Gaukönigshofen

Koffer erinnert an die deportierten Juden

Ein Gedenkort für die im "Dritten Reich" von den Nationanlsozialisten deportierten und ermordeten Juden aus Gaukönigshofen soll am ehemaligen Bahnhof entstehen. Dazu beteiligt sich die Gemeinde an einer Aktion, bei der symbolische Koffer als Erinnerung und Mahnung aufgestellt werden. Einer dieser Koffer ist für Würzburg vorgesehen, der andere für Gaukönigshofen.

Bereits in einer Sitzung im Oktober des vergangenen Jahres hatte der Gemeinderat grundsätzlich die Einrichtung eines solchen Gedenkorts beschlossen. Zum genauen Platz, an dem der Koffer aufgestellt werden soll, gab es unterschiedliche Vorstellungen. Einige Ratsmitglieder hielten damals den Bahnsteig zwischen dem Güterboden und der Tür für angemessen, weil dies der authentische Ort sei, an dem die Juden damals vor ihrer Deportation in den Zug gestiegen seien. Andere wiederum wollten das Gedenken aber besser öffentlich sichtbar machen und bevorzugten Orte an der nördlichen Stirnseite, die auch von den Straßen her besser einsehbar sei.

Nach einer Ortseinsicht des Bauausschusses wurde inzwischen eine Einigung erzielt und mit einem einstimmigen Beschluss in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates bekräftigt. Aufgestellt werden soll der Koffer nun an einer Ecke an der nördlichen Stirnseite des ehemaligen Stationsgebäudes, weil der Gedenkort so auch von der Staatsstraße, die durch Gaukönigshofen führt, gut erkennbar ist.

Wie Bürgermeister Bernhard Rhein sagte, erhält der Koffer einen Sockel mit schwarzem Basaltpflaster. Der Bauhof soll am Bahnhofsgebäude noch eine passende Beleuchtung anbringen. Thekla Walch schlug vor, auch eine Sitzbank aufzustellen, damit Besucher in Ruhe verweilen und gedenken können. Norbert Roth möchte auch, dass der Weg vor dem Gebäude mit der wassergebundenen Decke erneuert wird, um die Zugänglichkeit zu verbessern.

Übergabe am 21. März

Vom Bahnhof in Gaukönigshofen traten die Juden aus dem Ort ihre letzte Reise an. Daran soll künftig erinnert werden. Wie Bürgermeister Rhein in der Sitzung ausführte, wurden am 21. März 1942 die letzten 29 Gaukönigshöfer Juden mit dem Zug zunächst nach Kitzingen gebracht. Von dort sei die Reise weiter gegangen bis in das Lager Izbica bei Lublin in Ostpolen. Der 78. Jahrestag dieses Geschehens solle auch der Tag sein, an dem der Gedenkort offiziell übergeben wird, nämlich der Samstag, 21. März 2020, um 15 Uhr. Zu der Feier sollen auch Landrat Eberhard Nuß und der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster aus Würzburg, eingeladen werden, sagte Rhein gegenüber dieser Zeitung.

Die jahrhundertealte Geschichte der Juden in Gaukönigshofen wird indes schon länger lebendig gehalten. In dem Ort gibt es ein erhaltenes jüdisches Viertel, unter anderem mit Synagoge, Lehrerwohnung, Mikwe (Ritualbad) und Schutzjudenhäusern. Die Synagoge ist seit November 1988, dem 50. Jahrestag des Novemberpogroms, auch eine Gedenkstätte des Landkreises Würzburg für die ermordeten Juden. Die Synagoge in Gaukönigshofen gilt in Fachkreisen auch als eines der wenigen erhaltenen baulichen Zeugnisse des Landjudentums in unserer Region.

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