LENGFELD

Kurzzeit-Heimat für syrische Flüchtlinge

Die Kürnachtalhalle ist jetzt Notunterkunft für Flüchtlinge, hier wird gerade die letzte Waschmaschine angeschlossen.

Montagabend 18 Uhr: Rund um die Kürnachtalhalle herrscht scheinbar normaler Betrieb. Auf dem in die Abendsonne getauchten Sportplatz trainieren junge Fußballer in einer schattigen Ecke, Jogger ziehen ihre Kreise und auf dem Beach-Volleyballfeld pritschen und baggern Hobbysportler. Und doch ist etwas anders an diesem Abend: Auf den Parkplätzen rund um die Halle stehen zahlreiche Transportfahrzeuge des Roten Kreuzes, der Johanniter und Malteser. Noch ist der Innenraum der Sporthalle so gut wie leer.

Zwei Stunden später: 60 Helferinnen und Helfer der drei Organisationen haben die Halle zu einer Unterkunft für 200 Flüchtlinge umgebaut, die am Mittwoch und Donnerstag erwartet werden. Blaue und grüne Feldbetten sind aufgeschlagen, auf jedem Bett liegt eine Decke. Dazu ein paar Stühle. Die einzelnen Schlafkojen sind durch mit Planen bespannte Gitter voneinander abgeteilt, um ein Mindestmaß an Privatsphäre herzustellen.

Auch Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Sozialreferentin Hülya Düber und Thomas Stolzenberg, der im Sozialreferat die Flüchtlingsunterbringung koordiniert, waren nach Lengfeld gekommen, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Was sie zu sehen bekommen, ist das Bemühen, die Massenunterkunft so individuell wie irgendwie möglich zu gestalten. Die Halle ist in vier Segmente aufgeteilt. Schnell sind zwei Bereiche mit 40 bis 50 Betten entstanden, in der Mitte befinden sich jetzt zwei Abteilungen mit je 60 Betten. Aufgeteilt sind diese Einheiten jeweils in Dreier- bis Neunerkojen. Im Außenbereich sind lange Zugangswege ausgespart.

„Die Zeit langfristiger Planungen ist vorbei.“
Sozialreferentin Hülya Düber

An diesem Mittwoch sollen die ersten 100 bis 120 Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung in Lengfeld eintreffen. Angekündigt sind vor allem syrische Familien, darunter auch solche mit kleinen Kindern, erklärt Stolzenberg. Aber nachdem sich am Montagabend die Situation durch die Vorgänge in Budapest, Wien und München schlagartig verändert hat, kann es auch ganz anders kommen.

„Wir stellen uns jeden Tag neu auf die aktuelle Situation ein“, sagt Hülya Düber und fügt hinzu: „Die Zeit langfristiger Planungen ist vorbei“. Im Rathaus tagt daher jeden Tag die Gruppe TUF, das Team Unterbringung Flüchtlinge, unter der Federführung von Thomas Stolzenberg. Neben der Verwaltung sind auch die Hilfsdienste und weitere Beteiligte vertreten.

Im Vergleich zum Zelt in der Zellerau bietet die Kürnachtalhalle den Flüchtlingen eine Reihe von Vorteilen. Sie verfügt über ausreichend sanitäre Anlagen wie Toiletten, Duschen und Waschgelegenheiten für Frauen und Männer. Es gibt einen vom Schlafbereich in der Halle abgetrennten Aufenthaltsbereich, der mit Tischen und Bänken eingerichtet ist. Auch im Außenbereich sollen Gemeinschaftsflächen eingerichtet werden, wenn es das Wetter zulässt. Ein ganz besonderer Vorteil ist ein Schankbereich im Vorraum, an dem die Essensausgabe erfolgen kann. Eine Schiedsrichterkabine wird in ein Arztzimmer umfunktioniert, wo kleinere Untersuchungen und Behandlungen vorgenommen werden können.

Während die Halle bezugsfertig gemacht wird, treffen sich im Ökumenischen Zentrum diejenigen Lengfelder, die den neuen Lengfeldern auf Zeit ihre Hilfe anbieten wollen. Düber und Schuchardt sind angetan: Etwa 150 Personen haben sich eingefunden, um sich zu kleinen Gruppen zusammenzutun, die bei Reparaturen oder beim Einkaufen helfen wollen oder auch um den Weg zur Moschee zu zeigen.

Derweilen werden im Vorraum Pflanzen aufgestellt. Die Mitarbeiter des Sozialreferats haben an alles gedacht, um den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, freut sich der Oberbürgermeister und spricht allen Helfern seinen Dank aus, die quasi über Nacht aus einer Sporthalle ein Quartier für Flüchtlinge gemacht haben.

Beginn der Aufbauarbeiten am Montagabend.
Schnell und unkompliziert: Petra Amon bringt Spielzeug und Handtücher und ist „stolz auf die Hilfsbereitschaft meiner Lengfelder“.
sdfsdfSporthalle als Schlafstatt: Die Lengfelder Kürnachtalhalle ist jetzt Notunterkunft für Flüchtlinge.S: THERESA MÜLLER Foto: Foto

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