REGION WÜRZBURG

Kormoran: Der Jäger wird gejagt

Der Kormoran liebt Fisch. Das ärgert die Teichwirte. Sie wollen dem geschützten Tier an den Kragen. Vogelschützer wollen den Abschuss verhindern.
Vom Aal bis zur Äsche: 500 Gramm Fisch vertilgt ein Kormoran pro Tag. So löst es bei Teichwirten und Angelfischern keine Freude aus, wenn er an ihren Gewässern auftaucht.
Vom Aal bis zur Äsche: 500 Gramm Fisch vertilgt ein Kormoran pro Tag. So löst es bei Teichwirten und Angelfischern keine Freude aus, wenn er an ihren Gewässern auftaucht.

Lange war der Kormoran eine gefährdete Vogelart und selten geworden.

Jetzt ist er wieder häufiger am Main und anderen heimischen Gewässern zu sehen. Doch nicht jeder freut sich, wenn der unter Naturschutz stehende Fischliebhaber auftaucht. Vor allem die Fischereibetriebe könnten auf ihn verzichten.

Teichwirt Karl-Heinz Schlereth aus Veitshöchheim ist kein Freund von Kormoranen mehr. Im Herbst 2008 hat er einen Versuch gestartet. Weil ihm die Verluste an Fischen im Main, für den er Fischrecht hat, zu groß waren, setzte er kurzerhand welche im Schlossteich des Rokokogartens aus: „Ich dachte, dort wären sie geschützt, dort kommen die Kormorane nicht hin.“

Das war ein Irrtum. Als Schlereth den Bestand im Teich nach dem Winter kontrollierte, war von seinen Fischen fast nichts mehr übrig: „Die Kormorane saßen auf den Steinfiguren im Garten und schienen sich zu freuen“, so der Fischzüchter.



Er versuchte, die Vögel zu vertreiben – vergebens. Schlereth muss nicht zu 100 Prozent von der Fischzucht leben. Doch der Verlust von 6000 bis 7000 Euro trifft ihn doch sehr.

Von den Kormoranen kann auch Peter Wondrack ein Lied singen. Er ist Präsident des Fischereiverbandes Unterfranken, dem 9000 Angler und zwölf Teichwirte angehören: „Wir haben zurzeit 3000 Kormorane als Wintergäste hier. Die fressen täglich 1,5 Tonnen Fisch. Das halten die Fischbestände nicht aus“, sagt Wondrack.

Vor allem fließende Gewässer wie der Main seien betroffen – weil die stehenden noch zugefroren seien: „In manchen Flüssen und Bächen sind die Fische fast ausgerottet“, so der Vertreter des Fischereiverbandes. Im Frühjahr werde es an den Flüssen ein böses Erwachen geben, vor allem an der fränkischen Saale.

Zur Lösung des Kormoran-Problems setzt Wondrack auf die Jagd – und auf eine politische Lösung: Wir benötigen ein europäisches Kormoran-Management, das festlegt, wie viele dieser Vögel wir brauchen, damit die Art überlebt. Jetzt sind es jedenfalls zu viele.“

Marc Sitkewitz, Geschäftsstellenleiter des bayerischen Landesbunds für Vogelschutz (LBV) in Würzburg, sieht die Sache naturgemäß anders. Er sieht zwar auch...



...dass der Kormoran dem Fischbestand der Region – vor allem der Äsche – arg zusetzt.

Die Ausfälle bei den Teichwirten lägen bei 60 bis 70 Prozent. Zumal der Kormoran Fische nicht nur frisst, sondern sie verletzt liegen lässt. Verkaufen lassen sie sich dann nicht mehr.

Doch der Vogelschützer sagt auch, der Kormoran allein sei nicht das Hauptproblem: „Große Flüsse wie der Main sind durch Staustufen träge Gewässer geworden. Dort gibt es nicht mehr ausreichend Laichplätze und Versteckmöglichkeiten für die Fische.“ Die seien so leichte Beute für den Kormoran.

Schlafplatzzählungen haben ergeben, dass der Kormoranbestand in Unterfranken zuletzt gesunken ist: von 1922 im Winter 2003/04 bis auf 846 im vergangenen Winter. Das mag mit verstärkten Abschüssen zu tun haben. Allein von Oktober 2008 bis März 2009 waren es 888, mehr als 200 als im selben Zeitraum des Jahres zuvor und sogar 500 mehr als 2006/07.

Allerdings belegen bayernweite Zahlen, dass die zuletzt wieder gestiegenen Abschüsse die Kormoranpopulation nicht wesentlich schwächen. Offensichtlich rücken die Zugvögel in Abschussgebiete nach – bis sie diese leer gefressen haben.

Marc Sitkewitz hält vom systematischen Abschießen der Vögel nichts: „Dann müsste man europaweit 200 000 Kormorane umbringen, um den Bestand merklich zu reduzieren.“

Der Vogelschützer hält die von der Regierung von Unterfranken erlassene Allgemeinverfügung zum Abschuss der Kormorane für ausreichend. Laut dieser Ausnahmeregelung dürfen Kormorane grundsätzlich im Umkreis von 200 Metern um erwerbswirtschaftlich genutzte Teichanlagen und um Flüsse wie Main und Tauber getötet werden dürfen.

Nicht voll entwickelte Jungvögel dürfen ganzjährig, Altvögel bis 30. April geschossen werden. Selbst einzelne Natur- und Vogelschutzgebiete machen da keine Ausnahme. Sitkewitz fürchtet nun, dass bald auch im einzig großen unterfränkischen Brutgebiet des Kormorans in Garstadt wild abgeschossen werden darf.

LBV und Bund Naturschutz haben kurzerhand den Kormoran zum Vogel des Jahres 2010 erklärt – „keine Provokation, sondern eine Aufforderung zum Dialog, besonders an die Fischereiwirtschaft“, sagt Sitkewitz.

Bleibt die Frage, wer die Kormorane eigentlich abschießen soll. Die Jäger der Region zieren sich: „Wir helfen den Fischern, wo wir können. Aber eigentlich verstößt das gegen die Ethik der Jagd. Kormorane sind ja nicht verwertbar“, sagt Manfred Ländner, Kreisvorsitzender des Jagdverbandes Würzburg.

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