München/Veitshöcheim

Lösung gefunden: Keine Klausuren mehr vor den Abi-Prüfungen

Der enge Zeitplan bis zu den Abitur-Prüfungen hat bei Schülern für Unmut gesorgt. Jetzt hat sich der Kultusminister zu der Kritik geäußert – und Vorschläge präsentiert.
Nicht nur für die Abiturienten sind die Abschlussprüfungen, auf die sie sich viele Jahre vorbereitet haben, dieses Jahr eine besondere Herausforderung.
Nicht nur für die Abiturienten sind die Abschlussprüfungen, auf die sie sich viele Jahre vorbereitet haben, dieses Jahr eine besondere Herausforderung. Foto: Sebastian Kahnert, dpa

Die Abiturprüfungen in Bayern sollen nicht mehr verschoben werden. Mit dieser klaren Aussage meldete sich am Wochenende Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) zu Wort und reagierte damit auf Kritik von betroffenen Abiturienten.

Laut Piazolo sollen die Prüfungen an den Gymnasien wie geplant am 20. Mai, an den Fach- und Berufsoberschulen am 18. Juni starten. Neu ist: Klausuren, die im laufenden Halbjahr noch ausstehen, müssten nicht mehr geschrieben werden, sodass ab Ende April nur noch gezielte Vorbereitung in den Abi-Prüfungsfächern angeboten wird. Für noch fehlende Leistungsnachweise soll es faire "Günstigerregelungen" geben, damit keinem Schüler ein Nachteil entsteht.

Piazolo reagierte auf Kritik von Abiturienten

"Ich freue mich sehr, dass wir gemeinsam mit Schülern, Lehrern, Eltern und Direktoren eine gute Lösung für das Abitur entwickelt haben", sagt Piazolo. "Für mich war es am wichtigsten, dass die Schüler sich jetzt ganz auf ihr Abitur konzentrieren können." Das Kultusministerium hält damit am 20. Mai als Prüfungstermin fest. "Eine nochmalige Verschiebung kam für uns nicht in Frage", sagte Piazolo. 

Noch am Freitag forderten die Bezirksschülersprecher der Gymnasien aus Unterfranken, Niederbayern, Schwaben und der Oberpfalz in einem offenen Brief an den Kultusminister, die Prüfungen auf einen Termin nach den Pfingstferien – also um etwa dreieinhalb Wochen – zu verschieben. Nur so könnten faire Bedingungen und eine Vergleichbarkeit der Abiturjahrgänge gewährleistet werden.

Enger Zeitplan an den Gymnasien

Offenbar befürchteten zunächst viele Schüler, sie müssten bis zum Notenschluss am 15. Mai noch Klausuren des laufenden Halbjahres nachschreiben. Nach dieser Logik wären am Ende nur vier freie Tage zur Vorbereitung der eigentlichen Abiturprüfungen geblieben. Vor Ausbruch des Coronavirus waren dafür mehr als drei Wochen vorgesehen.

In ihrem Brief an den Kultusminister kritisierten die Bezirksschülersprecher deshalb, dass der enge Zeitplan zu "erheblichen Nachteilen" und einer "immensen Belastung" führe – gerade weil nicht alle Schüler in den vergangenen Wochen zu Hause die gleichen Lernbedingungen gehabt hätten. Einigen fehle es an der nötigen technischen Ausstattung, anderen an der Unterstützung durch das Elternhaus.

Piazolo hat direkt am Wochenende auf die Forderungen reagiert, dabei waren sich die Schüler gar nicht einig: Während die Bezirksvertreter in ihrem Brief den Zeitplan kritisierten, distanzierte sich der Landesschülerrat (LSR) kurz darauf von den Forderungen. Das Schreiben sei nicht abgestimmt gewesen, sagt Joshua Grasmüller, der als LSR-Koordinator die Gespräche mit dem Kultusministerium führt.

Es ist ein ungewöhnlicher Vorgang, dass sich die Schülervertretung auf Landesebene von der auf Bezirksebene distanziert. Der Grund dafür sind nach Informationen dieser Redaktion interne Auseinandersetzungen. Die Bezirksschülersprecher, die den Landesschülerrat einmal im Schuljahr wählen, fühlten sich nicht ausreichend in die Gespräche mit dem Ministerium eingebunden. Der LSR hätte sein eigenes Ding gemacht, ohne dass Zwischenergebnisse kommuniziert und abgestimmt worden seien, heißt es seitens der Bezirksvertreter, die sich mit dem offenen Brief Gehör verschaffen wollten. 

Der LSR widerspricht: Man habe durchaus versucht, vorab das Gespräch zu suchen. "Unsere Kontaktversuche wurde abgeblockt", sagt Grasmüller, der jedoch einräumt: Alle Seiten hätten offener kommunizieren müssen. Der Alleingang schade jedoch "dem konstruktiven Dialog". Der LSR, der sich ursprünglich für ein Durchschnittsabitur eingesetzt hat, unterstützt den aktuellen Vorschlag des Kultusministeriums.

Ende April soll der Schulbetrieb in Bayern wieder starten – Schritt für Schritt, zunächst die Abschlussklassen und wegen der Ansteckungsgefahr in kleineren Klassen.
Ende April soll der Schulbetrieb in Bayern wieder starten – Schritt für Schritt, zunächst die Abschlussklassen und wegen der Ansteckungsgefahr in kleineren Klassen. Foto: Marijan Murat, dpa

Peter Stegmann, der als Bezirksvorsitzender des Philologenverbands die Interessen der Gymnasiallehrer vertritt, hätte auch nichts davon gehalten, die Abi-Prüfungen bis nach den Pfingstferien zu verschieben. Es sei gut, dass das Ministerium jetzt schnell Klarheit geschaffen habe. "So hätten die Lehrer in den kommenden Wochen Zeit, nur die Abiturprüfungen in verkleinerten Gruppen intensiv vorzubereiten", sagt Stegmann.

"Wenn man die Prüfungen erst nach Pfingsten beginnen lässt, dauert es bis weit in den Sommer hinein, bis die Ergebnisse vorliegen", sagt auch Dieter Brückner, Schulleiter in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg) und Vorsitzender der Bundesdirektorenkonferenz. Für Schüler, die im August eine Ausbildung oder ein Freiwilliges Soziales Jahr beginnen wollen, wäre es dann eng geworden.

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