Würzburg

Landrat Würzburg: So hat der Landkreis gewählt

Die Stichwahl wird zeigen, ob Thomas Eberth (CSU) oder Karen Heußner (Grüne) Landrat oder Landrätin wird. Wo haben sie abgeräumt, wo Stimmen liegen gelassen ?
Wer wird neuer Landrat im Landkreis Würzburg? Das wird die Stichwahl in zwei Wochen zeigen.
Wer wird neuer Landrat im Landkreis Würzburg? Das wird die Stichwahl in zwei Wochen zeigen. Foto: Gerhard Meißner

Am Ende war es eng: In die Stichwahl um das Amt des Landrats geht neben Thomas Eberth (CSU) die Kandidatin der Grünen Karen Heußner. Knapp auf Platz drei landete Felix von Zobel (FW-UWG). Die Wahlergebnisse zeigen deutlich, wo die Kandidaten den meisten Rückhalt haben – und wo sie bis zur Stichwahl vielleicht noch auf Stimmenfang gehen könnten.

Gab es einen Heimvorteil?

Vom Heimat-Bonus konnten die meisten Kandidaten profitieren: Thomas Eberth holte in Kürnach sein bestes Ergebnis mit 64,4 Prozent der Stimmen. Zu Hause in Thüngersheim ließ Karen Heußner alle anderen hinter sich und sicherte sich 54,3 Prozent. "Das ist ein sehr schönes Ergebnis, ich bin den Thüngersheimern wirklich dankbar", sagt Heußner am Montag. 

Felix von Zobel, beheimatet im Ochsenfurter Stadtteil Darstadt, holte hier die meisten Stimmen, 39,1 Prozent. Die zweite Ochsenfurterin, Simone Barrientos (Die Linke), erreichte dort ebenfalls ihr persönlich bestes Ergebnis mit 3,9 Prozent. Christine Haupt-Kreutzer (SPD) brachte es in ihrem Heimatort Margetshöchheim auf 32,5 Prozent, Gewinner war dort aber Eberth mit 34,9 Prozent.

Wo waren die Kandidaten der kleineren Parteien stark?

Olaf Stabrey brachte es für die AfD auf insgesamt 3,7 Prozent. Über fünf Prozent holte er in Kleinrinderfeld, Neubrunn und Riedenheim. Barrientos erreichte ihr Ziel, drei Prozent oder mehr, in Remlingen, Gerbrunn und Geroldshausen. Haupt-Kreutzer erzielte gute Ergebnisse in Erlabrunn, Kleinrinderfeld, Waldbüttelbrunn und Kist.

Wo haben Eberth und Heußner die meisten Stimmen bekommen?

Eberth hat rund um Kürnach viele Stimmen geholt, 52,2 Prozent zum Beispiel in Estenfeld, 60,4 in Prosselsheim und 56,7 Prozent in Oberpleichfeld. "Hier im nordöstlichen Landkreis hat sich wohl positiv herumgesprochen, was ich als Bürgermeister in Kürnach geleistet habe", vermutet er. Gute Ergebnisse erzielte er auch in Teilen des westlichen Landkreises: In Helmstadt kam er auf über 60 Prozent, in Neubrunn auf knapp 57.

Thomas Eberth hat starken Rückhalt im nordöstlichen Landkreis.
Thomas Eberth hat starken Rückhalt im nordöstlichen Landkreis. Foto: Thomas Obermeier

Besonders gute Ergebnisse hat Karen Heußner neben Thüngersheim auch in Veitshöchheim geholt, wo sie als Kulturreferentin bei der Gemeinde arbeitet, und in Gebrunn und Höchberg. Dort habe sie vom allgemeinen Aufwind ihrer Partei profitiert, sagt Heußner. "In der Stadt und den stadtnahen Gemeinden interessieren sich die Menschen für grüne Themen." Das zeigt wohl auch das gute Ergebnis der Grünen bei der Stadtratswahl.

Schwach schnitt Heußner im Ochsenfurter Gau ab: "Das ist eine eigene Welt mit eigenen Problemen. Offenbar haben die Menschen dort nicht den Eindruck gehabt, dass ich ihre Probleme lösen kann", sagt sie selbstkritisch.

Die Karte zeigt eine Auswahl der Orte, in denen die Kandidaten besonders gute Ergebnisse geholt haben: In schwarz markierten Ortschaften war Thomas Eberth stark, grüne Markierungen stehen für gute Ergebnisse von Karen Heußner, orange für Felix von Zobel.

Wo gibt es nun Stimmen zu holen?

Der südliche Landkreis könnte die Stichwahl nun entscheiden, denn besonders stark war dort, nicht überraschend, Felix von Zobel. Seine persönlich besten Ergebnisse mit über 40 Prozent erreichte er Gaukönigshofen und kleinen Orten wie Bieberehren, Sonderhofen und Riedenheim. In Ochsenfurt, Giebelstadt, Winterhausen und Sonderhofen holte er sogar mehr Stimmen als Eberth.

Eberth hofft nun, dass die Anhänger der Freien Wähler sich konservativ entscheiden und ihm ihre Stimmen geben. Von Zobel sagte jedoch schon am Sonntagabend auf Anfrage der Redaktion, er persönlich werde sich für Karen Heußner aussprechen. Am Montag bestätigte er: Der Vorstand der Freien Wähler und der Unabhängigen Wählergemeinschaft geben auch offiziell ihre Empfehlung für die Kandidatin der Grünen ab.

Er gratuliere Thomas Eberth zu seinem guten Wahlergebnis, so von Zobel. "Aber wir sind der Meinung, dass es im Landratsamt Zeit für einen politischen Wechsel ist." Ob sich der FW-UWG-Wähler an diesen Vorschlag hält? Das wird die Stichwahl zeigen. 

Wie wird der Wahlkampf in Zeiten von Corona aussehen?

Hände schütteln am Infostand wird in den nächsten Wochen wohl nicht möglich sein, zu hoch ist die Gefahr, dabei das Virus zu verbreiten. Heußner bedauert das: "Ich hätte gern den persönlichen Kontakt gesucht, aber die Gesundheit geht natürlich vor." Eine Wahlkampfstrategie will sie daher im Moment noch nicht festlegen: "Die Situation verändert sich schließlich stündlich."

Karen Heußner freut sich über Unterstützung von Freien Wählern und der Unabhängigen Wählergemeinschaft.
Karen Heußner freut sich über Unterstützung von Freien Wählern und der Unabhängigen Wählergemeinschaft. Foto: Thomas Obermeier

Thomas Eberth will vor allem auf neue Plakate und Online-Werbung setzen, über seine Homepage und die sozialen Medien. "Die Menschen müssen jetzt erst ihren neuen Alltag organisieren, für Wahlkampf ist da kaum Platz", sagt er.

Beide sind besorgt, dass die Wahlbeteiligung durch die Aufregung um das Coronavirus dramatisch sinken könnte. Eberth: "Wie diese Wahl ausgeht, ist wirklich unvorhersehbar."

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