit vom 15. bis 19. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert hätten die tiefsten Temperaturen im Zentral- und Ostpazifik geherrscht, im 17. Jahrhundert in Nordwesteuropa und dem südöstlichen Nordamerika und im 19. Jahrhundert in anderen Weltregionen. "Im Gegensatz dazu sehen wir, dass die wärmste Periode der vergangenen zwei Jahrtausende im 20. Jahrhundert auf 98 Prozent der Erde stattfand", schreiben sie.

Der Geografieprofessor Scott George von der Universität Minnesota (USA) resümiert in einem zugehörigen Kommentar: "Die gängige Maxime, dass das Klima sich immer ändert, stimmt mit Sicherheit. Aber selbst, wenn wir in unserer Perspektive bis in die frühen Tage der Römischen Kaiserzeit zurückgehen, können wir kein Ereignis erkennen, dass in Grad oder Ausmaß der Erwärmung der vergangenen Jahrzehnte auch nur annähernd entspricht."

Fazit: Klimaveränderungen gab es zwar tatsächlich schon immer, diese haben aber laut Wissenschaft niemals auf der ganzen Welt gleichzeitig stattgefunden.

Behauptung 3: "Selbst die Klimaforscher sind sich uneinig"

Natürlich wird niemand behaupten können, dass alle Klimaforscher weltweit einer Meinung sind. Dass sich eine große Mehrheit der Wissenschaftler aber einig über den Klimawandel und die Rolle der Menschheit ist, zeigt beispielsweise der Bericht des Weltklimarates IPCC. Am letzten Sachstandsbericht aus den Jahren 2013/2014 arbeiteten 830 Klimafachleute und Experten aus der ganzen Welt. Sie kamen zu dem Entschluss, dass die menschlichen Aktivitäten höchstwahrscheinlich einen klaren Einfluss auf die Erderwärmung haben. Anerkannte Experten und Fachautoren trafen hiermit also eine einheitliche Aussage.

Noch deutlicher wird die einheitliche Meinung, wenn man sich die jüngste Aussage der Bundesregierung ansieht. Auf Anfrage der AfD errechnete die Bundesregierung, dass 99 Prozent der Wissenschaftler, die Fachaufsätze zum Klimaschutz veröffentlicht haben, die Meinung vertreten, die globale Erwärmung sei menschengemacht.

Fazit: Zwar gibt es keine eindeutigen Prozentzahlen dazu, wie viele Forscher genau vom menschengemachten Klimawandel überzeugt sind. Klar ist aber: Es ist die große Mehrheit. Ein treffendes Beispiel ist hierfür der Sachstandsbericht des Weltklimarates.

Mit Informationen der Deutschen Presseagentur

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