Ochsenfurt

Kontrolle bei Tuning-Treffen: Veranstalter beklagt Willkür

Aufregung beim „Meet&Grill 12“ in Giebelstadt: Nach einer Verkehrskontrolle der Polizei bei dem Tuning-Treffen beschwert sich der Veranstalter über das Ausmaß der Aktion.
In der Region gibt es zahlreiche Tuning-Treffen. Im Bild: der beeindruckene Auspuff eines Fahrzeugs bei der Tuning Night Würzburg im Mai diesen Jahres in Eibelstadt. Foto: Fabian Gebert

Die Polizeimeldung im Nachgang des Tuning-Treffens „Meet&Grill 12“ am 14. September auf dem Flugplatz in Giebelstadt liest sich eher unspektakulär: 26 Fahrzeuge seien kontrolliert, und bei elf von ihnen gravierende technische Veränderungen festgestellt worden, so dass deren Betriebserlaubnis erloschen sei. Für Nusret Alimi aber, den Veranstalter des Treffens, hatten sich aus der Meldung Widersprüche ergeben, weshalb er sich an diese Redaktion wandte.

Alimi ist schwer verärgert: „Meine Firma NEFCars ist pleite“, sagt der Kitzinger. Zum „Meet&Grill“, das er mit NEFCars innerhalb von sechs Jahren zum zwölften Mal organisiert hatte, kam nur ein Drittel der sonst üblichen Teilnehmer. Auch ein Großteil der Besucher sei ferngeblieben. Durch diesen Rückgang hat Alimi nach eigener Aussage einen fünfstelligen Minusbetrag eingefahren, so dass die Zukunft von NEFCars ungewiss sei.

Widersprüchliche Aussagen von Polizei und Veranstalter

Für Nusret Alimi ist klar: Die Verkehrskontrolle der Polizei ist der Grund dafür, dass die Veranstaltung dieses Mal bedeutend kleiner ausgefallen ist. Statt von den im Polizeibericht vom 16. September erwähnten 26 Fahrzeugen spricht Alimi von über 300 Autos, die für eine Kontrolle herausgezogen worden seien. „Der Bericht der Polizei ist nicht korrekt“, sagt Alimi und verweist auch auf dementsprechende Aussagen von Teilnehmern des Events, unter anderem auf Facebook. Als überdimensioniert empfindet Alimi die Aktion, die ihm gegenüber von der Polizei als „stichprobenartige Kontrolle“ angekündigt worden sei.

Dass Verkehrsteilnehmer kontrolliert würden, um die Verkehrstüchtigkeit der Fahrer und die Vorschriftsmäßigkeit der Fahrzeuge zu prüfen, zählt Anke Reiner zu den Kernaufgaben der Polizei. Die stellvertretende Dienststellenleiterin der Polizeiinspektion Ochsenfurt hatte bei der Kontrolle am Flugplatzgelände die Einsatzleitung. Laut Reiner geschieht es regelmäßig, dass Tuning-Treffen und kontrolliert werden. Der Aussage Alimis, über 300 Fahrzeuge seien kontrolliert worden, widerspricht sie: Wie im Polizeibericht angegeben, habe es sich um 26 gehandelt.

"Das war Willkür vom Feinsten."
"Meet&Grill"-Veranstalter Nusret Alimi über die Verkehrskontrollen

Auf Nachfrage dieser Redaktion führt Reiner aus, wer bei den Kontrollen im Einsatz gewesen ist: Es habe sich um insgesamt zehn Beamte gehandelt; die Polizeiinspektion Ochsenfurt sei von Beamten der Polizeiinspektion Kitzingen, der Verkehrspolizei Würzburg-Biebelried und vom Operativen Ergänzungsdienst aus Würzburg unterstützt worden. Darüberhinaus sei ein Sachverständiger einer Prüforganisation zur technischen Unterstützung vor Ort gewesen. Die Größe der Besetzung variiere von Fall zu Fall: „Ein Richtwert für die normale Personalstärke bei Verkehrskontrollen existiert nicht“, so Reiner.

Alimi kritisiert, dass die hohe Polizeipräsenz sowohl Teilnehmer als auch Besucher des Treffens abgeschreckt hätte. Viele seien verunsichert gewesen, als sie die Beamten und Polizeiautos in der Levi-Strauss-Straße gesehen hätten. Bis zu einer halben Stunde hätten Teilnehmer an der Kontrollstelle warten müssen, um überhaupt auf das Gelände gelassen zu werden – „da ist manch einer gar nicht erst von zu Hause losgefahren“, ist sich Alimi sicher. Schließlich hätten sich die Kontrollen in den sozialen Netzwerken und durch Mund-zu-Mund-Propaganda schnell herumgesprochen.

Dass auch Autos, die von der Optik her eindeutig als Besucherautos zu identifizieren gewesen seien, kontrolliert wurden, kann Alimi nicht nachvollziehen. 24 der 26 kontrollierten Fahrzeuge seien von Teilnehmern gewesen, so Reiner dazu.

Die Fahrt nach Hause wurde noch toleriert

Das Ergebnis der Kontrollen: „An elf Fahrzeugen wurden gravierende technische Veränderungen festgestellt, so dass deren Betriebserlaubnis erlosch“, heißt es im Polizeibericht. Bei drei dieser Fahrzeuge unterband die Polizei die Weiterfahrt, da eine Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer bestanden hätte.

Alimi bezeichnet die Ergebnisse als „Willkür vom Feinsten“. „Kleine Mängel, die nicht mal der TÜV beanstandet hat, zum Beispiel ein nicht eingetragener Endtopf“, hätten bereits dazu geführt, dass Teilnehmer nicht aufs Gelände gelassen wurden. Zudem wundert sich der Veranstalter, dass die Polizei Teilnehmer dazu aufgefordert hätte, nach Hause zu fahren, wenn ihr Auto doch anscheinend eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dargestellt hätte.

Warum die Polizei bei acht der elf Autos, deren Betriebserlaubnis im Zug der Kontrollen erloschen war, die Fahrt nach Hause tolerierte, begründet Reiner so: „Die Fahrzeugführer wurden angewiesen, ihr Fahrzeug auf direktem Weg aus dem Verkehr zu ziehen.“ Das heißt: In diesem Fall ist nur der direkte Weg nach Hause erlaubt – und weitere Fahrten laut Reiner nur, „wenn sie in direktem Zusammenhang mit der Erlangung einer neuen Betriebserlaubnis stehen.“

"Es wurden keine Handys beschlagnahmt."
Anke Reiner, stellvertretende Dienststellenleiterin Polizeiinspektion Ochsenfurt

Die Betriebserlaubnis eines Fahrzeugs erlischt immer dann, wenn Änderungen vorgenommen werden, durch die sich die genehmigte Fahrzeugart ändert, oder wenn durch die Änderung eine Gefährdung der Verkehrsteilnehmer zu erwarten ist bzw. das Abgas- oder Geräuschverhalten des Fahrzeugs verschlechtert wird, erklärt Reiner.

Tiefergelegt: Besucher schauen sich auf dem Giebelstädter Flugplatz-Gelände um - hier beim "Meet&Grill" im Mai 2018. Foto: Helmut Rienecker

Dass Fahrzeuge stillgelegt wurden, wie von Alimi beklagt, verneint Reiner: „Eine Stilllegung wird grundsätzlich von einer Straßenverkehrsbehörde vorgenommen, nicht aber von der Polizei." Stillgelegte Fahrzeuge dürften allerdings nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen.

Alimi kann die Dimension der Kontrollen nicht nachvollziehen. Sieben Stunden, von 10 bis 17 Uhr, hätten die Beamten vor dem Veranstaltungsgelände Fahrzeuge kontrolliert und die Teilnehmer des Treffens dabei teils „wie Schwerverbrecher“ behandelt. Ein Teilnehmer etwa empört sich auf Facebook darüber, dass seine Freundin und er ihre Handys hätten abgeben müssen, so dass die Fotoalben der beiden durchsucht werden konnten. Zwei Polizisten hätten sich im Nachhinein für das Verhalten ihrer Kollegen entschuldigt, so der Teilnehmer auf der Facebook-Fanseite von NEFCars.

"Todesstoß" für die Veranstaltung?

Laut Anke Reiner sind bei den Kontrollen keine Handys beschlagnahmt worden. Fahrzeuge seien zwischen 11 und 15 Uhr angehalten worden. Um 16 Uhr seien die Überprüfungen der letzten Fahrzeuge beendet gewesen.

Für Alimi, der auch von einem Sitzstreik von rund 100 Teilnehmern während der Kontrollen berichtet, bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Die Kosten für "Meet&Grill12"– unter anderem für die Platzmiete, das Team, das Bereitstellen von Feuerwehr und Rettungssanitätern, die Gaststättengenehmigungen – seien durch die Einnahmen nicht ansatzweise gedeckt worden. Neben dem finanziellen Verlust sieht Alimi auch das Image seiner Veranstaltung beschädigt: „Das war der Todesstoß“, befürchtet er.

Sich geschlagen geben will er jedoch nicht: Um das Minus ausgleichen zu können, plant er im kommenden Jahr eine Veranstaltung, die auf einem privaten Gelände stattfinden soll, das ihm kostenlos zur Verfügung gestellt wird. „Ich möchte die Treffen den Fans zuliebe nicht aufgeben“, sagt Alimi, der betont, dass das „Meet & Grill“ in der Szene europaweit einen guten Ruf und ein "friedliches Image" habe.

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