Ochsenfurt

Mangelware Bio-Zucker: Eine Chance für fränkische Bauern?

Rübenernte in vollem Gange: Mit einem Roder werden Zuckerrüben auf einem Feld geerntet.  Foto: Philipp Schulze (dpa)

Nirgendwo werden europaweit so viele Bio-Zuckerrüben angebaut wie in Franken. Das liegt vor allem daran, dass Deutschlands größter Zuckerproduzent, die Südzucker AG, in Sachen Bio-Zucker auf dem Vormarsch ist. Weil die Bio-Zuckerrübe einen regelrechten Boom erlebt, soll nun der Produktionsstandort verlegt werden. Nachdem die Produktion von Bio-Zucker aus Rüben zuvor nur phasenweise von der Südzucker AG getestet wurde, produziert das Unternehmen aus Mannheim nun bereits seit 2002 jährlich. Bislang wurde die Bio-Rübe im nordrhein-westfälischen Warburg verarbeitet. Nach der bevorstehenden Schließung des Werks soll der Bio-Zucker ab 2020 ausschließlich im Südzucker-Werk in Rain am Lech produziert werden. 

Bio-Zucker trotz Wachstum noch Nischenmarkt

Aufgrund des anhaltend wachsenden Marktes für Bioprodukte steigt laut Südzucker AG auch die Nachfrage nach Bio-Zucker. Verarbeitet wird dieser überwiegend in Getränken und Süßspeisen der Nahrungsmittelindustrie. So steigt auch die Anbaufläche der Bio-Rüben stetig. Wurden im Vorjahr noch 350 Hektar in Franken angebaut, so waren es in diesem Jahr bereits 530 Hektar. Nach Auskunft von Klaus Ziegler, Geschäftsführer des Verbandes Fränkischer Zuckerrübenbauer, soll die Fläche auch nächstes Jahr wieder steigen und dann etwa 700 Hektar betragen. Damit sei Franken die größte Anbauregion für Bio-Zuckerrüben in Europa. Dennoch bedient der Bio-Zucker noch immer nur einen Nischenmarkt - nur etwa zwei Prozent der fränkischen Anbaufläche für Zuckerrüben werden ökologisch bewirtschaftet.

Ein eigens für die Produktion von Bio-Zucker vorgesehenes Werk betreibt die Südzucker AG nicht. Zu Beginn der Erntesaison im September werden als erstes die Bio-Rüben verarbeitet, damit sich das ökologisch erzeugte Produkt nicht mit dem aus konventionellem Anbau vermengt. Da sich die Rübe zu diesem Zeitpunkt noch im Wachstum befindet, erhalten die Landwirte einen "Frühlieferausgleich", dessen Höhe sich am Zeitpunkt der Lieferung bemisst. Es dauert lediglich ein bis zwei Wochen, bis alle angelieferten Bio-Rüben zu fertigem Zucker verarbeitet werden. Aufgrund der geringen Kapazität ist die Inbetriebnahme eines reinen Bio-Rüben-Werkes auch in naher Zukunft nicht geplant, sagt eine Sprecherin der Südzucker AG.

Zu wenig heimischer Bio-Zucker - Import verschlechtert Ökobilanz

Aufgrund der insgesamt geringen Anbaumenge von Bio-Zuckerrüben wird immer noch ein erheblicher Teil des Bio-Zuckers in Europa durch Zucker aus Zuckerrohr gedeckt. Aufgrund ihrer chemisch reinen Zusammensetzung sind beide Zuckerarten identisch, jedoch muss das Zuckerrohr aus Ländern wie Brasilien oder Paraguay importiert werden. Zu Lasten der Ökobilanz. So soll Bio-Rübenzucker die Umwelt um rund 37 Prozent weniger belasten, als Bio-Fairtrade-Rohrzucker aus Paraguay. Das geht aus einer Studie hervor, welche die Schweizer Zucker AG in Auftrag gegeben hat. Demnach seien aber nicht nur die Transportwege und der Anbau auf dem Feld verantwortlich. Vor allem die Zuckerausbeute in der Fabrik selbst ist in Europa deutlich höher. So ist für eine Tonne Zucker hierzulande etwa 45 Prozent weniger Anbaufläche nötig als in Paraguay, so die Studie. 

Aufwändiger Anbau erhöht den Preis 

Für jede Tonne Bio-Zuckerrüben erhalten die Landwirte je nach Zuckergehalt etwa 115 Euro, das ist rund drei mal so viel wie für Rüben aus konventionellem Anbau. Der Preis setzt sich zusammen aus dem Grundpreis für die Rübe, einer Treue - beziehungsweise Einstiegsprämie, dem Frühlieferausgleich und einem Bonus, sollte die Lieferung frei von Unkraut sein. Dass Bio-Zucker bis zu drei mal kostenaufwändiger ist als Zucker aus konventionellem Anbau, liegt vor allem an der intensiveren Bodenbearbeitung und Unkrautbekämpfung. Denn chemische Spritzmittel sind im ökologischen Landbau tabu. 

Diese Zuckerrüben in Rittershausen sind erntereif.  Foto: Gerhard Meißner

Manuel Metzger ist Bio-Landwirt in Hopferstadt. Mit seinem Betrieb baut auch er auf etwa acht bis zehn Hektar Bio-Zuckerrüben an. Bereits vor dem Anbau macht er sich Gedanken über die Fruchtfolge. Frühestens nach vier Jahren sät Metzger wieder Rüben auf dasselbe Feld. Dies ist wichtig, um zu viel Unkraut vorzubeugen, vor allem aber, um die Pflanzen vor Krankheiten wie etwa dem Mehltau zu schützen.

"Ist der Markt erst einmal gesättigt, werden auch die Preise wieder fallen."
Manuel Metzger, Bio-Landwirt aus Hopferstadt

Die Bodenbearbeitung beginnt bereits im Herbst mit Grubber und Pflug. Bis ins Frühjahr wird das Saatbett vorbereitet, bevor es dann Anfang April zur Aussaat bereit ist. Nur rund einen Monat später beginnt die Unkrautbekämpfung. Im frühen Pflanzenstadium bearbeitet Manuel Metzger den Boden noch maschinell. Mit einem an der Front des Traktors angebrachten Hackgerät hackt er sich präzise durch die einzelnen Rübenzeilen und entfernt so das Unkraut in den Zwischenräumen.

Bis die Blätter der Pflanzen zu groß sind und sich die Rübenzeilen schließen, wiederholt er diesen Prozess drei bis vier mal. Ab diesem Zeitpunkt erfolgt das Hacken von Hand. Da es für diesen Vorgang laut Metzger pro Hektar rund eine Arbeitskraft benötigt, beschäftigt er tageweise bis zu neun Hilfskräfte. In drei Durchgängen wird der Boden vollständig von Unkräutern befreit. Am Ende entspricht das einem Arbeitsaufwand von mindestens 80 bis 120 Stunden pro Hektar, während beim konventionellen Anbau gerade einmal 10 bis 15 Stunden anfallen. 

Dennoch ist für Manuel Metzger die Bio-Zuckerrübe momentan eine der interessantesten Ackerfrüchte. Zum einen, weil die Rübe in der richtige Fruchtfolge den Ertrag von beispielsweise Weizen im Folgejahr um rund zehn Prozent erhöht. Zum anderen auch wirtschaftlich. Letzteres sieht Metzger aber gleichzeitig auch skeptisch. Die großen Zuckerhersteller locken heute mit guten Rübenpreisen, so dass die Anbauflächen wachsen. Insbesondere Großbetriebe könnten sich in den nächsten Jahren in die Liste der Lieferanten einreihen. 

"Ist der Markt erst einmal gesättigt, werden auch die Preise wieder fallen", so Metzger. Deshalb beobachtet er die Entwicklung vorsichtig. Langfristig denkt er bereits über Alternativen wie eine regionalere Vermarktung, etwa über die regionale Bioland-Erzeugergemeinschaft rebio nach. 

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