Veitshöchheim

Legionellen-Alarm im Berufsförderungswerk in Veitshöchheim

Helle Aufregung im Berufsförderungswerk Würzburg (BFW): Im Leitungswasser ist eine erhöhte Konzentration an Legionellen entdeckt worden. Wie gefährlich ist das?
Legionellen sind Bakterien, die über feuchte Luft, etwa beim Duschen, eingeatmet werden können. Bei abwehrgeschwächten Personen können sie schwere Entzündungen in der Lunge hervorrufen.
Legionellen sind Bakterien, die über feuchte Luft, etwa beim Duschen, eingeatmet werden können. Bei abwehrgeschwächten Personen können sie schwere Entzündungen in der Lunge hervorrufen. Foto: Foto: Getty Images/iStockphoto

Die Bewohner des Berufsförderungswerks Würzburg (BFW) sind besorgt. Im Leitungswasser der Einrichtung ist eine erhöhte Konzentration an Legionellen nachgewiesen worden. Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die über feuchte Luft, etwa beim Duschen, eingeatmet werden, teilweise schwere Lungenschäden verursachen können und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Im BFW in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg) wohnen blinde und sehbehinderte Erwachsene, die sich nach einem Unfall oder einer Krankheit beruflich neu orientieren. In drei der 200 Zimmer der überregionalen Einrichtung ist der gesetzlich erlaubte Grenzwert überschritten worden.

Entdeckt wurde der erhöhte Befund bereits am 30. Oktober, als der Betreiber des BFW das Wasser untersuchen ließ. Seitdem sind viele Bewohner in heller Aufregung. Geschäftsführer Karsten Hohler kann die Sorge gut verstehen, versucht aber, die 110 Mitarbeiter und 210 Bewohner zu beruhigen. Man habe unverzüglich gehandelt und alle sofort informiert. Von den betroffenen drei Zimmern seien zwei belegt gewesen. Deren Bewohner seien in andere Zimmer umquartiert worden. Laut Gesundheitsamt war diese Vorsichtsmaßnahme nicht nötig, da die Überschreitung der Grenzwerte nicht so hoch war, dass eine akute Gesundheitsgefahr vorgelegen hätte.

Alle Leitungen wurden gespült, der Chlorwert in der Beimischanlage des Gebäudes erhöht, weitere Wasserproben genommen und eine externe Firma damit beauftragt, der Ursache der Legionellen auf den Grund zu gehen. Bislang sind dem Gesundheitsamt keine Krankheitsfälle im BFW bekannt. Allerdings sollten Bewohner, die grippeähnliche Symptome zeigen, den Arzt auf den Legionellen-Fund hinweisen, um im Zweifelsfall das richtige Antibiotikum verschrieben zu bekommen. 

Rostiges Wasser aus der Leitung?

Weil sich Bewohner schon vor einiger Zeit über "rostiges, dunkelbraunes Wasser aus der Leitung" beschwert hatten, ließ das Gesundheitsamt bereits im September das Wasser im BFW prüfen. Der aktuellste Test im November zeigte keinerlei chemische oder bakteriologische Verunreinigungen. Man vermute, dass Reparaturarbeiten die Trübung verursacht haben, so das Gesundheitsamt. Die Bewohner sollten das Wasser erst ablaufen lassen, bis es klar wird, sagt BFW-Geschäftsführer Karsten Hohler. Blinde sollten sich dabei helfen lassen.

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die in die Lunge gelangen können. 
Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die in die Lunge gelangen können.  Foto: Thinkstock

Legionellen, eine Gefahr für die Gesundheit?

Welche Gesundheitsgefahr von Legionellen ausgeht, erklären Ulrich Vogel, Professor für Krankenhaushygiene der Universität Würzburg, Dr. Martin Preuß, Leiter der Abteilung Mikrobiologie eines Trinkwasserlabors in Schonungen sowie Experten des Gesundheitsamtes Würzburg:

Wie gefährlich sind Legionellen?

Legionellen sind Bakterien, die im Grundwasser vorkommen. In geringer Konzentration gelten sie als harmlos. Sie vermehren sich im Warmwasserbereich von Hausinstallationen, wenn die Temperatur nicht ausreichend hoch ist oder in älteren Leitungen, in denen das Wasser längere Zeit steht. In hoher Konzentration können sie dem Menschen gefährlich werden. Bei einer Überschreitung der Grenzwerte, mehr als 100 koloniebildende Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter, muss gehandelt werden.

Wie steckt man sich an?

Menschen können die Bakterien über feuchte Luft, etwa beim Duschen, einatmen. Gelangen die Bakterien in die Lunge, können sie eine schwere Entzündung auslösen. Gesunde junge Menschen erkranken selten an Legionellen. Ältere Menschen sind gefährdeter, vor allem Menschen mit Immunabwehrschwäche oder Lungenproblemen. In leichten Fällen verläuft die Erkrankung wie ein grippaler Infekt. Im schlimmsten Fall müssen die Patienten intensivmedizinisch betreut und ihr Blut muss außerhalb der Lunge mit Sauerstoff versorgt werden. Die Sterblichkeit der Legionärskrankheit liegt bei zehn Prozent. Patienten werden mit Antibiotika behandelt. In Deutschland werden 600 bis 800 Krankheitsfälle pro Jahr gemeldet.

Stimmt etwas mit dem Gebäude nicht, wenn Legionellen auftreten?

Laut der deutschen Trinkwasserverordnung ist eine erhöhte Legionellen-Konzentration ein Zeichen dafür, dass etwas mit der Hausinstallation nicht stimmt. Wasserleitungen müssen gespült werden, damit sie nicht verkeimen. Steht Wasser, wird es gammelig. Es kann aber auch sein, dass das warme Wasser im Haus schlecht verteilt wird und auf dem Weg abkühlt, dass eine Pumpe defekt ist oder zu niedrige Temperaturen im Boiler vorherrschen. Auf der sicheren Seite ist man erst ab 60 Grad Celsius.

Was kann man gegen Legionellen tun?

Das hängt vom Fall ab: Wird das Wasser stark erhitzt, können sich Menschen beim Duschen verbrühen. Manchmal reicht es, die Leitungen kräftig zu spülen, mobile Chloranlagen aufzustellen oder bakteriendichte Filter an den Duschköpfen anzubringen. Bei Altbauten mit verwinkelter Wasserinstallation hilft oft nur, die Wasserleitungen zu erneuern. In jedem Fall verlangt das Gesundheitsamt eine Ortsbegehung, einen Ursachenbericht und einen Maßnahmeplan.

Wann ist Gefahr in Verzug?

Werden mehr als 10.000 Legionellen (KBE) pro 100 Milliliter Wasser gemessen, kann ein Duschverbot sicherstellen, dass sich niemand ansteckt. Schon die Trinkwasserverordnung 2001 fordert jährliche Tests auf Legionellen in der Hausinstallation von Kindergärten, Altenheimen oder Schulen. Seit 2011 sind auch Betreiber großer Mietshäuser, die ein bestimmtes Volumen an Warmwasser verteilen, zu regelmäßigen Untersuchungen verpflichtet. Seit 2018 müssen neben den Inhabern der Anlage auch die Trinkwasserlabore, die das Wasser prüfen, entsprechende Fälle dem Gesundheitsamt melden.

Wie oft werden die Grenzwerte für Legionellen überschritten?

Allein im Jahr 2018 wurden dem Gesundheitsamt Würzburg 120 Großanlagen gemeldet, in denen die Grenzwerte für Legionellen überschritten waren. Als Großanlage gilt jedes Gebäude, das über einen mindestens 400 Liter fassenden Trinkwassertank verfügt oder wenigstens eine Rohrleitung mit einem Volumen von mehr als drei Litern hat - vorausgesetzt, das Wasser wird vernebelt, etwa weil es eine Dusche gibt. Ein- und Zweifamilienhäuser sind davon ausgeschlossen. Bei neun der 120 Fälle lag eine extrem hohe Kontamination (>10.000 KBE/100 ml) vor. Auch in mehreren Würzburger Kliniken wurden in den vergangenen drei Jahren Legionellen-Grenzwerte überschritten, allerdings nie in Hochrisikobereichen wie OP, Intensivstationen oder Notaufnahmen, so das Gesundheitsamt.

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