PROSSELSHEIM

Liegt Munition unter der Straße?

Die Siedlungsstraße in Seligenstadt ist in einem desolaten Zustand und soll saniert werden. Zuvor aber muss geklärt werden, ob und wieviel Munition sich darunter befindet. Foto: Rainer Weis

Rund zwei Kilometer vor Prosselsheim – auf der Staatsstraße 2260 von Kürnach kommend Richtung Volkach – liegt vor dem Bahnübergang auf der rechten Seite der Ortsteil Seligenstadt mit Bahnhof, Gutshof, KWS-Versuchsanstalt und einer Siedlung. Die Siedlung hat eine bewegte Vergangenheit.

In der Chronik von Christiane Demel steht unter „Lager“ Seligenstadt: Auf der Ebene zwischen Seligenstadt und Kürnach, auf einer Fläche von 100 Hektar, begannen 1935 die Bauarbeiten zur Anlage eines Flugplatzes der Deutschen Luftwaffe. Die Lage war deshalb ideal, da sie an der Bahnstrecke Würzburg-Seligenstadt lag.

Beim Bau der Anlage entstand gegenüber auf der nördlichen Seite des Bahnhofsgebäudes auch ein Barackenlager für das Personal des Fliegerhorstes. Zum Schutz der Anlage wurde im Gutshof Seligenstadt eine Fliegerabwehreinheit stationiert. 1942 beantragte der damalige Kommandeur eine Personalaufstockung von 600 auf 2000 Soldaten. In den darauf folgenden Jahren wurden große, teilweise unterirdische Treibstoff- und Munitionslager angelegt. Zwei Wochen, nachdem Würzburg bombardiert wurde, nahmen sich auch alliierte Flugzeuge das Lager vor. Der damalige Kommandant ließ daraufhin die Treibstoff- und Munitionslager sprengen.

Bei diesen Flugzeugangriffen wurden große Mengen an Sprengkörpern eingesetzt, sodass auch heute noch bei Feldarbeiten rund um das Lager Luftminen, aber auch Granaten gefunden werden.

1955 wurden auf Betreiben der Siedlungswilligen die Baracken nach und nach durch feste Wohnhäuser ersetzt und entlang einer neu angelegten Straße entstanden schmucke Häuser. Doch auch hier hat mittlerweile der Zahn der Zeit genagt – die Straße ist marode. Der Gemeinderat beschloss daher, diese Straße komplett zu sanieren. Allerdings kann heute niemand sagen, ob und wieviel Munition noch im Boden liegt. Deshalb hat der Rat das Angebot des Büros HRS, Unterhaching, in Höhe von brutto 714 Euro angenommen und die Firma beauftragt, eine Kampfmittel-Vorerkundung vorzunehmen.

Ebenso hat der Rat beschlossen, dass vor der Sanierung der Straße ein Beweissicherungs-Verfahren durch das Büro Henneberger zum Preis von 1730 Euro durchgeführt wird.

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