WÜRZBURG

„Literaturbalkon“ am Stein: Stadträte stimmen zu

Mit erstklassigem Blick auf die Stadt: Auf dem Steinberg soll oben an der Rotkreuzsteige mit dem „Literaturbalkon“ ein neuer Aussichtspunkt entstehen. Foto: Simulation: Steinweinpfad e.V.

Von Frankens weltberühmter Weinlage, dem Würzburger Stein, schwärmten manch bekannte Literaten, allen voran Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe. Nun soll ein „Literaturbalkon“ an die besondere Verbindung von Wein und Sprachkunst erinnern. Am Mittwoch hat der Bau- und Ordnungsausschuss des Stadtrates Grünes Licht für das Vorhaben gegeben.

Baureferent Christian Baumgart hatte für Zustimmung plädiert: „Ich halte es für pfiffig", sagte er. Bei der Abstimmung gab es eine klare Mehrheit mit zwölf von 17 Stimmen. Grundsätzliche Ablehnung kam nur von Heinrich Jüstel (SPD), der in dem Projekt keinen Sinn sehen nicht konnte, „weil man auch ohne das Ding ins Maintal schauen kann“.

Hinter den Plänen steht der Stein-Wein-Pfad e.V. Dessen Vorsitzender Horst Kolesch, zugleich Leiter des Weingutes Juliusspital, ist zuversichtlich, dass der „Literaturbalkon“ im Rahmen des Projektes „terroir f – Magische Orte des Frankenweins“ schon im September verwirklicht ist.

„Betonröhre“ bekam 2011 keine Zustimmung

Mit seinem ersten Vorschlag, der eine Aussichtsplattform in Form einer Betonröhre vor dem Bismarckwäldchen vorsah, war der Verein 2011 gescheitert. Nun hat er „nach sorgfältigen Überlegungen und Planungen“ (Kolesch) in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim, die federführend beim Projekt „terroir f“ ist, sowie den Landschaftsarchitekten arc.grün und der Agentur zudem.de, beide Kitzingen, einen Entwurf für ein Kommunikationskonzept am Stein entwickelt, das Einblick in die Welt des Weines und der Literatur vom Stein gibt. Gespräche seien im Vorfeld auch mit Fraktionen des Stadtrates und Organisationen geführt worden, um deren Vorschläge zu berücksichtigen, so Kolesch.

Am oberen Ende der Rotkreuzsteige, unterhalb des Bismarckwäldchens, soll nun an einem vorhandenen Weg vor einer alten Weinbergsmauer eine mit Muschelkalk gepflasterte Fläche mit Freisitzen entstehen. Von dort schwingt sich der „Literaturbalkon“ hinaus über die Reben. Das Weingut des Bürgerspitals hat die Fläche zur Verfügung gestellt, „weil es ein Superprojekt ist, so Weingutsleiter Robert Haller.

Porträts von Goethe, Walter von der Vogelweide und Leonhard Frank

Der Literaturbalkon ist filigran aufgestelzt und abgesichert mit einem transparenten Netz aus Edelstahl. Zwischen Plattform und Balkon stehen 13 drei bis vier Meter hohe und 20 Zentimeter breite Stahlstelen als „Anamorphose“: Auf jeder Seite tragen die Säulen Teile eines Porträts. Findet man die richtige Position, sieht man Goethe, Walter von der Vogelweide und Leonhard Frank. Der vierte wird Herrmann Hesse oder Kurt Tucholsky. Zur weiteren Information gibt es ein Stehpult, bei dem man in Seiten aus Metall blättern und über die „Stein-Literaten“ Weiteres lesen kann. Dort ist auch ein Monitor mit einer virtuellen Bücherei über Würzburg und den Wein vorgesehen.

Der „Literaturbalkon“ wird barrierefrei ausgebaut und ist für Menschen mit Behinderung über landwirtschaftliche Wege auch mit dem Auto erreichbar. Ein Ausbau von Straßen und Parkplätzen ist nicht vorgesehen.

Aussichtspunkt soll sich in Hotellerie und Gastronomie auszahlen

Die Kosten für das Projekt schätzt Kolesch auf 200 000 Euro. Anders als in den bisher neun verwirklichen „magischen Orten des Frankenweins“ ist die Kommune an den Kosten nicht direkt beteiligt. 40 Prozent Zuschuss erwartet der Verein vom Freistaat, die restliche Summe sei von den Mitgliedern bereits angespart. Mitglieder sind die Weingüter und die Gastwirte am Stein, der Verein Main-Franken-Kreis und der städtische Eigenbetrieb Congress, Tourismus, Wirtschaft (CTW). Dessen Leiter Peter Oettinger verweist auf die große Bedeutung des Weintourismus, der in den letzten Jahren regelrecht boome. Der „Literaturbalkon“ diene wie die anderen magischen Orte des Frankenweins Touristen zur Orientierung und werde sich in Hotellerie und Gastronomie auszahlen, ist er sich sicher.

Der „Literaturbalkon“ diene aber nicht nur dem Weintourismus, sondern auch der zunehmenden Zahl von Menschen aus der Region, die hier wandern und an Weinbergsführungen des Vereins teilnehmen. Das neue Bauwerk sei nach dem Start am Pavillon über dem Weingut am Stein und dem Wendepunkt am Aussichtspunkt Moltkeruh der krönende Abschluss und schattige Ruhepunkt des Steinweinpfades. Für abschließende Weinproben wird deshalb hier auch ein sicheres Schränkchen eingebaut.

Blick von der Alten Mainbrücke zur Weinlage Würzburger Stein. Dort soll der Aussichtspunkt „terroir f“ entstehen. Foto: Thomas Obermeier

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