Heuchelhof

Mainfranken ist ein Hotspot des Klimawandels

Der Würzburger Arbeitskreis Schule und Wirtschaft diskutierte mit Anhängern der Friday for Future-Bewegung. Für die Jugend ist vor allem ein attraktiverer ÖPNV wichtig.
AK Schule-Wirtschaft meets Fridays for Future: Der Würzburger Arbeitskreis bringt regelmäßig relevante Vertreter aus Schule und Wirtschaft zu aktuellen Themen ins Gespräch. Dieses Mal Thema: "Was kann die regionale Wirtschaft für den Klimaschutz tun?" Foto: Thomas Obermeier

"Der Klimawandel betrifft nicht nur Entwicklungsländer oder die Menschen in der Zukunft, sondern auch jetzt schon gibt es Auswirkungen bei uns", betonte Aktivistin Ursula Rachor von FridaysForFuture (FFF) in ihrer Präsentation vor dem AK Schule und Wirtschaft. Der Würzburger Arbeitskreis, der sich als Bindeglied von Schulen und regionalen Unternehmen versteht, hatte zu einer Diskussion mit der FFF-Ortsgruppe für Würzburg und Umgebung eingeladen.

Nicht jeder Aktivist ist ein Greta Thunberg-Fan

Rachor zeigte anhand zahlreicher Studien und Berechnungen, wie weit Deutschland das, im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommen gefasste, Klimaziel verfehlen wird. Die Absolventin eines Klimaschutz-Studienganges betonte, dass sich bei der Würzburger FFF-Gruppe nicht mehr nur Schüler- sondern mittlerweile auch Studierende engagierten. Moderatorin Anke Faust (Main-Post) eröffnete die Diskussion mit der Frage, ob Klimaaktivisten automatisch auch Fans von Greta Thunberg sein müssten. "Greta Thunberg ist ein Medienthema und ja, ich bin Greta-Fan. Aber in der täglichen Arbeit ist sie gar nicht so präsent", antwortete Rachor.

Florian Nöhrig von FFF fand die mediale Überhöhung der Person Greta Thunberg „nicht gut“. Die Runde war sich einig, dass die Region Mainfranken ein Hotspot des Klimawandels ist, an dem sich die Auswirkungen früher als anderswo zeigen. Doch wie kann der Klimawandel bekämpft werden? Wie weit ist die Bevölkerung bereit, ihren Lebensstil herunterzufahren und zum Beispiel auf Flugreisen und Kreuzfahrten zu verzichten? Diese Fragen stellte Jacqueline Escher von der IHK Würzburg-Schweinfurt. Escher weiter: "Ich glaube, es gibt einen großen Teil der Bevölkerung, der den Klimawandel nicht nachvollziehen will."

Der Gesetzgeber spielt eine große Rolle

Im nächsten Diskussionspunkt leitete die Moderatorin zum Thema Verkehr in der Stadt über. Volker Wedde, Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Unterfranken empfahl adäquate Angebote zu schaffen. Nicht umsonst habe sich die Frequenz in Würzburgs Innenstadt halbiert, warnte er. Tatjana Horst von der Handwerkskammer für Unterfranken fragte, wie sich die Parkplatzsituation in Würzburg entwickelt habe. Sie merkte an, dass es vielen Unternehmen im Handwerk an Nachfolgern fehle. Deshalb müsse der ländliche Raum wieder attraktiver werden. Das funktioniere nur mit einer besseren ÖPNV-Anbindung. Harald Ebert bestätigte, dass es hier großen Handlungsbedarf gebe. "Junge Leute kommen nicht zu ihrem Ausbildungsort, weil es keinen ÖPNV gibt", so der Schulleiter der Don-Bosco-Berufsschule in Würzburg. Florian Doktorczyk von der WVV: Die Installationen von Photovoltaik-Anlagen auf Privathäusern zeige, dass es eine Bereitschaft zur Veränderung gebe. Dazu müsse der Gesetzgeber die Anreize liefern.

Bei allen Facetten des Klimaproblems wurde die Rolle des Gesetzgebers deutlich. Jacqueline Escher von der HWK: „Es kommt vor allem darauf an, was die Bundesregierung aus dem Klimapaket mache. Die Mehrheit der Unternehmen möchte vor allem Planungssicherheit", so Escher weiter. Abschließend herrschte große Einigkeit darüber, dass die Veränderungen, die zweifelsohne notwendig sind, auch sozialverträglich sein müssen. Hierbei könne sich Deutschland ein Beispiel an Österreich, Schweden oder Dänemark nehmen, so Doktorczyk von der WVV. Beim Schlusswort zitierte die Moderatorin unter anderem Schulleiter Ebert mit "Genug gequatscht“. Und alle waren sich darin einig: „Wir brauchen jetzt große Lösungen von der Politik, denn die Folgen des menschengemachten Klimawandels sind ein Riesenthema und die Zeit drängt."

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