WÜRZBURG

Lockerer Marathon für die Rettungsdienste

Seit Beginn 2001 dabei: Als Einsatzleiter der Rettungsdienste ist mittlerweile auch Uwe Kinstle zum Marathon-Fan geworden.Foto: Christoph  Fleschutz
Seit Beginn 2001 dabei: Als Einsatzleiter der Rettungsdienste ist mittlerweile auch Uwe Kinstle zum Marathon-Fan geworden.Foto: Christoph Fleschutz

Nach 260 Mädchen und Jungen bei den Kinderläufen am Samstag sind beim iWelt-Marathon am Sonntag laut Veranstalter rund 2800 Läufer über die vollen 42,195 Kilometer, den Halbmarathon oder den Funlauf über zehn Kilometer gegangen. Das Laufwetter war perfekt. Trocken, beim Hauptstart um 9 Uhr kühle 13 Grad, und mittags wurde es nicht zu heiß. Neben den Athleten hat dies besonders einen gefreut: Uwe Kinstle von den Johannitern, Einsatzleiter der Rettungsdienste.

Mit rund  60 Leuten, neun Sanitäts- und Krankenwagen und vier Motorrädern waren die Johanniter am Sonntag im Einsatz. Gefordert waren sie im Vergleich zu manchen Vorjahren wenig. „Wenn es wärmer als 23 Grad wird, dehydrieren die Leute“, weiß Kinstle aus Erfahrung. An solchen Marathontagen hatten die Johanniter bis zu 100 Einsätze. Diesmal waren es nur 26. „Wir hatten kaum Arbeit, das lag vor allem an der kühlen Witterung“, bilanziert Kinstle.

Nur kurz vor dem Marathonende musste doch noch ein Patient ins Krankenhaus gebracht werden – mit Herzproblemen. Der Mann war aber in stabiler Verfassung. „Ansonsten nichts Dramatisches“, berichtet der Einsatzleiter. Dehydrierung, Kreislaufkollaps. Acht Läufer wurden notärztlich versorgt, aber alle seien „munter“. Für die Rettungsdienste war es einer der leichtesten Einsätze der letzten Jahre, erstmals auch mit Digitalfunk ohne Funklöcher.

Kürzere Strecken gefährlicher

Kinstle ist ein Mann der ersten Stunde beim Würzburger Marathon. Heute sagt er: „Vor 15 Jahren haben wir von Laufveranstaltungen dieser Größenordnung nicht viel gewusst.“ Kein Wunder, dass es in der Anfangsphase einige Abstimmungsschwierigkeiten mit Stadt, Polizei oder dem Marathon-Veranstalter gab. Doch diese Zeiten sind vorbei, „das wäre heute nicht mehr denkbar“, sagt Kinstle. Jeder wisse, was der andere tut, man kennt sich, „wir sind befreundet.“ Auch am gestrigen Sonntag hat die Organisation bestens geklappt.

Nach 15 Jahren ist das Meiste eingespielt, das Verständnis fast blind, man hat kurze Drähte zueinander. Probleme werden rechtzeitig beredet. Gemeinsam zwischen Behörden, Veranstalter, Polizei und Rettungsdienst. Kinstle: „eine Traum-Zusammenarbeit“. Zu klären ist rund um die Strecke und die Sicherheit einiges, um Risiken auf ein Minimum zu reduzieren. In drei Minuten will der Rettungsdienst an jeden Punkt der Strecke gelangen. Die letzte Verantwortung freilich hat – so auch diesmal – jeder Läufer selbst. Wer sich überschätzt oder nicht auf Warnsignale seines Körpers hört, landet schnell im Sanitätszelt.

Dabei bringen den Rettungsdiensten nicht unbedingt die langen Strecken von Marathon (42,195 Kilometer) oder Halbmarathon die meiste Arbeit. Problematischer sind kürzere Distanzen beim Funlauf oder Firmenlauf. Hier wagen sich häufiger Untrainierte an den Start, mitgezogen von Kollegen oder Freunden. Doch ohne jede Vorbereitung kann auch ein Sechs-Kilometer-Lauf in der Klinik enden. „Manche versuchen es mit aller Gewalt“, so Kinstles Beobachtung. Diesmal gab es glücklicherweise weder beim Firmenlauf am Mittwoch in Eibelstadt noch beim Funlauf am Sonntag größere Probleme.

Den härtesten Fall seit 2001 hatten die Johanniter vor einigen Jahren zu betreuen, als ein Marathonläufer im Ziel direkt vor dem Sanitätszelt zusammenkrachte: Herzinfarkt. Die Anwesenheit des Rettungsdienstes war ein Glück für den Mann: Er wurde sofort reanimiert und ins Klinikum gebracht. „Wäre er irgendwo anders zusammengebrochen, hätte er das nicht überlebt“, ist Kinstle überzeugt. Der Gerettete ist heute wieder gesund und stattet den Sanitätern fast jedes Jahr beim Marathon einen Besuch ab.

Alles zum Marathonwochenende und jede Menge Bilder in unserem Special: www.mainpost.de/marathon

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