WÜRZBURG

Malteser bieten seit 25 Jahren Begleitung für Sterbende

Rosi Leiter hatte schon früh Kontakt mit dem Tod: Gerade einmal 20 Jahre alt, haben sie und ihre zehnjährige Schwester ihre Eltern verloren. „Es war furchtbar“, erinnert sich die heute 68-Jährige. „Es war niemand da, der uns zur Seite gestanden hätte.“ In den zunehmend auf Effizienz getrimmten Krankenhäusern des modernen Gesundheitswesens war kaum noch Raum für das Sterben und die Trauer vorgesehen. Leiter hat es dennoch geschafft, das Leben anzunehmen, geheiratet und drei Kinder großgezogen. Seit 15 Jahren begleitet die Schweinfurterin nun selbst als Hospizhelferin Sterbende.

Martina Mirus, auf deren Initiative die Malteser vor 25 Jahren eine erste Hospizgruppe eingerichtet haben, hat als Schwesternhelferin und Rettungssanitäterin viele Schicksale wie das von Rosi Leiter kennengelernt. Anders als heute sei es eher die Ausnahme gewesen, dass die Sterbenden nach Hause oder in ein Altenheim entlassen wurden. Als sie 1991 in den Vorstand des Malteser-Diözesanverbandes aufrückt, reagiert sie und startet ein Jahr später einen ersten Hospizvorbereitungskurs, noch bevor die Malteser in ihrer Bundeszentrale eine Abteilung dafür einrichten.

Heute ist der Hospizdienst in der Diözese Würzburg mit 270 Hospizhelfern, verteilt auf 27 Gruppen, einer der größten in ganz Deutschland. Dabei hatte die heutige Diözesanoberin Mirus anfangs keinen leichten Stand im eigenen Haus: „In einem auf Blaulicht und Lebensrettung ausgerichteten Rettungsdienst war es schwer zu vermitteln, dass es diesen stillen Dienst auch braucht.“

Beeinflusst von der Hospizbewegung, die Mitte der 1980er Jahre nach Deutschland kam, hat Mirus schon früh Unterrichtsmodule für den Umgang mit Sterbenden entwickelt und erste Gruppenstunden im Krankenhaus des Missio-Institus organisiert. Dazu gehören Themen wie die Phasen des Sterbens, die Patientenverfügung oder Schmerztherapie ebenso wie die persönliche Auseinandersetzung mit Tod und Trauer. „Es ist im Menschen angelegt, dass wir uns als soziales Wesen um andere Menschen kümmern“, erzählt sie. „Sterben ist doch keine Krankheit, sondern die natürliche Folge unseres endlichen Lebens. “ Für Mirus, die selber mit 18 Jahren schwer an einem Tumor erkrankt war, ist der Hospizdienst zudem eine Rückkehr zu den Wurzeln der Malteser: Von Anfang an habe der Orden Hospize eingerichtet und Menschen am Lebensende gepflegt.

Heute startet zwei bis dreimal im Jahr ein Kurs, der aus 140 Unterrichtseinheiten besteht und etwa zehn Monate dauert. Auch die Betreuung hat sich gewandelt: Das Thema Demenz hat an Gewicht gewonnen, ebenso die Trauerbegleitung. Es sind Kooperationen mit neuen Palliativstationen entstanden. Auch gibt es seit 2003 Gruppen für die Arbeit im Kinderhospiz. Sei diesem Jahr gibt es ein eigenes Kinderpalliativteam in Unterfranken. Inzwischen wird die Betreuung von sieben hauptamtlichen Mitarbeitern koordiniert. Davon, die Hospizdienste zu professionalisieren, hält sie dennoch nichts: „Es ist der Kern der Hospizbewegung, das Sterben nicht jemandem zuzuordnen, sondern mitmenschlich, ohne dass Geld eine Rolle spielt, nahe zu sein.“

Auch Rosi Leiter hat einen der Kurse durchlaufen. Eine Sterbebegleitung hat sie besonders in Erinnerung: Eine alleinstehende, ältere Dame, die sie bis zum Tod ein ganzes Jahr lang zu Hause besucht hat. Es ergaben sich Glücksmomente der kleinen Art: Gemeinsam einkaufen, ein Bummel über den Weihnachtsmarkt oder ein Wintertag mit blauem Himmel. Sterbebegleitung ist ein Geben und Nehmen.

Schlagworte

  • Würzburg
  • Christian Ammon
  • Diözesen
  • Sterbebegleitung
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!