Würzburg

Kommunalwahl: Der Landkreis Würzburg wird grüner

Erst vier Tage nach der Wahl steht das Ergebnis für den Würzburger Kreistag fest. Tragischer Verlierer ist die SPD. Ihr fehlen wenige Stimmen für einen weiteren Sitz. 
Im Würzburger Landratsamt tagt ab dem 1. Mai der neue Kreistag. Im Gremium haben die Grünen jetzt 14 der 70 Sitze und sind damit nach der CSU zweitstärkste Fraktion.
Im Würzburger Landratsamt tagt ab dem 1. Mai der neue Kreistag. Im Gremium haben die Grünen jetzt 14 der 70 Sitze und sind damit nach der CSU zweitstärkste Fraktion. Foto: Gerhard Meißner

Bürger und Kandidaten mussten dieses Mal lange warten. Erst vier Tage nach der Kommunalwahl am vergangenem Sonntag hat das Landratsamt am Donnerstagmorgen das Ergebnis der Kreistagswahl bekannt gegeben. Die Verzögerung hatte Gründe: Die lagen in Ochsenfurt. Dort wurden Briefwahlergebnisse falsch erfasst und der Wahlleiter hatte keine Eile, die fehlende Schnellmeldung am Mittwoch ins Landratsamt nach Würzburg zu schicken. "Das machen wir nach der Mittagspause", sagte er völlig entspannt in einem Telefonat mit dieser Redaktion. 

Fehler und Pannen bei der Auszählung

Am Mittwoch um 15.20 Uhr veröffentlichte das Landratsamt schließlich das komplette Wahlergebnis. Allerding war die Sitzverteilung falsch berechnet. Statt 70 Kreistagsmandate vergab das Computerprogramm der AKDB, das bayernweit in vielen Rathäusern und Landratsämter für Fehler sorgte, 71 Sitze. Die korrekte Sitzverteilung konnte die Kommunalaufsicht "coronageschwächt" aber am Nachmittag nicht mehr ermitteln. Einfache Tabellenkalkulationsprogramme oder Sitzverteilungsrechner im Internet erledigen das in wenigen Minuten. Man muss nur die Stimmenanzahl der gewählten Parteien eingeben.

Donnerstagmorgen schließlich steht die Sitzverteilung des neuen Kreistages fest. Die CSU verliert drei Sitze, die Grünen verbessern sich von neun auf 14 Mandate im 70-köpfigen Gremium. "Wir haben die Wahl gewonnen, weil wir überall zugelegt haben", sagt Spitzenkandidatin Karen Heußner und Fraktionssprecherin von Bündnis90/Die Grünen. "In nahezu allen Landkreisgemeinden konnte die Partei ihr Ergebnis verbessern."

Grünen legen deutlich zu 

Insgesamt gewinnen die Grünen 7,3 Prozentpunkte hinzu. Zum Vergleich: Bei der Kommunalwahl 2014 erreichte die Partei 13,1 Prozent, sechs Jahre später sind es 20,4 Prozent. "Wir freuen uns sehr über das Ergebnis", sagt Karen Heußner, die am 29. März gegen Thomas Eberth (CSU) in der Stichwahl für das Amt des Landrats antritt. 

Zu den Wahlsiegern zählen sich auch die Freien Wähler (FW) und die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG). Deren Vorsitzender Felix von Zobel freut sich nicht nur über sein gutes Abschneiden bei der Landratswahl, sondern auch über den Stimmenzuwachs für die UWG/FW. Von zehn auf elf Sitze verbessert sich die Gruppierung. Dabei fällt auf, dass vor allem aus dem südlichen Landkreis viele Stimmen kamen. 

"Gegen den Hype, den die Grünen gerade erfahren, ist es schwer anzukommen."
Manfred Ländner, CSU-Fraktionsvorsitzender

Daraus ist bei der CSU nichts geworden. Fünf Prozent verliert die Partei und damit drei Sitze im Kreistag. Dazu sagt Fraktionsvorsitzender Manfred Ländner: "Das ist nicht gut. Es sind vor allem die kleinen Parteien, denen wir unsere Mehrheit jetzt schulden müssen. Gegen den Hype, den die Grünen gerade erfahren, ist es schwer anzukommen." Deutlich äußert Ländner auch seinen Unmut über die Freien Wähler. "Ich bin sehr enttäuscht, dass sich diese, die vor allem von Landwirten gewählt wurden, jetzt für die Grünen aussprechen. Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Landwirtschaft", kommentiert Ländner. Spitzenkandidat Felix von Zobel hatte sich unmittelbar nach der Wahl dafür stark gemacht, Heußner in der Stichwahl gegen Eberth zu unterstützen. 

Der SPD fehlen 25 Stimmen zum zehnten Sitz

Auch die SPD will ihren Mitgliedern, Kandidaten und Wählern nun empfehlen, Karen Heußner in der Stichwahl ihre Stimme zu geben. "Der Vorstand der SPD hat sich einstimmig für einen Politikwechsel an der Spitze des Landkreises ausgesprochen", schreibt Christine Haupt-Kreutzer, unterlegene Landratskandidatin der SPD, in einer Pressemitteilung. Denn "in weiten Teilen seien die Ziele der Grünen mit der SPD übereinstimmend". 

"Es ist schon sehr, sehr knapp. Aber das allein ist kein Grund, erneut auszählen zu lassen."
Volkmar Halbleib, SPD-Kreisvorsitzender

Die SPD verliert bei der Kreistagswahl kräftig an Boden. Nur noch neun Mandate haben die Genossen im Gremium. Auch hier sind es die Grünen, "von denen wir uns nicht abkoppeln konnten", sagt Fraktionssvorsitzender Stefan Wolfshörndl. Die Arbeit seiner Fraktion im Kreistag sieht er nicht als Grund für dieses Wahlergebnis an. "Wir haben die richtigen Themen gesetzt." Am Ende sind es nur 25 Stimmen, die der SPD zum zehnten Sitz fehlen. 

Kurz überlegen die Verantwortlichen der Partei, ob sie das Ergebnis der Kreistagswahl nicht nachzählen lassen wollen. SPD-Kreisvorsitzender Volkmar Halbleib erklärt: "Es ist schon sehr, sehr knapp. Aber das allein ist kein Grund, erneut auszählen zu lassen. Wir brauchen schon einen konkreten Verdacht." Den gebe es aber nicht, fügt er hinzu. Und außerdem möchte der Kreisvorstand in diesen schweren Zeiten, wo viele im Land mit der Coronapandemie beschäftigt seien, nicht noch für zusätzliche Wallung sorgen. 

Anlass zur Freude haben die kleinen Parteien. Bundestagsabgeordnete Simone Barrientos aus Ochsenfurt kommentiert das Wahlergebnis für die Linken: "Das ist der Hammer." Und Kreisvorsitzender Viktor Grauberger spricht von einem "tollen Erfolg". 

Bei der FDP sitzen Vater und Sohn im Kreistag

Auch die ÖDP zieht eine positive Bilanz der Kreistagswahl - und will bei der Stichwahl ebenfalls Karen Heußner unterstützen. "Seit 1996 halten wir konstant zwei Sitze", teilt ÖDP-Sprecher Matthias Henneberger mit. Die FDP verdoppelt ihren Sitz und Kreisrat Wolfgang Kuhl bekommt Verstärkung durch seinen Sohn Florian. 

Neben den Linken zieht auch die AfD erstmals in den Würzburger Kreistag ein. Die Partei wollte das Wahlergebnis nicht kommentieren.

Die 70 Kreisräte, davon sind 22 Frauen, treten zum 1. Mai ihr Amt an. Der Altersdurchschnitt liegt bei 51,6 Jahren. Die jüngste Fraktion sind dabei die Grünen mit durchschnittlich 46 Jahren.  

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