Würzburg

Kommentar: München, wir haben ein Problem!

Wenn es um die Forschung zur Luft- und Raumfahrt geht, denkt Ministerpräsident Markus Söder gern groß. Ärgerlich, dass er Experten an der Uni Würzburg einfach ignoriert.
Im Testlabor an der Uni Würzburg betrachten Doktorand Stephan Busch (rechts) und sein Team den Kleinsatelliten "Uwe 3" (Archivbild). Eine russische Rakete hat ihn vor sieben Jahren ins All befördert. Die Universität hat sich in der Raumfahrtforschung mit ihren Satelliten-Entwicklungen einen Namen gemacht. Foto: David Ebener, dpa

Den "Freistaat in die Zukunft beamen" möchte der Ministerpräsident mit seiner Hightech Agenda und dafür bis 2023 zwei Milliarden Euro in die Hand nehmen. Beamen? Da darf die Luft- und Raumfahrt nicht fehlen. Markus Söder spricht von einer "Schlüsseltechnologie" für Bayern,  "wir wollen ihr neuen Schub geben." Das tut die Staatsregierung – aber fast ausschließlich in München, wo an der Technischen Universität eine Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie (Wissenschaft der Vermessung der Erde) aus dem Boden gestampft wird. 

Mit dem Luft- und Raumfahrtprogramm "Bavaria One" will Söder wissenschaftliche Exzellenz und Elite bündeln und international aufholen. Kein verwerflicher Vorsatz, nur: Ist er wissenschaftlich oder politisch motiviert? Oder zur eigenen Profilierung? Hochschulen brauchen eine Politik, die Anreize setzt. Die um wissenschaftliche Kompetenz im Land weiß, diese wertschätzt und ausbaut.

Die beiden Münchner Hochschulen dominieren in Bayern

Da darf es keine Rolle spielen, ob die Universität in Münchner Schlagweite zum Maximilianeum sitzt oder knapp 300 Kilometer entfernt in Würzburg. Die jüngste Exzellenzrunde von Bund und Ländern hat gezeigt: Bayern hat ein Problem. Die beiden Münchner Hochschulen TU und LMU dominieren, der akademische Rest im Freistaat hinkt hinterher.

Söder weiß um diese Schieflage. Verbal versucht er, den Blick über den Weißwurstäquator zu lenken, bringt für die Zukunft eine "fränkische Exzellenz-Universität" ins Spiel. Nur: Dafür müssen jetzt die Weichen gestellt werden. Kaum zu fassen ist es da, wenn die international anerkannte Satellitenforschung an der Uni Würzburg in der Hightech Agenda komplett ignoriert wird. Noch schlimmer: Wenn ihr, so droht es, durch staatlich geschaffene und subventionierte Konkurrenz das Wasser abgegraben wird.

Abbau in Würzburg wäre Verschwendung von Steuergeldern

Das wäre nicht nur bitter für betroffene Professoren und Mitarbeiter. Es wäre kurzsichtig mit Blick auf den Forschungsstandort Bayern. Und es wäre nicht nur ein wissenschaftlicher Verlust, sondern eine massive Verschwendung von Steuergeldern, die an Würzburgs Uni in die Raumfahrtforschung gesteckt wurden.

Wo bleibt der Aufschrei der Hochschulleitung? Uni-Präsident Alfred Forchel freut sich über Millionen für die Quantenphysik und die Künstliche Intelligenz, will sich nicht undankbar zeigen. Aber Vorsicht: Wenn gleichzeitig erfolgreiche Bereiche wie die Raumfahrtforschung ausgetrocknet werden, wäre es für die Uni ein Nullsummenspiel.   

Rückblick

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