Ochsenfurt

Main-Klinik: Warum die Putzfrauen dort das Wort haben

Vor der Generalsanierung wurde ein Patientenzimmer schon mal originalgetreu aufgebaut. Das Urteil der Reinigungskräfte ist dabei besonders wichtig. Ein Besuch.
Selbst bei Kleinigkeiten wie Desinfektionsspendern und Klopapierhaltern will man bei der Generalsanierung der Main-Klinik nichts dem Zufall überlassen. Geschäftsführer Christian Schell mit Gebrauchsmustern, die verschiedene Hersteller zur Verfügung gestellt haben. Foto: Gerhard Meißner

Die Ablage im Bad zu schmal für den Waschbeutel. Die Steckdose zu weit vom Bett entfernt. Über dem Fenster ein Absatz, auf dem leicht Staub und Schmutz übersehen werden. Es sind die kleinen unscheinbaren Mängel und Ärgerlichkeiten wegen derer der Volksmund sagt, man müsste jedes Haus zweimal bauen; einmal um zu üben und einmal richtig. Leisten kann sich das keiner, erst recht nicht, wenn es bei dem Haus um ein Krankenhaus geht und die Generalsanierung knappe 100 Millionen Euro kosten soll. An der Ochsenfurter Main-Klinik hat man deshalb ein originalgetreues Modell der künftigen Patientenzimmer aufgebaut, in dem alle Mitarbeiter, vom Chefarzt bis zur Putzfrau, schon mal probieren können.

"Vieles hätten wir so gebaut, wie es geplant war, und erst hinterher gesehen, dass es nicht optimal ist."
Christian Schell, Main-Klinik

Mindestens vier Jahre wird es noch dauern, bevor diese neuen Zimmer Wirklichkeit werden. Ende kommenden Jahres soll mit dem Abriss des westlichen Pflegetrakts begonnen werden. Zweieinhalb Jahre dauert voraussichtlich der Wiederaufbau. Die Pläne stammen von erfahrenen Architekten. Trotzdem lohnt es sich, die Menschen zu fragen, die später in den Räumen arbeiten müssen, sagt Klinik-Geschäftsführer Christian Schell. "Vieles hätten wir so gebaut, wie es geplant war, und erst hinterher gesehen, dass es nicht optimal ist."

Der Raum, den Schreiner aus Pressspan nachgebaut haben, entspricht genau den 50 Patentienzimmern im geplanten Pflegetrakt der Main-Klinik. Die Betten stammen allerdings aus dem Depot und entsprechen nicht mehr dem heutigen Standard, betonen Projektbetreuer Georg Sonnek und Geschäftsführer Christian Schell (von links). Foto: Gerhard Meißner

Am Ende sollen alle 50 Zweibettzimmer den gleichen Zuschnitt haben und identisch ausgestattet sein. "Vor allem die Nasszelle ist Gegenstand endloser Diskussionen", weiß stellvertretender Verwaltungsleiter Georg Sonnek, der die Planung betreut und vier Wochen lang täglich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch das Musterzimmer geführt hat. Was ihnen dabei auffiel, haben sie auf Klebeetiketten an Ort und Stelle hinterlassen. "Mehr Ablagefläche!" ist darauf zu lesen, oder: "Gummipuffer an die Türen, wegen der Schrammen".

"Vor allem die Nasszelle ist Gegenstand endloser Diskussionen."
Georg Sonnek, Projektbetreuer

"Es kamen Hunderte von guten Anregungen", so Christian Schell. So wurde beispielsweise die Duschkabine durch einen Vorhang ersetzt, weil sie das Pflegepersonal beim Waschen eines Patienten behindern würde. Neben dem Bett wird es Steckdosen geben, weil heute beinahe jeder Patient ein Smartphone benutzt. Und im Kleiderschrank stehen rollbare Metallcontainer, die sich problemlos mitnehmen lassen, wenn der Patient in ein anderes Zimmer verlegt wird. Auch Muster verschiedener Hersteller - von Spendern für Desinfektionslösung bis zum Klorollenhalter - wurden montiert, um sie auf ihre Praxistauglichkeit zu testen. 

Hunderte von Anmerkungen und Vorschlägen haben die Mitarbeiter der Main-Klinik zu den geplanten Patientenzimmern gemacht. Foto: Gerhard Meißner

"Vor allem das Urteil der Putzfrauen ist ganz wichtig", sagt Georg Sonnek. Schließlich wüssten die am besten, in welchen Ecken sich der Schmutz am liebsten versteckt. Auf diese Weise fand auch das Gesims über den Fenstern ein Ende, das die Architekten als gestalterisches Element eingeplant hat. "Wir haben lange überlegt, ob wir den Aufwand mit dem Musterzimmer betreiben sollen", sagt Klinik-Chef Christian Schell. Schließlich waren Schreiner wochenlang damit beschäftigt, das Zimmer in einem Zelt auf dem Klinikparkplatz aus Kanthölzern und Pressholzplatten ähnlich wie eine Filmkulisse zusammen zu zimmern. "Aber wir müssen sagen, es hat sich wirklich gelohnt", so Schell.  Auch für die Motivation der Mitarbeiter, die über die Gestaltung ihres künftigen Arbeitsplatzes mit entscheiden durften.

Erste vorbereitende Arbeiten im Sommer

Im Moment werden die Pläne korrigiert und vervollständigt, um sie Anfang nächsten Jahres zur Genehmigung des Förderantrags bei der Regierung von Unterfranken einreichen zu können. Im Sommer sind die ersten vorbereitenden Arbeiten geplant, etwa die Neuverlegung von Wasser, Strom und Kanal im Außenbereich. Gleich nach dem  Abriss des Westflügels um die Jahreswende soll mit den Rohbauarbeiten begonnen werden. Während der Bauzeit werden Patientenzimmer in die ehemalige Pflegeeinrichtung Curvita, einem Anbau an den Südflügel der Klinik, ausgelagert.

Der Westflügel links im Bild soll ab dem Herbst kommenden Jahres abgerissen und durch einen neuen, erweiterten Patiententrakt ersetzt werden. Foto: Gerhard Meißner

Im Herbst 2023, so Schell, soll der neue Pflegetrakt in Betrieb gehen. Bis dahin ist auch die Sanierung des Südflügels abgeschlossen, der im Zuge der letzten Generalsanierung Ende der 1980er Jahre angebaut wurde. Von den geschätzten Kosten von 27,6 Millionen Euro für diesen ersten Bauabschnitt erwartet die Klinik 21,5 Millionen Euro an staatlichen Fördermitteln. "Die Patientenbereiche sind dann nahezu vollständig erneuert" sagt Christian Schell. 

Notaufnahme soll vergrößert werden

Was folgen wird, ist der zweite Bauabschnitt mit einer völligen Neugestaltung der medizinischen Funktionsbereiche. Unter anderem sollen die Operationssäle in den Ostflügel verlegt werden, der heute noch Patientenzimmer enthält. Nachdem die ambulante Versorgung in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, soll sie schärfer von den stationären Einrichtungen getrennt werden, damit sich die Abläufe nicht gegenseitig behindern. Auch die Notaufnahme im Erdgeschoss soll deutlich größer werden. Auf über 60 Millionen Euro sind die Kosten für diesen zweiten Bauabschnitt veranschlagt. Erst Anfang der 2030er Jahre soll die zweite Generalsanierung der Main-Klinik dann abgeschlossen sein, 40 Jahre nach der ersten.

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