OCHSENFURT/LEIPZIG

Linke: Warum Simone Barrientos kein Mitleid mit der SPD hat

Simone Barrientos, Bundestagabgeordnete aus Ochsenfurt, kandidiert für den Bundesvorstand der Linken.
Simone Barrientos, Bundestagabgeordnete aus Ochsenfurt, kandidiert für den Bundesvorstand der Linken. Foto: Pat Christ

Von der Schwäche der SPD profitiert die Linkspartei aktuell nur wenig. Viel zu sehr bestimmen personelle Grabenkämpfe, allen voran zwischen Parteichefin Katja Kipping und Fraktionsvorsitzender Sarah Wagenknecht, die öffentliche Debatte. Geht es nach Simone Barrientos, muss sich das schleunigst ändern.

Seit Oktober ist die Verlegerin („Kulturmaschinen“) Mitglied des Bundestags. Beim Parteitag am Wochenende in Leipzig kandidiert die 54-Jährige, die erst seit 2012 Mitglied der Linken ist, für einen Sitz im 44-köpfigen Bundesvorstand der Partei.

Frage: Frau Barrientos, kaum im Bundestag wollen Sie jetzt auch Mitglied im Bundesvorstand der Linken werden. Warum?

Simone Barrientos: Ich fürchte mich nicht vor Verantwortung. Wenn ich etwas mache, dann richtig. Ich will programmatisch mehr noch als bisher in der Partei mitarbeiten.

Was sind ihre Themen?

Barrientos: Mein Leib- und Magenthema ist und bleibt die Kultur. Aber wir brauchen überall im Land mehr linke Politik. Ganz wichtig ist mir eine Flüchtlingspolitik, die für die Menschen kämpft. Was hier derzeit auf Landes- und Bundesebene läuft, ist unsäglich. Ein Trauerspiel.

Derzeit sorgt die Linke vor allem mit Personalquerelen für Schlagzeilen. Sie sind mehr auf Seite von Parteichefin Katja Kipping zu verorten, weniger auf Seiten ihrer Fraktionsvorsitzenden Sarah Wagenknecht, oder?

Barrientos: Oh je, wie komme ich da jetzt raus. Es liegt mir fern, vor dem Parteitag irgendwie Öl ins Feuer zu gießen.

Na ja, immerhin haben Sie sich dieser Tage kritisch zu Wagenknechts Plänen, eine überparteiliche linke Sammlungsbewegung zu gründen, geäußert. Auf Ihrer Facebook-Seite schreiben Sie: „Wer ein Miteinander über Parteigrenzen hinaus sucht, der ist gut beraten, wenn er das Miteinander in der Partei vorlebt.“

Barrientos: Dazu stehe ich. Ich will mich dabei aber gar nicht auf die eine oder andere Seite stellen. Es gibt auch nicht die eine Führungsfigur, die es reißt. Wir müssen jetzt alle gemeinsam, vom ehrenamtlichen Mitglied im Kreisverband Würzburg bis zur Parteispitze, um die richtige Programmatik streiten und dann weiter versuchen, außerparlamentarische Bewegungen für uns zu begeistern. Gewerkschafter, Flüchtlingshelfer, Künstler: Für all sie muss erst einmal die Linke selbst noch wählbarer werden.

Trotzdem: Kipping und Wagenknecht werden in diesem Leben keine Freundinnen mehr.

Barrientos: Das müssen sie auch gar nicht. Eine Partei ist kein Privat-Club. Ich wünsche mir gleichwohl, dass sie sich mehr miteinander statt aneinander für die Partei abarbeiten. Katja und Sarah sind beide starke Persönlichkeiten, das erzeugt Reibung, von der die Linke noch mehr profitieren könnte.

Danach sieht es aber derzeit nicht aus. Dabei sind es doch eigentlich prima Zeiten für Sie. Die SPD scheint in der Großen Koalition gefangen und fällt in Umfragen immer weiter zurück. Die Linke indes verharrt bei zehn Prozent, in Bayern sind es nur drei Prozent.

Barrientos: Es lohnt sich, die Zahlen mal genauer zu untersuchen. Im Osten verlieren wir vergleichsweise stark, weil die Generation, die in der DDR groß geworden ist, sich als Wende-Verlierer sah und traditionell links gewählt hat, jetzt nach und nach wegstirbt. Gleichzeitig gibt es im Westen Zuwächse. Viele, die jetzt zu uns kommen und sich engagieren wollen, sind unter 30. Das ist kein Hype, das ist richtig nachhaltig. Wer hätte gedacht, dass wir bei der Bundestagswahl in Bayern 6,1 Prozent bekommen? Die Umfragen sahen schlechter aus.

Für die Landtagswahl werden Ihnen gerade mal drei Prozent vorausgesagt.

Barrientos: Bei den kleineren Parteien sind die Schwankungen in den Umfragen immer größer. Wie gesagt, bei der Bundestagswahl sah es im Vorfeld auch nicht rosig aus. Das sollte uns ermutigen, wir müssen auch selbst an uns glauben. Es gibt eine reelle Chance. Wir haben gute Kandidaten und werden einen engagierten Wahlkampf machen. Die Linke täte dem Landtag in Bayern jedenfalls richtig gut.

Zurück zur SPD. Können Sie sich über deren Schwäche wirklich freuen? Eine rot-rot-grüne Mehrheit auf Bundesebene scheint mittlerweile ferner denn je.

Barrientos: Ja, leider. Und das kann man nicht uns Linken anlasten. Ich mag die SPD aber auch nicht mehr beschimpfen. Die sind so arg gebeutelt. Das tut richtig weh. Da gibt es gute Leute, die wollen politisch die gleichen Dinge wie wir, aber dann machen sie mit CDU und CSU eine andere Politik. Und schon schwindet die Zustimmung.

Haben Sie Mitleid?

Barrientos: Nein. Ich hoffe nur, dass sich endlich der linke, der wahre sozialdemokratische Flügel in der Partei durchsetzt. Die SPD hat doch nichts mehr zu verlieren. Wir brauchen eine andere Politik.

Welche denn?

Barrientos: Die Reichen hierzulande werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Wir müssen von den Gutverdienenden und Vermögenden mehr Solidarität fürs Gemeinwohl einfordern. Es heißt immer, Umverteilung von oben nach unten geht nicht. Warum eigentlich nicht? Die SPD hat mit der Agenda 2010 vorgemacht, dass Umverteilung von unten nach oben möglich ist. Glauben Sie mir, so etwas funktioniert auch umgekehrt. Man muss es nur wollen.

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