Würzburg

Landkreis Würzburg setzt Zeichen gegen die Gewalt an  Frauen

Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen kam die Bundesvorsitzende von Terre des Femmes, Christa Stolle, ans Würzburger Landratsamt.  Was sie zu sagen hatte.
Signal gegen Gewalt an Frauen: Die Veranstaltung im Landratsamt (links Landrat Eberhard Nuß, rechts Gleichstellungsbeauftragte Carmen Schiller) lockte viele Besucher an.  Foto: Thomas Obermeier

Gewalt gegen Frauen ist auch heute noch allgegenwärtig. "Jede zweite bis dritte Frau erlebt mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt, oder beides", erklärte Würzburgs Landrat Eberhard Nuß bei einer gut besuchten Veranstaltung am Landratsamt zum Internationalen Gedenktag "Nein zu Gewalt an Frauen".   

Die Gewalt finde in der Mitte der Gesellschaft statt und habe viele Gesichter - von häuslicher Gewalt über die sexuelle Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz bis hin zu sexistischer Werbung, Kinderprostitution und Genitalverstümmelung. Trotz des erschreckenden Ausmaßes sei Gewalt gegen Frauen noch immer ein Tabu, stellte Nuß fest. "Nur jede fünfte Betroffene wendet sich an eine Beratungs- oder Unterstützungseinrichtung."

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Deshalb wolle das Landratsamt Solidarität mit den Opfern zeigen und die Fahnen hissen gegen körperliche und sexuelle Gewalt an Frauen. Unterstützung gab es dabei nicht nur von Mitgliedern des Kreis- und Bezirkstags. Auch Landtagsabgeordnete Kerstin Celina (Die Grünen) war gekommen  ebenso wie von geistlicher Seite Domkapitular Clemens Bieber. Schüler des Gymnasiums Veitshöchheim halfen beim Verteilen von Flyern und machten in ihren blauen Westen mit der Aufschrift "Frei leben - ohne Gewalt" auf die Frauenrechte aufmerksam. Ehrengast des Nachmittags war die Bundesvorsitzende der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes, Christa Stolle, die aus  Berlin angereist war.

Ausstellung zum Thema Zwangsheirat eröffnet

Der Landrat eröffnete zudem die Ausstellung "Mit dem Malstift gegen die geraubte Kindheit", die auf den Missstand der Zwangsheirat hinweist. "Es gibt sie leider immer noch, auch, wenn sie in den meisten Ländern dieser Erde gegen das Gesetz verstößt. In Deutschland ist die Zwangsheirat sogar ein eigener Straftatbestand" erklärte Nuß. Weltweit komme sie in allen Religionen und Schichten vor.  "Jedes Jahr werden circa 15 Millionen Mädchen unter 18 Jahren verheiratet," so Nuß. 

Die Fahnen am Landratsamt sind gehisst. Auch im Würzburger Rathaus wurden zum Gedenktag  Fahnen hochgezogen. Foto: Landratsamt Würzburg

Federführend organisiert hatte den Aktionstag die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Carmen Schiller. Die Ausstellung hatte sie mithilfe der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes von der Türkei nach Deutschland geholt. "Die Bilder wurden von Schülerinnen im Rahmen einer Aktion des Projekts 'Yaka-koop - Schutz vor Gewalt im Namen der Ehre' in Ostanatolien gemalt", so Schiller.   

Finger in die Wunde legen

"Ich freue mich, an diesem besonderen Tag hier zu sein", sagte die Bundesvorsitzende von Terre des Femmes Christa Stolle. Immer wieder gebe dieser Tag Anlass, den Finger in die Wunde zu legen, "die Wunde, dass weltweit Mädchen und Frauen Opfer von Gewalt sind". Terre des Femmes kümmere sich um diese geschlechtsspezifische Gewalt:"Wir wollen aufklären und sensibilisieren, beispielsweise in Schulprojekten. Und das nicht nur in Deutschland", sagte Stolle. So unterstützt und begleitet die Organisation Aufklärungs-Projekte im Ausland, eben auch dieses, aus dem die Kunstwerke stammen. "Wir setzen uns dafür ein, patriarchalische Strukturen zu überwinden und kämpfen für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben für alle Menschen weltweit."   

Nachdem die Fahnen gehisst waren - eine ähnliche Aktion gab es zum Gedenken auch im Würzburger Rathaus - führten Stolle und Schiller die zahlreichen Besucher durch die Ausstellung. Unter die Haut gingen die 21 Kunstwerke, die zeigen, wie mit einer Frühverheiratung die Kindheit der Mädchen abrupt endet.

Carmen Schiller (links) und die Bundesvorsitzende von Terre des Femmes, Christa Stolle (Mitte), führten die Besucher durch die Ausstellung im Landratsamt. Landrat Eberhard Nuß zeigte sich beeindruckt.  Foto: Thomas Obermeier

Das Thema geht alle an 

Ein Bild zeigt eine Braut, die in einem kleinen Boot in die schwarze Nacht hinausrudert - "einer dunklen und ungewissen Zukunft entgegen", so Stolle. Ein anderes zeigt ein Mädchen im Brautkleid auf einem hohen Bücherstapel, um den Hals eine Schlinge. Am rechten Rand sieht man den Fuß eines Mannes, der mit einem Tritt den Bücherstapel zum Kippen bringen könnte.    

"Oft müssen die Mädchen die Schule verlassen, um ein Leben mit geringen beruflichen oder persönlichen Perspektiven zu führen. Sie werden isoliert und vollständig vom Partner abhängig", erklärte Schiller. Dem Risiko von Gewalt und Missbrauch seien sie besonders ausgesetzt. Und: "Auch nach Deutschland werden Minderjährige verheiratet. Das Thema geht uns alle an." Die Besucher fühlten mit, fragten und diskutierten. 

Die Ausstellung ist vom 25. November bis zum 20. Dezember 2019 zu den Öffnungszeiten des Landratsamtes zu sehen (Haus 1, Foyer 1. OG), Montag bis Freitag von 7.30 bis 12 Uhr, Montag- und Donnerstagnachmittag von 14 bis 16.30 Uhr.

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen
Der "Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“ ist ein jährlicher Gedenktag am 25. November zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen. Seit 1981 organisieren Menschenrechtsorganisationen wie zum Beispiel Terre des Femmes an diesem Tag Veranstaltungen.
Der Aktionstag geht zurück auf den Fall der Schwestern Mirabel, die Mitglieder der Widerstandsorganisation "Bewegung des 14. Juni" waren und in der Dominikanischen Republik durch Militärangehörige des damaligen Diktators Rafael Trujillo verschleppt und schließlich ermordet wurden. 1981 wurde bei einem Treffen lateinamerikanischer und karibischer Feministinnen der 25. November zum Gedenktag der Opfer von Gewalt an Frauen ausgerufen.   
Die Städtegruppe Würzburg von Terre des Femmes unter der Leitung von Eva Lechner sucht Verstärkung. Wer Lust hat zu unterstützen, melde sich unter: wuerzburg@frauenrechte.de

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