WÜRZBURG

Letzter großer Beifall für Bernhard Stengele

Herzliche Umarmung: Bernhard Stengele hatte nach seiner Abschiedsvorstellung viele Freunde und Wegbegleiter zu drücken. Foto: THERESA MÜLLER

Bernhard Stengele, der Schauspieldirektor des Mainfranken Theaters, hat sich mit einer fulminanten Vorstellung von seinem Würzburger Publikum verabschiedet. Mit seinem Balladenprogramm „Sie haben nämlich Entenfüße“ zeigte er am Donnerstag noch einmal, welch ein großer Rezitator er ist. Überraschend fürs Publikum, aber abgesprochen mit ihm, kam wenige Minuten nach Beginn der Aufführung Intendant Hermann Schneider auf die Bühne, um seinen Schauspieldirektor zu verabschieden.

Insider berichten, die beiden seien in den vergangenen Monaten, trotz großer Differenzen wegen der Zukunft des Theaters, stilvoll miteinander umgegangen. So taten sie es auch an Stengeles (vorläufig) letztem Theaterabend in Würzburg. Schneider verzichtete auf das obligatorische Zeremoniell. Er sprach kurz – fünf Bühnenmeter lagen zwischen den beiden – und wirkte bewegt und aufrichtig, als er Stengele dankte für acht Jahre mit „guten Gesprächen“, „vielen Gemeinsamkeiten“ und Meinungsverschiedenheiten. Er habe viel gelernt.

Stengele dankte seinerseits. Keines seiner großen Projekte hätte er umsetzen können ohne die Unterstützung des Intendanten. Dann ging Schneider ab und verließ das Theater, fort zu einem anderen Termin.

Etwa zweieinhalb Stunden lang rezitierte und sang Stengele, begleitet vom kongenialen Pianisten Paul Amrod. Sein Finale: Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ („Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden . . . / Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“) und die Geschichte vom fliegenden Robert aus dem Struwwelpeter. Da schien eine bemerkenswerte, große Sehnsucht nach Aufbruch und Weite auf – eine Sehnsucht, die viele Würzburger nach Stengeles Abschied womöglich noch stärker spüren als jetzt schon.

Was die Rathaus-Spitze versäumte, nämlich die würdige Verabschiedung des Theatermanns, der den Würzburger Horizont geweitet hat, das übernahmen Bürgerchor und Publikum: großer Applaus für Stengele. Der Schauspieldirektor war überwältigt; er weinte. Danach erzählte er, ihm sei ein bisschen sentimental zumute gewesen, aber dieses Gefühl sei nicht größer gewesen „als das Wohlgefühl im Augenblick“.

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