Würzburg

Kommunalwahl 2020: Tausende Wähler wollen Kandidaten in Unterfranken live erleben

Die Kommunalwahl steht an. Und diese Redaktion lädt die Kontrahenten zur Diskussion ein. Der Chefredakteur der Main-Post erklärt, warum sie das tut.
Bei der Podiumsdiskussion: Die Würzburger Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters stimmten über politische Fragen ab – am 15. März sind die Wähler an der Reihe.  Foto: Silvia Gralla

Zeitungsberichte, soziale Medien oder Plakate in den Straßen: So können Wähler einen groben Eindruck von Bürgermeister- und Landratskandidaten gewinnen. Aber um wirklich ein Gefühl dafür zu bekommen, wie diese Politiker ticken und was sie für ihre Kommune erreichen möchten, ist es hilfreich, sie hautnah zu erleben.

Mit Blick auf die Kommunalwahl am Sonntag, 15. März, hat diese Redaktion in den vergangenen Wochen die Kandidaten zur Diskussion auf die Bühne gebeten. Bisher gab es 13 Wahlforen in Unterfranken – bei vielen waren alle Sitzplätze besetzt. Insgesamt haben rund 7500 Menschen diese Diskussionsrunden besucht. Sieben weitere Veranstaltungen folgen. Jede davon begleitet die Redaktion mit einem Live-Ticker im Internet. 

Wie sich Chefredakteur Michael Reinhard die guten Besucherzahlen erklärt

"Als Medienhaus ist es unsere Aufgabe in einer Demokratie, unseren Lesern vor einer Wahl alle Informationen zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen, um sich eine Meinung bilden zu können", sagt Michael Reinhard, Chefredakteur der Main-Post. Dabei dürfe man sich nicht alleine auf die klassische Berichterstattung zur Wahl beschränken. "Mit einer Diskussion vor Publikum wollen wir Politik erlebbar machen."

Die hohen Besucherzahlen der Wahlforen erklärt sich Reinhard dadurch, dass diese Redaktion als "kritischer Beobachter des politischen Geschehens in der Region" wahrgenommen werde. "Viele Menschen vertrauen darauf, dass wir uns in ihrer Heimat auskennen und wissen, welche lokalpolitischen Fragen sie umtreiben – aber auch, dass wir hartnäckig nachhaken, wenn es nötig ist."

Ein Bürgermeister, der schon mit Jürgen Drews auf der Bühne stand?

Bei den bisherigen Wahlforen stritten die Kandidaten darüber, wie sie örtliche Probleme angehen möchten. Oft ging es zum Beispiel darum, wie sie neuen Wohnraum entstehen lassen, Innenstädte attraktiver gestalten und den Öffentlichen Nahverkehr verbessern wollen. 

Aber auch Kurioses haben die Gäste über die Bewerber erfahren. Zum Beispiel, dass ein Bewerber in Höchberg (Lkr. Würzburg) schon einmal mit Schlagersänger Jürgen Drews auf der Bühne gesungen hat. In Dettelbach (Lkr. Kitzingen) musste sich ein Bürgermeisterkandidat fragen lassen, ob er eine leicht bekleidete Frau als Werbung auf dem Fahrzeug seines Handwerksunternehmens noch zeitgemäß findet. Und zum Wahlforum in Kitzingen erschien ein Kandidat als Seemann verkleidet, weil er der Meinung ist, dass die Stadt eine "Faschingshochburg" sei.

Wenn Bürgermeisterkandidaten ein Zelt aufbauen müssen

Die Moderatoren, allesamt Reporter aus den lokal zuständigen Redaktionen, stellten teilweise auch knifflige Aufgaben. In Karlstadt (Lkr. Main-Spessart) sollten die Bürgermeisterkandidaten ihre Fähigkeiten abseits der Politik unter Beweis stellen. So mussten sie beispielsweise zusammen ein Zelt auf der Bühne aufbauen, da einer der Amtsanwärter in seiner Kindheit bei den Pfadfindern aktiv war. 

In Würzburg waren die Bewerber für den Job des Oberbürgermeisters gezwungen, schnell zu antworten und mit grünen oder roten Karten deutlich zu machen, ob sie einer Aussage zustimmen oder nicht. Für eine kleine Kontroverse sorgte dabei die Frage, ob die Stadt eine Straßenbahnlinie 6 zur Anbindung des Uni-Campus' und des neuen Stadtteils Hubland bauen sollte, wenn dadurch die Sanierung einer Schule warten muss. Mit einer Ausnahme weigerten sich Kandidaten, sich dazu äußern – sie wollten die Themen nicht gegeneinander ausspielen.

Unsere Live-Ticker zum Nachlesen:

Das Publikum durfte bei den Wahlforen auch Fragen an die Kandidaten stellen. "Was tun Sie als Landrat, damit die Radfahrer sicher durch den Verkehr kommen?", wollte eine Zuhörerin in Grafenrheinfeld (Lkr. Schweinfurt) beispielsweise wissen. In Haßfurt (Lkr. Haßberge) sollten die Besucher ihre Fragen schriftlich auf einen Bierdeckel notieren. Dabei ging es zum Beispiel darum, wann das Pflaster in der Innenstadt barrierefrei erneuert wird oder ob es künftig Photovoltaik auf den Dächern der Altstadt geben wird.

Positive Reaktionen auf Wahlforen

Wie die Wahlforen bei den Gästen ankamen? Als "total spannend" und "absolut aufschlussreich" bezeichnete Renate Raunecker die Kandidatenvorstellung in Würzburg. "Die Veranstaltung fand ich gut – vor allem für uns, weil wir ja Reingeschmeckte sind", sagte Christiane Poppelbaum. Sie fühle sich in Würzburg sehr wohl und sei deshalb auch daran interessiert, alles über die Oberbürgermeisterkandidaten zu erfahren.

Noch sieben Wahlforen dieser Redaktion stehen aus – wenn es zu Stichwahlen kommt, gibt es sogar noch mehr. Zu den bisherigen 7500 Besuchern der Podiumsdiskussionen könnten also noch einmal bis zu 3000 Gäste dazukommen. Für Eintrittskarten nahmen die Lokalredaktionen in Kitzingen und den Haßbergen einen Betrag von zwei Euro. So sollte sichergestellt, dass die Menschen auch wirklich kommen, wenn sie sich Karten besorgt haben und nicht anderen den Platz wegnehmen. Das Geld wurde anschließend gespendet. In Kitzingen gingen die Einnahmen an den Kindergarten des Bayerischen Roten Kreuzes.

Termine: Weitere Wahlforen in Unterfranken
Bad Kissingen, Oberbürgermeisterwahl: Donnerstag, 27. Februar, 19:30 Uhr, Max-Littmann-Saal des Regentenbaus in Bad Kissingen
Fladungen, Bürgermeisterwahl: Freitag, 28. Februar, 19 Uhr, Grenzlandhalle in Fladungen
Würzburg, Landratswahl: Dienstag, 3. März, 19 Uhr, Mehrzweckhalle in Gerbrunn 
Lohr, Bürgermeisterwahl: Dienstag, 3. März, 19 Uhr, Nägelseeaula in Lohr am Main
Rhön-Grabfeld, Landratswahl: Mittwoch, 4. März, 19 Uhr, Oskar-Herbig-Halle in Mellrichstadt
Ochsenfurt, Bürgermeisterwahl: Donnerstag, 5. März, 19 Uhr, TVO-Halle in Ochsenfurt

Rückblick

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