WÜRZBURG

Künstler sucht das Naheliegende

Frohe Botschaft, tiefe Zweifel: Björn Hauschild stellt derzeit in der Dekanatskirche St. Stephan aus.
Frohe Botschaft, tiefe Zweifel: Björn Hauschild stellt derzeit in der Dekanatskirche St. Stephan aus. Foto: joachim fildhaut

Derzeit zeigt der Eisinger Künstler Björn Hauschild in der evangelischen Kirche St. Stephan seine Kunstausstellung „Wege zum Himmel“. Letztens gab er eine Führung für den Rotary-Club Würzburg.

Die 27 Werke, eins davon ein zehnteiliger Kreuzweg, wirken ebenso abstrakt wie gegenständlich. Oft erscheinen Gebirge, Wolken oder zerklüftete Landschaften aus der Vogelperspektive. Noch öfter sieht man dem Material – darunter auch Textilien und Hölzer – an, dass und wie es bearbeitet wurde. Da kommt rasch der Gedanke an den Künstler als Schöpfer auf, und damit der Gedanke an die Schöpfung.

Eine solche Betrachtung des Kosmischen übersieht leicht kleine Figürchen hier und dort. Dabei kommt es Björn Hauschild auf das Naheliegende, auf das reale Zwischenmenschliche ebenso an, wie auf das Heilsgeschehen. „Da war der Himmel offen“, sagt der 56-jährige gebürtige Westfale vor dem Motiv der Himmelsleiter: „Aber Jakob zeigt auf den Boden und sagt: Genau hier unten habe ich übernachtet.“

Oder, Neues Testament: An der Kreuzigung fällt für ihn die Gleichzeitigkeit „von Religionsstiftung und Alltag“ ins Gewicht: Jesus vollendet seine irdische Sendung, blickt dabei aber auch auf die Zurückgelassenen, die füreinander sorgen mögen: „Siehe dein Sohn, siehe deine Mutter.“

Der Künstler spricht nicht feierlich, er begeistert sich. Tiefe Themen fasst er in umgangssprachliche Wendungen – weil sie sich im Alltag geltend machen.

Aber ist es nicht vielleicht Überhebung, wenn er ein Gemälde mit Matthäus (28, 18) benennt „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“? Spricht er da von sich als Künstler? Nein, versichert Hauschild glaubhaft, für ihn ist es lediglich tröstlich, dass Gott eine solche Gewalt habe.

Für den Beruf des Kirchenmalers musste er sich nicht entscheiden. Dieses Thema, sagt er, sei „mein Leben, meine Triebfeder des Schaffens. Ohne diesen Inhalt wäre alles bloß dekorativ.“ Obwohl er durchaus „mit dem Glauben ringt“.

Da hat er die Theologie der Würzburger Dekanin Edda Weise auf seiner Seite, die über Paulus promovierte und bekennt, für sie habe „Glaube viel mit einem Ringen mit Gott zu tun“. An Hauschild, der ja in ihrer Dekanatskirche ausstellt, schätzt sie die Authentizität seines Tuns.

Ein Schwerpunkt der Begegnung mit den Mitgliedern des Würzburger Rotary-Clubs lag auf dem Kreuzweg, und das nicht nur wegen der gegenwärtigen Passionszeit. Björn Hauschild erweckte rasch ein tiefergehendes Interesse, weil er das alltägliche Geschehen der Glaubensphänomene so gut nahelegen kann. Ein Beispiel: „Ich werde beschuldigt und darf mich nicht verteidigen“ – das ist für ihn die erste Station des Kreuzwegs, und eine bekannte, quälende menschliche Empfindung im gesellschaftlichen Leben.

Einige traditionelle Situationen auf dem Weg zu Golgatha ließ der Künstler aus. Die Geschichte mit dem Schweißtuch der Veronika etwa ist ihm „zu anekdotisch“. Dafür nahm er die Auferstehung auf, denn: „Ohne Auferstehung wäre der ganze Kreuzweg umsonst.“

Die Ausstellung „Wege zum Himmel“ hängt bis 3. April in der Kirche St. Stephan, Wilhelm-Schwinn-Platz, 97070 Würzburg. Geöffnet tgl. 9-17 Uhr außerhalb der Gottesdienste und von Gemeindeveranstaltungen. Eintritt frei.

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