Würzburg

Kommt jetzt eine eigene Fahrradbrücke neben der Löwenbrücke?

"Mit einem roten Teppich auf der Ludwigsbrücke ist es jedenfalls nicht getan", kommentiert Oberbürgermeister Christian Schuchardt die Demo vom Bündnis "Verkehrswende jetzt" – und spricht sich für eine eigene Fahrradbrücke über den Main aus.  Foto: Daniel Peter

Jahrelang hat sich an der Problemstelle Nummer eins für Radfahrer, der Löwenbrücke, nichts getan. Darüber berichtete kürzlich diese Redaktion. Jetzt hat sich Oberbürgermeister Christian Schuchardt zu der beengten Situation auf der Brücke, die sich Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger und Straßenbahn teilen müssen, geäußert: Im Gegensatz zu früher hält er eine neue Fahrradbrücke für die beste Lösung.

OB: Die Stadt treibt Verkehrswende schon seit einigen Jahren voran

Dies ist einer umfangreichen Stellungnahme zu entnehmen, die Schuchardt zum neuen Bündnis "Verkehrswende jetzt" abgab, darin unter anderem einen Runden Tisch zur Verkehrspolitik ankündigte und betonte, dass die Stadtverwaltung schon seit einigen Jahren  eine Verkehrswende vorantreibe. In diesem Zusammenhang "müsse auch einige Kritik relativiert werden", schreibt der OB und sprach das Beispiel Löwenbrücke an. Hier sei vor allem die Anschlusssituation in die Mergentheimer Straße die Herausforderung. "Die Lösung, die keine Stau-Maximierung bringt, wurde vor rund drei Jahren von den Lobbyisten verworfen", erinnert Schuchardt an das städtische Konzept, das nach der Kritik aus Reihen des Radverkehrsbeirates wegen mangelnder Gleichberechtigung der Radfahrer durchfiel.  

Konsequent sei daher beispielsweise der CSU-Antrag von 2018, den Bau einer weiteren Fahrradbrücke zu untersuchen, erklärt der OB. Das, so Schuchardt, sei auch "die beste Lösung, um die drangvolle Enge auf der Löwenbrücke zu umgehen und damit keine Staus oder Gefahrensituationen für alle Verkehrsteilnehmer – und hiermit seien ausdrücklich auch die Fußgänger gemeint – hervorzurufen".

"Die beste Lösung, um die drangvolle Enge auf der Löwenbrücke zu umgehen."
Oberbürgermeister Christian Schuchardt

Mit einem roten Teppich auf der Ludwigsbrücke sei es jedenfalls nicht getan, spielt der OB auf die Fahrraddemo vom "Bündnis Verkehrswende jetzt" vergangene Woche an. „Die sicher für Radfahrer problematische Löwenbrücke nun als Symbol für generellen Stillstand und eine unwillige Stadtverwaltung zu bemühen, ist nicht o.k. und auch unfair gegenüber den engagierten Mitarbeitern des Rathauses“, beklagt Schuchardt.   

Stadtverwaltung hielt die Fahrradbrücke für zu teuer

Was der OB nicht schreibt: Dass sich an der Problemstelle Löwenbrücke seit der Ablehnung des städtischen Verkehrskonzeptes nichts mehr getan hat. Und ebenso wenig erwähnt er: Die von ihm favorisierte Lösung mit einer neuen Brücke für Radfahrer hatte die Stadtverwaltung vor vier Jahren wegen zu hoher Kosten – seinerzeit war von sieben Millionen Euro die Rede – und problematischen Zu- und Abfahrten verworfen. Und nach dem  im Herbst 2018 von der CSU gestellten und von den Stadträten einstimmig befürworteten Antrag für eine solche Brücke liegen bislang keine Planungen vor.

Aber vielleicht tut sich jetzt nach der klaren Aussage von OB Schuchardt etwas? Befürworter für die Radfahrer-Brückenlösung gibt es jedenfalls schon reichlich. Hans-Jürgen Beck vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) hält sie für eine denkbare Alternative –  ebenso wie Pfarrer Werner Schindelin. Seit 40 Jahren Jahren, so schreibt er der Redaktion, fahre er wöchentlich mehrmals mit dem Rad über Brücke. "Ich traue mir also zu, aus der Praxis einen an der Realität geprüften Rat zu geben."

Auch Schuchardts Gegenkandidat Heilig ist für eine neue Brücke

Zudem hatten sich bei einer nicht repräsentativen Online-Umfrage dieser Redaktion vor zwei Wochen 45 Prozent für eine neue Fahrrad- und Fußgängerbrücke ausgesprochen. Und auch Schuchardts Gegenspieler bei der Kommunalwahl nächstes Jahr, der Grünen-OB-Kandidat Martin Heilig, plädiert "für eine neue Fahrradbrücke im Bereich der Löwenbrücke". 

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