VEITSHÖCHHEIM/WÜRZBURG/SCHWEINFURT

Lackkratzer: Festgenommener in Psychiatrie eingeliefert

Lackkratzer: Wohnung des Tatverdächtigen durchsucht
Lackkratzer (Symbolfoto). Foto: iStockphoto

Der im Fall der Lackkratzer-Serie festgenommene 24-Jährige wurde am Freitag in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Nach aktuellem Kenntnisstand leide er an einer psychischen Erkrankung. Das teilten das Polizeipräsidium Unterfranken und die Staatsanwaltschaft Schweinfurt am Nachmittag mit. Vorher wurde der Student dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Ob es darüber hinaus ein Motiv gab, ob der 24-Jährige allein gehandelt hat und ob er sich inzwischen zu den Vorwürfen geäußert hat, dazu wollte ein Polizeisprecher mit Blick auf die laufenden Ermittlungen keine Angaben machen.

Gegen den jungen Mann besteht der dringende Tatverdacht, in der Nacht auf Donnerstag knapp 100 Fahrzeuge in Schweinfurt zerkratzt zu haben. Anwohnerin Lena Voll hatte ihn dabei beobachtet, wie er Motorhauben und Autotüren beschädigte

Das Medieninteresse an der jungen Frau war am Freitag groß. „Es war purer Zufall“, meint die Zeugin. „Ich bin gegen 3 Uhr aufgewacht und habe ein komisches kratzendes Geräusch gehört.“ Auf der gegenüberliegenden Straßenseite habe sie „so einen Typen“ gesehen, der zügig von Auto zu Auto ging und immer mit der gleichen Handbewegung einen Wagen nach dem anderen zerkratzte. Auch die beiden Autos von Lena Voll sind zerkratzt.

Großer Medienrummel: Lena Voll hat der Polizei den entscheidenden Hinweis auf den Autokratzer gegeben. Seitdem steht bei der jungen Schweinfurterin das Telefon nicht mehr still. Radio, Fernsehen und andere Medien wollen Interviews. Foto: Irene Spiegel

Gesamtschaden über zwei Millionen Euro

Nun hoffen Ermittler und Autofahrer in der Region, dass es sich bei dem Verdächtigen tatsächlich um den Lackkratzer handelt, der vor allem im Raum Würzburg seit Monaten hunderte Fahrzeuge beschädigt hat. Die bisherigen Ermittlungen erhärteten diesen Verdacht, heißt es nun. Dem jungen Mann wird derzeit Sachbeschädigung in über 1500 Fällen vorgeworfen. Gesamtschaden: rund zwei Millionen Euro.

Bereits am Donnerstag hatten Polizeibeamte die Wohnung des Studenten in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg) durchsucht. In dem Ort und einigen Nachbargemeinden war in den zurückliegenden Monaten der Schwerpunkt der Lackkratzer-Serie gelegen.

Wer zahlt den Schaden?

Den Opfern des Lackkratzers kann der Würzburger Anwalt Julian Pfeil nur wenig Hoffnung auf Entschädigung machen. Schließlich werde der Täter den hohen Schaden, den er verursacht hat, wohl niemals selbst begleichen können. „Die Teilkaskoversicherung zahlt solche Schäden auch nicht“, so der Verkehrsrechtler der Kanzlei Steinbock&Partner. Die Vollkaskoversicherung decke zwar Schäden, die durch „mut- oder böswillige Handlungen“ zustande gekommen seien, ab. Nimmt ein Geschädigter dies aber in Anspruch, steigen – üblicherweise – dessen Versicherungsbeiträge. Die könne man beim Täter wiederum geltend machen. Doch auch dann stelle sich das anzunehmende „Liquiditätsproblem“ des Lackkratzers.

Dennoch rät Pfeil zumindest Geschädigten mit einer Rechtsschutzversicherung, Ansprüche anzumelden und einen Titel zu erwirken – je schneller, desto besser. Denn wenn ein Gerichtsvollzieher etwas Pfändbares findet, bekämen Gläubiger, die zuerst Ansprüche angemeldet hätten, den ersten Zugriff. Dazu sei es wichtig, Beweise dafür zu sichern, dass ein Schaden tatsächlich mit der Lackkratzer-Serie in Zusammenhang steht. Hier könnte es laut Pfeil genügen, wenn die Polizei den Schaden dem Lackkratzer aufgrund der Spurenlage zuordnen kann.

Unterdessen werden die Ermittlungen noch „geraume Zeit in Anspruch nehmen“, hieß es. Auch bleibe ein psychiatrisches Gutachten abzuwarten.

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