REGION WÜRZBURG

Kreistag beschließt professionelle Unterstützung für Asylhelfer

Herzlich willkommen: Flüchtlinge die in der Kirchheimer Turnhalle untergebracht sind besuchten den Kindergarten St.Michael, auf Einladung der Kindergartenkinder und deren Eltern. Damit solche Aktionen und Initiativen auch in Zukunft stattfinden sollen die ehrenamtlichen Helfer professionelle Unterstützung bekommen. Das hat der Kreistag beschlossen. Foto: Thomas Obermeier

Gemeinsam mit der Caritas will der Landkreis den ehrenamtlichen Asyl-Helferkreisen einen professionellen Ansprechpartner zur Seite stellen. Die Zustimmung für den Antrag, den SPD und Grüne im Kreistag eingebracht hatten, ist groß. Lediglich Republikaner-Sprecher Berthold Seifert wandte sich vehement dagegen und nutzte die Debatte im Kreistag zu einer Generalabrechnung mit der Asylpolitik.

Rund 600 Asylsuchende sind derzeit in dezentralen Unterkünften im Landkreis untergebracht. Hinzu kommen die drei Notunterkünfte, die Ende Juli kurzfristig in Greußenheim, Kirchheim und Rimpar eingerichtet wurden, um die Erstaufnahmestellen zu entlasten.

In nahezu allen betroffenen Gemeinden haben sich ehrenamtliche Helferkreise gegründet, die den Asylsuchenden dort unter die Arme greifen, wo die amtliche Fürsorge überfordert ist. Aus der Flüchtlingshilfe im Landkreis sind sie deshalb nicht mehr wegzudenken.

SPD und Grüne hatten beantragt, einen festen Ansprechpartner einzurichten, der die ehrenamtlichen Asylhelfer unterstützt. Er soll nicht nur für den Austausch von Informationen und Erfahrungen zwischen den Helferkreisen sorgen, sondern auch bei Problemen und Krisen vermitteln und unterstützen. Die ehrenamtliche Arbeit müsse fachlich begleitet werden. Sonst bestehe die Gefahr, dass das Engagement erlahmt.

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Der Caritasverband, der auch die Asylsozialberatung betreibt, hat sich bereit erklärt, diese Aufgabe zu übernehmen. Für den Zeitraum von zwei Jahren soll eine Sozialpädagogin oder ein Sozialpädagoge ausschließlich für die Belange der ehrenamtlichen Asylhelfer zur Verfügung stehen. Die Personalkosten teilen sich Landkreis und Caritas jeweils zur Hälfte.

In den Vorberatungen im Kreisausschuss hatte der Vorschlag einhellige Unterstützung gefunden. Im Kreistag unterstrich Karen Heußner (Grüne) den Bedarf. „Die zum Glück zahlreichen Helferkreise stoßen ständig an Fragen, bei denen ein Ansprechpartner nötig ist, der nicht schon mit anderen Aufgaben befasst ist“, so Heußner.

Verschärfte Debatte

Schärfe kam durch Republikaner-Kreisrat Berthold Seifert in die Debatte. „Bisher kann ich nur Maßnahmen erkennen, die zu einer Steigerung der Attraktivität des Landkreises für Asylbewerber führen“, so Seifert. Stattdessen forderte er die Kreisverwaltung auf, geltendes Recht bei der Abschiebung von Flüchtlingen schneller anzuwenden und bezog sich dabei unter anderem auf ähnliche Aussagen von CSU-Politikern.

Entsprechend empfindlich reagierte CSU-Fraktionschef Manfred Ländner: Die Asylpolitik sei eine Aufgabe auf Bundes- und Landesebene. Dem Landkreis komme lediglich die Pflicht zu, die ihm zugewiesenen Asylbewerber menschenwürdig unterzubringen und zu betreuen. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, so Ländner. Und an Seifert gewandt: „Es nützt nichts, wenn man die Dinge vermengt und eine dunkelbraune Soße unters Volk mischt.“

Auch SPD-Sprecher Volkmar Halbleib ging mit Seifert ins Gericht und warf ihm vor, die Asylsituation politisch ausschlachten zu wollen. Das wundere ihn nicht, weil Fremdenfeindlichkeit eine Grundkonstante der REP-Fraktion im Kreistag sei, so Halbleib. „Jenseits der politischen Diskussion müssen wir uns vor Ort um die Menschen kümmern, und diesen Auftrag nehmen wir ernst.“

Vertriebene als Gewinn

„Als historische Bewährungschance unserer Gesellschaft“ sieht Peter Wesselowsky das Flüchtlingsproblem. Der SPD-Kreisrat und ehemalige Bürgermeister von Ochsenfurt erinnerte an die eigene Flucht aus Böhmen, die ihn 1945 als Kind in den Ochsenfurter Gau geführt hat. Die Vertriebenen von damals seien zur Stütze des folgenden Wirtschaftswachstums geworden.

Am Ende einer emotionalen Debatte fiel die Entscheidung des Kreistags eindeutig aus. Nur die beiden REP-Kreisräte stimmten gegen die Betreuungsstelle für Asylhelfer.

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