MOOS

„Ledo“ mit Kunstharz übergossen

„Ledo“ mit Kunstharz übergossen

David Ramkes ganzer Stolz heißt „Ledo“, hat 280 PS, ein ledernes Interieur, glänzende Felgen – und einen komplett verkratzten Lack. Denn irgend jemand hat in einer nächtlichen Aktion versucht, Ramkes jahrelange, kostspielige Arbeit an diesem Auto mit ein paar Handgriffen zu zerstören.

Der Unbekannte hat es fast geschafft: Mit Zwei-Komponenten-Kunstharz, ein sehr schnell sehr fest werdender Kunststoff, hat er den getunten Seat Toledo in der Nacht auf Karfreitag übergossen. Dabei stand das Auto vermeintlich sicher geparkt in der Garageneinfahrt vor dem Wohnhaus seines Besitzers in Moos bei Geroldshausen.

Sand ins Harz

Um den Schaden perfekt zu machen, hat der Täter im Anschluss auch noch Sand auf das noch leicht flüssige Harz gekippt – und um den runter zu bekommen, musste David Ramke bis aufs Blech schleifen. Das langsam erstarrende Flüssigharz war in alle Ritzen gelaufen, hat so gut wie jede Dichtung verstopft, eine Tür ging von außen nicht mehr auf. Das Harz wird normalerweise in der KFZ-Branche benutzt, um beispielsweise Karosserieformen zu gießen und fest zu machen oder in der Baubranche, um Fußböden zu versiegeln, so hart ist es.

Das alles wieder zu reparieren, eine komplett neue Lackierung aufzubauen, „das wird so um die 8000 Euro kosten“, vermutete der 23-Jährige. Sparen fürs Auto ist der gelernte Drucker zwar gewohnt – „ich habe die letzten Jahre alles zurückgelegt, was ging, damit ich mir immer mal wieder ein neues Bauteil anschaffen konnte“ – eigentlich hatte er jetzt aber auf ein Zusatzbauteil gespart, das die Leistung des Motors noch mal verstärkt.

„Das war mit Sicherheit jemand, der genau weiß, was er machen muss, damit es richtig weh tut“, sagt David Ramke. Jemand, der sich mit Autos nicht auskennt, der würde vielleicht die Reifen zerstechen oder mit einem Schlüssel die Seite zerkratzen. Jemand der weiß, wie aufwendig eine auf mehreren Schichten aufbauende Lackierung ist, und wie viel der ausgehärtete Kunststoff in der Sand-Kombination ausmacht, der muss sich auskennen. „Mir würde spontan kaum etwas einfallen, wie man einem Auto von außen mehr und gravierender Schaden könnte“, sagt Ramke.

„Ich schätze, dass es jemand aus der Szene war,“ vermutet der 23-Jährige. „Die Szene“, damit meint er die Tuner. An Autos schrauben, fachsimpeln, sich mit den auf Hochglanz polierten fahrbaren Untersätzen zu Wettbewerben treffen – das gehört in diese Szene. Und vielleicht auch Neid.

Denn auf den Autotreffen war Ledo in den letzten anderthalb Jahren ein heimlicher Star gewesen. Er hat fast immer in der Kategorie „Seat“ abgesahnt, den Preis als schönstes und am besten getuntes Auto bekommen. „Vielleicht war jemand neidisch“, sagt Ramke. Er zuckt mit den Schultern und schaut traurig auf die Bilder von Ledo in besseren Zeiten: „Feinde habe ich jedenfalls keine. Ich dachte eigentlich, ich kenne niemanden der so was macht.“

Dass sein Ledo so angegangen wurde, das nimmt ihn auch emotional mit. Für Tuner wie ihn ist das Auto mehr, als ein Fahrzeug: Man verbringt seine ganze Freizeit, Wochenenden und Urlaube, mit dem Auto, liest sich in Umbaubeschreibungen ein, recherchiert lange im Internet – und lernt auf den Autotreffen nicht zuletzt auch einfach viele neue Freunde kennen.

Ob einer von seinen Autofreunden der Täter ist – David Ramke weiß es nicht. Für ihn ist aber klar: Der Täter muss gefunden und angezeigt werden. Deswegen bekommt derjenige, der ihm, beziehungsweise der Polizei den entscheidenden Hinweis gibt, der zur Überführung des Täters führt, auch eine Belohnung von 1000 Euro von Ramke.

Teures Hobby

Bis dahin wird er das tun müssen, was er bislang ohnehin fast jedes Wochenenden getan hat: An Ledo schrauben, polieren, lackieren. Seit vier Jahren arbeitet er mittlerweile an dem guten Stück. „Eigentlich ist er so seit einem, eineinhalb Jahren fertig – aber mir ist immer wieder was eingefallen, was man noch daran machen könnte“, erzählt David Ramke.

25 000 Euro hat er bislang in die Umbauarbeiten am Auto gesteckt, jetzt kommen rund 8000 für die Reparaturen hinzu. Finanziell schmerzt der Schaden also auch.

Zweitauto

Nur in einer Hinsicht hatte David Ramke Glück im Unglück: Er kann mit seinem Zweitauto, einem sparsamen Diesel, zur Arbeit nach Würzburg fahren. Ledo ist nur das Wochenend-Auto. Kein Wunder, bei einem Verbrauch von 18 Litern Superplus-Benzin auf 100 Kilometern.

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