Würzburg

Krankhafte Tierliebe: Animal Hoarding in Würzburg

72 Kaninchen gingen auf einen Schlag beim Tierschutzverein Würzburg ein. Für das Tierheim ist die große Anzahl an geretteten Tieren ein Problem.
72 Kaninchen müssen jetzt im Tierheim in Würzburg durch den Winter gefüttert werden. Auf dem Bild zu sehen sind sechs der eingesammelten Nager.  Foto: Marius Flegler

Nur rund 30 Tage dauert es, bis ein trächtiges Kaninchen seinen Nachwuchs zur Welt bringt. Vier bis sechs Junge sind das im Schnitt. Können sich die Nagetiere ungehindert fortpflanzen, wächst eine Kaninchen-Familie rasant. Animal Hoarding, also Tierhortung, bezeichnet das krankhafte Sammeln und Halten von Tieren. Ein solcher Fall erreichte Anfang Dezember den Tierschutzverein Würzburg.   

Exakt 72 Kaninchen lebten in einer circa 50 bis 60 Quadratmeter großen Zwei-Zimmer Wohnung in Würzburg. Unter dem Bett, auf dem Sofa und sogar im Kühlschrank sollen sich die Nager breit gemacht haben. Ihr Besitzer hatte sich ursprünglich nur zwei von ihnen angeschafft, die Situation artete jedoch aus. Ein Freund des Tierhalters kontaktierte letztendlich das Tierheim und bat um Hilfe. Von 20 bis 25 Kaninchen sprach der Mann. 

Auf diese Situation war das Tierheim nicht vorbereitet 

Als zwei Tierpfleger die Wohnung betraten war schnell klar, dass bei der Anzahl der Tiere vorsichtig untertrieben wurde. 36 männliche und 36 weibliche Tiere fanden die beiden vor. "Von den weiblichen Tieren ist vermutlich die Hälfte trächtig", erklärt Maxim Jochim, Tierpfleger und Pressesprecher des Heimes. 

In mehreren dieser Boxen sind die Nagetiere vorerst untergebracht.  Foto: Marius Flegler

Der Tierpfleger erklärt außerdem, dass der Halter der Kaninchen seine Tiere sehr geliebt hat: "Als wir sie abholten, hat er sich von jedem Einzelnen verabschiedet." Die Kaninchen hätten es, bis auf deren Dominanz-Kämpfe aufgrund von Platzmangel, gut bei ihm gehabt. "Er war mit der Menge überfordert", sagt der Pfleger. Das habe der Tierhalter auch eingesehen. So war er nicht nur mit der Abgabe an das Tierheim einverstanden, sondern half den Pflegern auch noch dabei, die Kaninchen einzufangen und transportfertig zu machen.

Tierheim ist auf Spenden angewiesen

"Das können wir alleine nicht bewerkstelligen."
Maxim Jochim, Tierpfleger

Die Tiere wurden anschließend in die Kleintierquarantäne des Heims gebracht und dort tierärztlich untersucht und versorgt. Außerdem müssen sie kastriert werden, was einen zusätzlich finanziellen Aufwand für die Einrichtung bedeutet. Deshalb benötige das Team um Jochim dringend Spenden. Das können auch Sachspenden wie etwa Heu, Stroh, Kaninchenfutter aber auch frisches Gemüse sein, erklärt Jochim: "Das können wir alleine nicht bewerkstelligen." 

Spenden nimmt das Tierheim außer Montag und Donnerstag jederzeit von 14 bis 16 Uhr entgegen. Auch während des Christbaumverkaufs am kommenden Wochenende sei das möglich, sagt Maxim Jochim: "Wir sind um jede Spende dankbar." Zur Vermittlung seien die Kaninchen übrigens noch nicht freigegeben. Nachdem sie vollends aufgepäppelt und versorgt sind, sollten sie aufgrund ihres Sozialverhaltens mindestens in Paarhaltung übernommen werden, erklärt der Pfleger. 

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