Würzburg

Kommentar: Der Landrat muss den Hilferuf ernst nehmen

Im Würzburger Landratsamt kann es nicht so weitergehen, als wäre nichts geschehen. Landrat Eberhard Nuß muss die Vorfälle aufklären, um seine Mitarbeiter zu schützen.
Landrat Eberhard Nuß
Landrat Eberhard Nuß Foto: Landratsamt Würzburg

Wenn ein Vorgesetzter Mitarbeiter drangsaliert, demütigt, schikaniert, stichelt, ihnen Fehler unterstellt, dann ist das Mobbing von oben, auch Bossing genannt. Studien belegen, dass es gerade im öffentlichen Dienst häufig der Chef ist, der seine Untergebenen mobbt. Die hierarchische Struktur in den Amtsstuben erleichtert das. Oft ist es auch so, dass Führungskräfte unter sich zusammenhalten.

Die Opfer in den Ebenen darunter müssen viel aushalten. Und sie halten es aus, weil es nicht einfach ist, sich über den Chef zu beschweren. Oft wird ihnen nicht geglaubt, Beschwerden werden nicht ernst genug genommen. Betroffene beschreiten einen langen Leidensweg, bis sie ihre Ängste überwinden und ihren Frust loswerden. Mitarbeiter des Landratsamtes in Würzburg haben das durchgemacht. Doch statt sie ernst zu nehmen, sich um sie zu sorgen, blieben Konsequenzen aus. Der anonyme Brief eines Mitarbeiters aus der Abteilung ist ein Hilferuf, ein lauter Schrei nach Aufklärung.

Der Leidensweg der Betroffenen ist noch nicht beendet

Es ist schwer zu glauben, dass Landrat Nuß von alledem nichts mitbekommen hat. Dem Behördenleiter hätte das schlechte Arbeitsklima in der Abteilung auffallen müssen, spätestens als es vermehrt zu Versetzungen und Kündigungen kam. Dass Nuß nun auch nicht herausfinden möchte, was in der Informationskette damals schief gelaufen ist, ist ein weiterer Schlag für die Betroffenen und beendet ihren Leidensweg nicht. Gerade seine Fürsorgepflicht als Dienstherr aber verlangt eine Untersuchung, um bei ähnlichen Fällen in Zukunft früher Einhalt gebieten zu können. Das ist Nuß seinen Mitarbeitern schuldig. 

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