GAUKÖNIGSHOFEN

Landwirte suchen den Dialog mit dem Verbraucher

Ein Johnny im Dunkeln ... Foto: Wilma Wolf

Kennen Sie Kartoffeln aus Bodenhaltung? Oder Tomaten aus Anbindehaltung? Ganz schön schräg, oder? „Wir können auch mit Humor punkten“, sagt Bauer Willi, wenn es um kreative Kommunikation mit dem Verbraucher geht.

Und um die geht es beim Bauerntag des bayerischen Bauernverbandes (BBV) Würzburg in Gaukönigshofen. Das Haus der Jugend ist gut besucht: Rund 200 Landwirte und Ehrengäste, darunter auch zahlreiche Politiker, sind gekommen. Gespannt hören sie dem Rheinländer zu. Den ganzen Abend dreht sich alles um das Thema Öffentlichkeitsarbeit.

Bevölkerung für Landwirtschaft begeistern

Die werde in den nächsten Jahren neben vielen anderen aktuellen Herausforderungen ein wichtiges Thema für die Bauern werden, meint auch BBV-Kreisobmann Michael Stolzenberger: „Wir müssen aktiv mit der Bevölkerung reden und sie wieder für die Landwirtschaft begeistern.“ Sei es am Feldrand oder auch Sonntag früh beim Frühschoppen.

Wenn die Leute aus der Stadt nicht zu uns kommen, dann müssen wir eben in die Stadt gehen, meint er. Und den Dialog suchen mit dem Verbraucher. Vor allem im Alltag. Denn auch mit kleinen Stellschrauben lasse sich viel bewegen.

Aktiv fürs Image arbeiten

Und während draußen im Dunkeln der regnerischen Nacht ein grün-gelber 240 PS starker „Johnny“ das technische Image der modernen Landwirtschaft symbolisiert, spricht Dr. Willi Kremer-Schillings, alias Bauer Willi, von der verloren gegangenen Akzeptanz der Landwirtschaft in der Gesellschaft. „Unsere Mitbürger mögen zwar die Bauern, aber nicht die Landwirtschaft, die sie betreiben“, sagt er.

Doch den Kopf in den Sand stecken, jammern und nichts tun wäre völlig verkehrt. Stattdessen geht sein Appell an die Berufskollegen: „Wir müssen uns mit der an uns gerichteten Kritik auseinandersetzen. An unserem Image können wir nur etwas ändern, wenn wir aktiv auf unsere Mitbürger zugehen“, meint er. Denn wenn die Agrarbranche nicht aktiv wird, werde sie noch mehr Gesetze und Vorschriften zu spüren bekommen.

Mit Humor die Kritiker überzeugen

Was also tun, um den Spagat von der Nachhaltigkeit über die Wettbewerbsfähigkeit hin zur gesellschaftlichen Akzeptanz hin zu bekommen? Der promovierte Landwirt und Buchautor, inzwischen durch Funk und Fernsehen bestens bekannt, zeigt den Zuhörern in kurzweiligen 90 Minuten zahlreiche Möglichkeiten auf. Vom einfachen Brief an die direkten Nachbarn, mit dem für ihn alles begann, bis hin zur eigenen Homepage und Facebook-Seite.

„Unsere Grundhaltung muss sich ändern. Wir sind Unternehmer, also unternehmen wir etwas und warten nicht auf andere“, fordert er seine Mitstreiter auf. Aber nicht Verteidigung und endlose Diskussionen sind hier das Mittel der Wahl, sondern die Kunst, die Kritiker zum Nachdenken anzuregen. Mit Humor und ungewöhnlichen Slogan. Und mit Ehrlichkeit.

Bayerische Bauern zeigen Flagge

Denn, wer anders denkt, sei kein Idiot. Er habe sich nur eine andere Wirklichkeit konstruiert. Wichtig sei, die Leute emotional zu erreichen. Das Herz anzusprechen, nicht den Verstand. „Fakten bringen uns nicht immer weiter“, sagt Bauer Willi. Und am Ende gibt er dem Publikum drei Botschaften mit auf den Weg: Wer neue Ufer erreichen will, muss den Hafen verlassen. Auf einem schwankenden Schiff fällt nur der nicht um, der sich bewegt. Und es kommt nicht darauf an, woher der Wind weht, sondern darauf, wie wir unsere Segel setzen.

Segel setzen und Flagge zeigen: Der Verein „Unsere bayerischen Bauern“ tut dies seit über einem Jahr mit der gleichnamigen Kampagne. Dahinter steht eine Interessengemeinschaft von Organisationen aus allen Bereichen der bayerischen Land- und Forstwirtschaft, der Fischerei und von landwirtschaftlichen Unternehmen, unter anderem der BBV.

Kommunikation über alle Kanäle

„Bayern geht damit eigene Wege und versucht, auf sympathische Art und Weise, den Verbraucher für sich zu gewinnen“, erläutert Geschäftsführerin Eva-Maria Haas. Eine Kampagne mit positiver Kommunikation über alle verfügbaren Kommunikationskanäle – von der Homepage, über Radiospots und redaktionelle Beiträge bis hin zu Bannern, Plakatwerbung und Porträts von Landwirtinnen und Landwirten. Mit vielen kleinen Maßnahmen, die wenig Geld kosten, aber effektiv sind, soll das Image der Landwirtschaft aufgebessert werden.

Am Ende des Bauerntages stehen dann noch Landrat Eberhard Nuß, die Bundestagsabgeordneten Paul Lehrieder (CSU) und Andrew Ullmann (FDP), der Landtagsabgeordnete Volkmar Halblaib (SPD) sowie BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler den Bauern Rede und Antwort. Dabei geht es vor allem um aktuelle Entwicklungen in der Politik.

Kritik am Handel

Dass Halblaib und Lehrieder dabei fast freundschaftlich nebeneinander stehen, könnte der eine oder andere als positives Zeichen für eine große Koalition deuten. Das letzte Wort hier aber hat Bauer Willi: „Ich weiß nicht, ob Sie das wissen, aber die neuen NGOs heißen nicht Greenpeace oder Foodwatch, sondern Aldi, Lidl, Rewe und Edeka.“

Das seien viel gefährlichere Nichtregierungsorganisationen, die mit Regelungen an die Landwirte herantreten, die weit unterhalb gesetzlicher Normen sind. Er frage sich, warum es überhaupt noch Politiker und Wissenschaftler gebe, die Grenzwerte festlegen, wenn der Handel sich nicht daran hält.

Weitere Infos unter www.bauerwilli.com und www.unsere-bauern.de. Buchtipp: „Sauerei: Bauer Willi über billiges Essen und unsere Macht als Verbraucher“, Piper-Verlag, 3. Auflage 2016
Eva-Maria Haas, Bauer Willi, BBV-Kreisobmann Michael Stolzenberger und BBV-Kreisgeschäftsführer Elmar Konrad (von links)... Foto: Wilma Wolf
Elmar Konrad bedankt sich bei Ortsbäuerin Rita Michel für die Vorbereitung des Kreisbauerntages. Foto: Wilma Wolf

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