Unterpleichfeld

Kreisbäuerin beklagt negatives Image der Tierhaltung

Landwirte und Politiker trafen sich zum politischen Stallgespräch beim Enten-Zuchtbetrieb Wild in Unterpleichfeld. Dabei blieb so manche Frage offen.
Zur Information und Diskussion trafen sich Bauern und Politiker am Entenstall der Familie Wild in Unterpleichfeld.
Zur Information und Diskussion trafen sich Bauern und Politiker am Entenstall der Familie Wild in Unterpleichfeld. Foto: Wilma Wolf

Um die Nutztierhaltung und um einiges andere ging es beim politischen Stallgespräch, zu dem sich Politiker, Vertreter des Bauernverbandes (BBV) und verschiedener Ämter im "Entenstall", dem Betriebsgelände von Martina und Wolfgang Wild in Unterpleichfeld, trafen.

Martina Wild, Kreisbäuerin im Landkreis Würzburg und Mitinhaberin des Betriebes, begrüßte unter anderem die Landtagsabgeordneten Patrick Friedl, Kerstin Celina (beide Bündnis 90/ Die Grünen), Manfred Ländner (CSU) und Volkmar Halbleib (SPD) sowie den unterfränkischen BBV-Präsidenten Stefan Köhler und Bezirksbäuerin Maria Hoßmann. Nutztierhaltung sei in Deutschland ein brisantes Thema und habe ein ganz negatives Image bekommen, stellte Wild fest. "Als Nutztierhalter fühle ich mich mit an den Pranger gestellt, gerade die Geflügelhaltung hat ein besonders schlechtes Image", meinte sie. Deshalb habe die Familie sich entschlossen, die Stalltüren zu öffnen - und auch deshalb, weil man mit den Menschen im Dialog bleiben wolle.

"Wir mästen hier Enten und dabei strengen wir uns schon seit Jahren an und ergreifen immer wieder Maßnahmen, um das Tierwohl zu erhöhen", betonte Wild. Hinter jedem Stall stehe eine bäuerliche Familie mit sehr viel Liebe zum Tier. Wenn man die Nutztierhaltung in Deutschland erhalten wolle, dann müsse man mit den Bauern reden und nicht über sie schimpfen. "Wir sind bereit für den Dialog und auch für Veränderung, aber mitgetragen von der Gesellschaft", erklärte die Kreisbäuerin, bevor ihr Mann Wolfgang die Betriebsabläufe vorstellte.

Aufwendige Aufzucht 

Vom Schwein auf die Ente kamen die Wilds im Jahr 2003 und bauten den "riesengroßen" Entenstall am Vogelswäldle. Da die Peking-Enten am Boden gehalten werden, bräuchten sie viel Platz, sehr viel Stroh und Zuwendung. Die Entenmast sei mit einem großen Arbeits- und Materialaufwand verbunden, erläuterte Wild. Denn die Enten werden auf Stroh gehalten und täglich frisch eingestreut. Deshalb brauche man ein sehr großes Strohlager. "So viel Stroh wie man rein gibt, so viel Mist kommt auch wieder raus", erklärte Wild. Dieser gehe in nahegelegene Betriebe im Austausch gegen neues Stroh.

Als frischgeschlüpfte Küken kommen die Tiere bei den Wilds in den Aufzuchtstall, wo sie es erst einmal "kuschelig warm" haben und eine besonders intensive Betreuung brauchen. Für angenehme Temperaturen sorgt die Abwärme aus einer benachbarten Biogasanlage. Drei Wochen bleiben die Jungtiere in der Aufzucht, dann wechseln sie in den Maststall und wachsen dort drei Wochen lang bis zur Schlachtreife.

"Hier braucht es die Ente nicht mehr so warm, dafür aber gute Luft und jeden Tag frisches Stroh", erklärte Wild weiter. Nach sechs Wochen werden die Tiere in den Schlachthof nach Wachenroth bei Schlüsselfeld gebracht, und der komplette Stall muss gereinigt, desinfiziert und neu eingestreut werden. Danach werden die "Kleinen" aus der Aufzucht in den Maststall umgesiedelt und dieser Stall muss gereinigt und frisch gemacht werden, bevor die nächsten Küken kommen. Eine Prozedur, die sich alle sechs Wochen wiederholt.

Keine Antwort von den Politikern 

Doch wie soll es mit der Tierhaltung in Deutschland weitergehen? Diese Frage stellte Wolfgang Wild beim anschließenden Arbeitsessen in Kürnach, bei dem es "Wildente" gab. Momentan sei der Druck auf die Landwirte in Deutschland sehr hoch und die Lage kritisch. "Man will günstige Lebensmittel haben, aber für die Produktion interessiert man sich nicht mehr", beklagte Martina Wild.

Dazu kämen immer mehr Vorschriften, die die Landwirte einhalten müssten, sagte BBV-Kreisobmann Michael Stolzenberger. "Wenn die Auflagen der neuen Düngeverordnung kommen, werden viele Viehhalter im Landkreis Würzburg aufhören", prognostizierte er. Das gebe wieder einen Riesen-Strukturwandel.

Die anschließende, teilweise recht emotionale Diskussion zwischen den Politikern und Landwirten beschäftigte sich großteils mit dem Volksbegehren "Rettet die Bienen". "Die Bienen haben uns lange genug beschäftigt", meinte Wolfgang Wild dazu und versuchte wieder zum Thema Tierhaltung zurück zu kehren. Denn den Tierhaltern brenne vieles unter den Nägeln. "Uns bricht der Markt weg, weil aus dem Osten sehr viel Geflügelfleisch auf den EU-Markt drängt", sagte er. Was die Politik da zu tun gedenke, wollte er wissen. Doch diese Frage wurde auch nach sehr ausführlicher Diskussion nicht beantwortet. Nur eines wurde deutlich: Man müsse auf sachlicher Ebene miteinander reden.

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