Rottendorf

Lösung fürs Baugebiet Am Sand West in Sicht

Zwei Jahre lag das Baugebiet Am Sand West in Rottendorf auf Eis. Jetzt haben sich Ausgleichsflächen gefunden. Sie waren für ein streng geschütztes Tier nötig geworden.
Im Herbst 2017 wurden die Planungen für das Baugebiet Am Sand West in Rottendorf gestoppt. Grund war ein streng geschütztes Tier, für das nun Ausgleichsflächen gefunden wurden.
Im Herbst 2017 wurden die Planungen für das Baugebiet Am Sand West in Rottendorf gestoppt. Grund war ein streng geschütztes Tier, für das nun Ausgleichsflächen gefunden wurden. Foto: Ammon

Lange herrschte Stillstand bei den Planungen für das Baugebiet Am Sand West. Nachdem am westlichen Ortsrand von Rottendorf überraschend Feldhamster entdeckt wurden - sie sind streng geschützt - hatte die Gemeinde keine andere Wahl, als die Planungen im Herbst 2017 zu stoppen. Nun ist jedoch wieder Bewegung in die Angelegenheit gekommen. Der Gemeinde ist es gelungen, geeignete Ausgleichsflächen für die Umsiedlung der Feldhamster aus dem nördlichen Teil des Baugebiets zur Verfügung zu stellen. Den Weg hierfür hatte eine gesetzliche Änderung im vergangenen Herbst freigemacht, die auch dauerhaft angepachtete Flächen als geeignet einstuft. Zudem hat die Gemeinde einen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung von artenschutzrechtlichen Verbotstatbeständen nach dem Bundesnaturschutzgesetz gestellt.

Gegenüber dem Vorgehen der Gemeinde nach dem überraschenden Fund von Feldhamsterbauten im Sommer 2016, hatte es deutliche Kritik gegeben. Der Bund Naturschutz hatte in einer Schwarzbrache im Südteil einen strafrechtlich relevanten Verstoß gegen das Artenschutzrecht gesehen. Da auf einem westlich angrenzenden Acker Dinkel stehen gelassen wurde, um dem Hamster eine Ausweichmöglichkeit zu bieten, konnte jedoch die Regierung von Unterfranken in einem Gespräch aller Beteiligten bestätigen, dass korrekt vorgegangen wurde. "Es ist kein Hamster umgekommen", sind sich auch Bürgermeister Roland Schmitt und Landschaftsplaner Günther Maak sicher.

"Es ist kein Hamster umgekommen."
Bürgermeister Roland Schmitt

Der Bebauungsplan soll nun für das gesamte 218 000 Quadratmeter große Gebiet auf den Weg gebracht werden. Die schon vor zwei Jahren eingeholten Stellungnahmen aus der öffentlichen Auslegung im Oktober und November 2017 wurden im Gemeinderat ohne größere Diskussionen abgehandelt. Entscheidend ist jedoch die Frage, ob es der Gemeinde gelungen ist, ausreichend geeignete Ausgleichsfläche für eine Ausnahmegenehmigung zur Verfügung zu stellen. Ausgearbeitet hat den Antrag das auf Naturschutz spezialisierte Büro Kaminsky aus Hohenroth bei Bad Neustadt. Das Büro kommt auf einen Bedarf an Ausgleichsflächen von 56 000 Quadratmetern.

Sperlingsgraben als neue Heimat für Feldhamster

Mit der Umsiedlung der Feldhamster könnte es im Südteil losgehen. Ein neues Heim sollen sie auf einer Ausgleichsfläche am Sperlingsgraben finden. Hier sind zwar bereits Feldhamster heimisch, allerdings in so geringer Zahl, dass es Spielraum für eine Neuansiedlung gibt, wie Maak bestätigte. "Hier können dauerhaft Lebensräume gesichert und verbessert werden", ist er sich sicher. Es werde jedoch auch geprüft, ob dies tatsächlich gelingt. Die Chancen stehen gut: Das Gebiet ist im interkommunalen Feldhamster-Konzept als Verbindungskorridor nach Estenfeld aufgeführt. Die Gemeinde tut zudem einiges mehr als nötig: "Wo es ging, haben wir noch was draufgelegt", zeigte sich Bürgermeister Roland Schmitt zuversichtlich, dass es mit der nun insgesamt 80 000 Quadratmeter großen Fläche gelingt, alle Voraussetzungen zu erfüllen.

Der Bebauungsplan Am Sand West: Nach den jüngsten Entwicklungen möchte die Gemeinde nun doch den nördlichen Abschnitt gleichzeitig mit dem südlichen zur Erschließung bringen.
Der Bebauungsplan Am Sand West: Nach den jüngsten Entwicklungen möchte die Gemeinde nun doch den nördlichen Abschnitt gleichzeitig mit dem südlichen zur Erschließung bringen. Foto: Gemeinde Rottendorf

Mit einer besonderen Bewirtschaftung soll es gelingen, dem Nager eine neue Heimat zu verschaffen. Diese sieht so aus: Wintergetreide, Luzerne und eine mehrjährige Blühmischung werden dreistreifig angepflanzt. Der Einsatz von Giften ist untersagt. Eine Ausnahme gibt es beim Wintergetreide, bei dem das Unkraut weiterhin mit Spritzmittel bekämpft werden darf. Auch ist es untersagt, die Fläche in der Dämmerung oder nachts zu bearbeiten. Davon profitieren nicht nur die Feldhamster, sondern auch Vögel der Feldflur, Niederwild, Insekten und Ackerwildkräuter. Weitere 20 000 Quadratmeter stehen nebenan an der Rothof-Straße zur Verfügung. Hier sind Blühstreifen und heimische Sträucher aus Weißdorn, Wildrosen und Liguster vorgesehen. Auf Düngung soll ebenso verzichtet werden wie auf Spritzmittel. Auch für das Mähen gibt es Beschränkungen.

Für die Mahd gibt es Beschränkungen

Auch innerhalb des Bebauungsplans entsteht, aufgeteilt auf vier Zonen, Ausgleichsfläche von 18 000 Quadratmetern. Unter anderem erfährt der Waldrand des Grasholzes eine Aufwertung. Davor soll eine neue, hochstämmige Streuobstwiese angelegt, der Waldrand selber naturnah und licht gestaltet werden. Auch sollen hier wie auch am Umspannwerk im südlichen Teil Lesesteinhaufen mit Totholz angelegt werden, um etwa Zauneidechsen einen Lebensraum zu bieten.

Außerdem sind Hecken und Gehölzgruppen vorgesehen. Für die Mahd gibt es Beschränkungen. Diese soll zweimal im Jahr durchgeführt werden, in einigen Teilbereichen jedoch nur alle zwei Jahre und erst nach September. Außerdem sollen die vorhandenen Hecken und die alten Streuobstbestände als Grünzüge erhalten bleiben. Durch Mähen, neu angepflanzte Obstbäume und Vogelnist- sowie Fledermauskästen soll ihr ökologischer Wert erhalten bleiben und sogar gesteigert werden.

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