WÜRZBURG

Lkw-Verbot auf Stadtring muss warten

Wann kommt das Fahrverbot für Schwerlaster auf dem Stadtring? Die Stadt schiebt die Entscheidung weiter hinaus. Foto: Thomas Obermeier

Den interfraktionellen Antrag im Stadtrat gibt es schon seit Mai 2015: Laster über 3,5 Tonnen sollen vom Stadtring Süd verbannt werden. Noch im Herbst sollte der Beschluss laut Stadtverwaltung umgesetzt werden. Und wo steht das wichtige Anliegen jetzt? Noch fahren die Laster bis zwölf Tonnen munter über den Stadtring.

„Leider liegt uns das Verkehrsgutachten immer noch nicht vor. Es fehlen Detailberechnungen der Ingenieurbüros, ohne die wir bislang keine Richtungen erkennen und nicht planen können. Wir hoffen, dass diese Berechnungen bis Ende Februar vorliegen,“ antwortet Stadtsprecherin Claudia Penning-Lother auf die Redaktionsanfrage. Zur Erläuterung: Die Kommunalpolitiker im Stadtrat knüpften zwei Bedingungen an die Sperrung des Stadtrings Süd. Erst wenn feststeht, dass die Maßnahme rechtmäßig ist, sollen die Brummis über 3,5 Tonnen verbannt werden. Und es braucht noch zwei neue Gutachten mit Verkehrszählungen und der Belastung der Straßen durch Luftschadstoffe. Und genau um die Gutachten geht es seit Mai.

Schon im August hatte die Bürgerinitiative „Brummis weg vom Stadtring“ mit ihrem Sprecher Michael Imhof schnelle Abhilfe gefordert. Das dauere alles zu lange, so die Initiative, schließlich gehe es um die Gesundheit der Bürger.

Bürgerinitiative übt Kritik

Ende Mai hat der Stadtrat eine Sperrung des Mittleren Rings für Lkw ab 3,5 Tonnen beschlossen. Für die Würzburger Bürgerschaft sei es nicht nachvollziehbar, dass zwischenzeitlich zwei weitere und ungemein kostenträchtige Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben wurden, sagt Imhof zur neuerlichen Verzögerung

Im Rahmen dieser Gutachten sollen Verkehrszählungen erfolgen und die Belastungen durch Luftschadstoffe ermittelt werden. Sinn und Nutzen dieser Expertisen seien jedoch in Zweifel zu ziehen. Denn in der Vergangenheit wurden schon diverse Verkehrsgutachten erstellt, unter anderem zum Feinstaub im Jahre 2014. In der Dauerzählstelle Estenfeld würden die täglichen Verkehrsbelastungen im Bereich des Mittleren Rings kontinuierlich und penibel genau ermittelt. Und dabei seien Spitzenbelastungen durch den Pkw-Durchgangsverkehr von bis zu 60 000 Pkw und von 3500 bis 5000 Lkw ermittelt worden.

Durch die Benutzung von Navigationsgeräten steige der Pkw-Durchgangsverkehr zudem noch weiter. An den Samstagen und Sonntagen mache dieser Pkw-Durchgangsverkehr mittlerweile den überwältigenden Anteil des gesamten Verkehrsaufkommens aus, rechnet Imhof vor. Und so sei der Mittlere Ring zu einer extrem mit Schadstoffen belasteten und bayernweit an der Spitze liegenden Durchfahrtsstraße verkommen.

Und das hat die Bürgerinitiative schon im August kritisiert: Sinnigerweise würden die aktuellen Verkehrszählungen am Mittleren Ring zudem noch in den Sommermonaten, also in der Ferienzeit und zu einem Zeitpunkt durchgeführt, als die Ortsdurchfahrt durch die Nachbargemeinde Unterpleichfeld wegen einer Fahrbahnsanierung gesperrt war.

In offiziellen Verlautbarungen der Stadt Würzburg wurde im Sommer darauf hingewiesen, dass die neue Verkehrszählung noch vor den bayerischen Sommerferien abgeschlossen und man jetzt bei der Auswertung der Daten sei.

Die aus leidvoller Erfahrung heraus genährte Skepsis bei der Würzburger Bürgerschaft sei aber auch dieses Mal nicht enttäuscht worden, wettert der Sprecher: Denn erneut ist Zeit vergangen und wieder einmal wurden Versprechungen nicht gehalten, die vor nunmehr zwei Jahren vollmundig von allen Parteien im Stadtrat angekündigt worden waren.

Umweltzone gefordert

Vonseiten der Bürgerinitiative bleibe gegen Ende des Jahres 2015 also wieder einmal nur die Chronistenpflicht, darauf hinzuweisen, dass seit Jahren wiederholt die geltenden Grenzwerte für die krebserregenden Sickoxide am Stadtring Süd überschritten werden. In Umsetzung geltenden Rechtes hätten schon vor Jahren zwingend verkehrsbeschränkende Maßnahmen zum Schutze der Gesundheit der Würzburger Bürgerschaft durchgeführt werden müssen. Nichts sei jedoch geschehen.

Neben einer sofortigen Sperrung des Lkw-Verkehrs ab 3,5 Tonnen mit Ausnahme des Be-und Entladens fordert die Bürgerinitiative zusätzlich die Einführung einer Umweltzone, um auf diese Weise den Pkw-Durchgangsverkehr mit seinem beträchtlichen Aufkommen an Diesel-Pkw aus dem Stadtgebiet zu verdrängen.

Das administrative Phlegma und die schon nahezu institutionalisierte Verantwortungslosigkeit von Stadt und Regierung angesichts der Gefahrenlage am Ring sei für keinen Bürger mehr nachvollziehbar und begründe den Vorwurf der Fahrlässigkeit, für die alle Menschen in dieser Stadt einen sehr hohen Preis bezahlen müssen, schimpft Imhof.

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